08.06.2026: Kommentar von Prof. Christopher Huth, Sportwissenschaftler an der UniBw M, zur Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko.
Von der globalen Aufbruchsstimmung 1994 zur zerrissenen Welt von 2026
Von Prof. Christopher Huth, Sportwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr München
Als die Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA stattfand, herrschte weltweit Aufbruchsstimmung. Der Kalte Krieg war vorbei, der Eiserne Vorhang gefallen, die Globalisierung schien grenzenlose Möglichkeiten zu eröffnen. Die USA galten als unangefochtene Supermacht und richteten erstmals eine WM aus. Trotz aller Skepsis wurde das Turnier ein großer Erfolg und zeigte, dass Fußball auch in Nordamerika eine Zukunft hat.
Mehr als 30 Jahre später kehrt die WM nach Nordamerika zurück – diesmal gemeinsam organisiert von den USA, Kanada und Mexiko. Doch die Welt hat sich verändert. Kriege, geopolitische Spannungen und gesellschaftliche Polarisierung prägen heutzutage das Bild.
In den USA sorgt Präsident Donald Trump mit seiner Politik für innen- und außenpolitische Kontroversen. Selbst die Teilnahme des Iran, eines Landes mit angespannten Beziehungen zu Washington, könnte politische Diskussionen auslösen. Mexiko kämpft weiterhin mit Gewalt, Korruption und sozialer Ungleichheit. Kanada gilt zwar als stabilster Gastgeber, steht aber ebenfalls vor Herausforderungen wie steigenden Lebenshaltungskosten und Wohnungsmangel.
Die WM 2026 bringt damit drei Nachbarstaaten zusammen, die politisch, wirtschaftlich und kulturell eng verbunden sind, aber unterschiedliche Probleme und Interessen haben. Der Fußball kann die Probleme der Welt nicht lösen. Aber er kann für einige Wochen zeigen, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg möglich ist. Vielleicht ist das in einer Zeit wachsender Spannungen die wichtigste Botschaft dieser Weltmeisterschaft.
Allerdings steht auch die FIFA in der Kritik. Unter Präsident Gianni Infantino wächst die WM stetig weiter. Mehr Mannschaften und mehr Spiele bedeuten höhere Einnahmen, aber auch die Sorge vor einer zunehmenden Kommerzialisierung. Hohe Ticketpreise und Reisekosten werden viele Fans ausschließen.
Die WM 2026 wird daher mehr sein als ein Fußballturnier. Sie wird ein Spiegel ihrer Zeit sein – zwischen sportlicher Begeisterung, politischen Spannungen und wirtschaftlichen Interessen. Umso wichtiger ist es, dass der Fußball am Ende das bleibt, was er sein sollte: ein Spiel, das Menschen verbindet.
Neubiberg, 08. Juni 2026