Forschungszeppelin der UniBw M misst Feinstaub in der Arktis
28 Mai 2026
Vor genau 100 Jahren startete vom norwegischen Ny-Ålesund auf Spitzbergen die legendäre Luftschiffexpedition „Norge“ zum Nordpol. Heute erhebt sich dort erneut ein Zeppelin in die Luft – diesmal im Dienst der Wissenschaft. Im Rahmen des Forschungsprojekts LUKAS der Universität der Bundeswehr München untersucht ein Team um Prof. Adam die Belastung der arktischen Atmosphäre mit Aerosolen und deren Einfluss auf das Klima.
Der rund zwölf Meter lange Forschungszeppelin ist mit hochsensibler Messtechnik ausgestattet und wird in Kooperation mit der Karls-Universität Prag betrieben. Sein Einsatzgebiet reicht von der Forschungsstation Ny-Ålesund bis in die umliegenden Bergregionen.

An der Unterseite des Luftschiffs ist eine Leichtbaugondel mit beheizter Probenahmelanze angebracht in der sich die wissenschaftlichen Messgeräte zur Untersuchung von Aerosolen und Spurengasen befinden. (© Prof. Adam/UniBw M)
Warum Aerosole das Klima beeinflussen
Aerosole – feine feste oder flüssige Schwebeteilchen in der Luft – beeinflussen das Klima auf vielfältige Weise. Sie entstehen sowohl durch natürliche Prozesse als auch durch menschliche Aktivitäten wie Verkehr, Schifffahrt oder Industrie. Selbst in der abgelegenen Arktis lassen sich solche Partikel nachweisen, da Luftströmungen sie über Tausende Kilometer aus Europa, Nordamerika oder Asien transportieren.
Besonders während der langen Polarnacht können sich diese Stoffe in der Atmosphäre anreichern. Das daraus resultierende Phänomen, bekannt als „Arctic Haze“ („Arktischer Dunst“), gilt als wichtiger Forschungsgegenstand der Klimawissenschaft. „Die Aufklärung dieser Vorgänge ist von enormer Bedeutung für das Verständnis des Klimawandels“, erklärt Projektleiter Prof. Adam. Die Arktis erwärmt sich deutlich schneller als andere Regionen der Erde. Aerosole können dabei sowohl erwärmende als auch kühlende Effekte entfalten und beeinflussen zudem die Bildung und Lebensdauer von Wolken.
Messflüge unter extremen Bedingungen
Während eines vierwöchigen Forschungseinsatzes erstellte das LUKAS-Team mithilfe des Zeppelins ein dreidimensionales Profil der Aerosolbelastung in der Region. Das Luftschiff wird vom Boden aus ferngesteuert und fliegt vordefinierte Routen in unterschiedlichen Höhen ab. Ergänzt werden die Flugmessungen durch ein stationäres Messsystem, das bereits seit Beginn des Winters automatisiert einzelne Feinstaubpartikel analysiert und die Daten direkt nach Neubiberg übermittelt.

Das LUKAS-Luftschiffteam auf Spitzbergen: Prof. Thomas Adam, Dr. Chi-Long Tang, Dr. Seongho Jeong, Prof Jan Hovorka vom Kooperationspartner Karlsuniversität Prag, Dr. Jan Bendl. (© Prof. Adam/UniBw M)
Die Bedingungen vor Ort stellten die Forschenden vor besondere Herausforderungen. Starke Böen, wechselnde Windrichtungen und Vereisungen erschwerten den Flugbetrieb. Dank eines mehrstufigen Sicherheitskonzepts und der Unterstützung erfahrener Pilotinnen und Piloten konnten jedoch alle Messungen erfolgreich durchgeführt werden. Die Forschenden kehren nun mit umfangreichen Datensätzen nach Neubiberg zurück.
Internationale Zusammenarbeit in Ny-Ålesund
Ny-Ålesund gilt heute als nördlichste dauerhaft bewohnte zivile Siedlung der Welt und als internationales Zentrum der Arktisforschung. Zehn Nationen betreiben dort ganzjährig Forschungsstationen. Das LUKAS-Team wurde während seines Aufenthalts von der deutsch-französischen Forschungsstation AWIPEV sowie weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen und dem Betriebspersonal vor Ort unterstützt.

Büste von Roald Amundsen im Zentrum von Ny Ålesund. Im Hintergrund ist das „Blaue Haus“ zu sehen, indem sich Verwaltung und Unterkünfte der deutsch-französischen AWIPEV-Station befinden. (© Prof. Adam/UniBw M)
Die Expedition wurde durch das dtec.bw – Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr gefördert. dtec.bw wird von der Europäischen Union im Rahmen von NextGenerationEU finanziert.
Titelbild: Das Forscherteam auf dem Weg vom Hangar zum Startplatz des Forschungszeppelins (© Dr. Bendl / UniBwM)
dtec.bw
Das dtec.bw – Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr – ist ein gemeinsam getragenes wissenschaftliches Zentrum der Universität der Bundeswehr München (UniBw M) und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H). Mit der Aufnahme in den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan wird dtec.bw von der EU – NextGenerationEU finanziert. Mit über 60 finanzierten Forschungsprojekten zu Schlüssel- und Zukunftstechnologien, rund 2.000 Publikationen, 300 Partnerschaften, knapp 70 entwickelten Technologien und Prototypen sowie mehreren Patenten und Start-ups stärkt das dtec.bw die technologische Resilienz Deutschlands und schafft Mehrwert für Gesellschaft und Bundeswehr