Die Diskussionsteilnehmenden auf dem Podium

Side Event der MSC zur Zukunft des Wehrdienstes im Münchner Literaturhaus

16 Februar 2026

Unsichere geopolitische Zeiten erfordern eine verlässliche Sicherheitsforschung und eine breite gesellschaftliche Debatte. Beim Side Event der Universität der Bundeswehr München im Literaturhaus München stand die Frage im Mittelpunkt, wie Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit stärken kann – und welche Rolle dabei eine allgemeine Wehrpflicht oder ein freiwilliger Wehrdienst spielen. Unter der Moderation von Prof. Carlo Masala diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Bundeswehr über Chancen, Herausforderungen und Erwartungen der Gesellschaft.

Hochkarätig besetztes Podium

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Universitätspräsidentin Prof. Eva-Maria Kern, die die enge Verbindung der Universität zur sicherheitspolitischen Forschung und zur Münchner Sicherheitskonferenz betonte. Auf dem Podium diskutierten:

  • Nicole Deitelhoff, Leiterin des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konfliktforschung
  • Sara Nanni, MdB und sicherheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen
  • Generalleutnant Robert Sieger, Präsident des Bundesamts für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw)
  • Generalleutnant Alexander Sollfrank, Stellvertreter des Generalinspekteurs und Befehlshaber des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr

Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie die Bundeswehr personell gestärkt werden kann. Generalleutnant Sieger erläuterte die Ziele des neuen freiwilligen Wehrdienstes: Er solle vor allem den schnellen Aufwuchs der Reserve ermöglichen und den Heimatschutz stärken. Gleichzeitig wies er auf bestehende infrastrukturelle Herausforderungen hin – von fehlenden Kasernen bis zu begrenzten Ausbildungskapazitäten.


Die Diskussionsteilnehmer auf den Podium

Auf dem Podium diskutieren v.l.n.r.: Generalleutnant Robert Sieger, Sara Nanni, MdB, Generalleutnant Alexander Sollfrank, Prof. Nicole Deitelhoff, Prof. Carlo Masala (© UniBw M / Brauns)


Kontroverse Perspektiven auf Wehrpflicht und Gesellschaft

MdB Sara Nanni stellte infrage, ob der freiwillige Wehrdienst ausreiche, um bestehende Lücken zu schließen. Ganze Jahrgänge würden bislang nicht erfasst, zugleich bleibe nur ein begrenztes Zeitfenster, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands deutlich zu verbessern. Sie forderte, die gesamte Gesellschaft stärker in Fragen der Sicherheit einzubeziehen.

Prof. Deitelhoff plädierte dafür, neben bestehenden Defiziten auch bereits erzielte Fortschritte anzuerkennen. In der Rüstungsbeschaffung und beim Aufbau neuer Strukturen sei viel erreicht worden. Der freiwillige Wehrdienst könne helfen, schrittweise die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen. „Wir sind keine Einsatzarmee mehr, sondern eine Mobilisierungsarmee“, betonte Generalleutnant Sollfrank mit Blick auf die strategische Neuausrichtung.

Sicherheitsforschung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Die Diskussion machte deutlich, dass Fragen von Wehrdienst und Verteidigungsfähigkeit weit über militärische Aspekte hinausreichen. Sie betreffen gesellschaftlichen Zusammenhalt, politische Entscheidungsprozesse und die Rolle wissenschaftlicher Expertise. Das Side Event unterstrich den Anspruch der Universität der Bundeswehr München, sicherheitspolitische Debatten wissenschaftlich fundiert zu begleiten und Impulse für eine resiliente Zukunft zu setzen.

 

Zur Aufzeichnung der Diskussion

 


Titelbild: Die Diskussions-Teilnehmenden zusammen mit Prof. Eva-Maria Kern, Präsidentin der UniBw M. (© Josef Wiedemann)