Universität der Bundeswehr München startet innovative Satellitenmission
1 Dezember 2025
Die Universität der Bundeswehr München (UniBw M) hat mit dem erfolgreichen Start der SpaceX-Mission Transporter-15 von der Vandenberg Space Force Base (USA) am 28.11.2025 hat einen weiteren Schritt in der Entwicklung moderner Raumfahrttechnologien gemacht. An Bord der Rakete befand sich der 16U-CubeSat GENA-OT, der im Rahmen des Forschungsprojekts SeRANIS an der UniBw M als Testplattform für Schlüsseltechnologien wie Kommunikation, Erdbeobachtung, Strahlungsschutz und Künstliche Intelligenz dient. Ziel der Mission ist es, Deutschlands Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit im Weltraum zu stärken.
Bundeswehr baut eigene Satellitenkonstellation auf
Bis 2029 plant die Bundeswehr den Aufbau einer eigenen Satellitenkonstellation mit mehreren hundert Satelliten, um nationale Sicherheit und Unabhängigkeit von ausländischen Systemen zu gewährleisten. Die Missionen der UniBw M leisten dazu einen wichtigen Beitrag, indem sie neue Technologien entwickeln und erproben. Die Bundeswehr setzt mit diesem Großprojekt ein klares Zeichen für die Zukunftsfähigkeit und die strategische Handlungsfähigkeit Deutschlands im All. Der Aufbau einer eigenen Satelliteninfrastruktur stärkt die europäische Raumfahrtindustrie und schafft neue Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung. Dies ist Bestandteil der Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung, die vom Kabinett beschlossen worden ist.
Satellitenprogramm der UniBw M wird weiter ausgebaut
GENA-OT ist bereits die dritte Mission, mit der die UniBw M eigene Nutzlasten ins All bringt. Im März 2025 wurde zuletzt eine Nutzlast gestartet, um für die Bundeswehr den Betrieb im Low Earth Orbit (LEO) zu ermöglichen. Für 2026 ist mit dem Satelliten ATHENE-1 eine weitere Mission mit über 15 Experimenten geplant. Die Missionen sind Teil des SeRANIS-Projekts (Seamless Radio Access Networks for Internet of Space) des dtec.bw an der UniBw M, dem weltweit ersten öffentlich zugänglichen multifunktionalen Satellitenlabor im Orbit. „Unser In-Orbit-Labor für kritische Technologien wächst weiter“ sagt Professor Andreas Knopp, Leiter des Raumfahrtprogramms SeRANIS und Sprecher des Forschungszentrums SPACE an der UniBw M. „Mit jedem neuen Satelliten schaffen wir einen weiteren Baustein, um Rapid Prototyping, echte Hands-on-Innovation und schnelle Fähigkeitsdemonstrationen direkt im All zu ermöglichen.“ Die Geschwindigkeit in der Umsetzung von Weltraumprojekten spielt für die UniBw M eine wichtige Rolle. „Dass es auch für die Bundeswehr möglich ist, eine Mission von der Idee bis zur Einsatzbereitschaft im Weltall in nur 10 Monaten durchzuführen, haben wir schon gezeigt“, ergänzt Professor Christian Hofmann, Projektleiter der GENA-OT Mission. Während des Projekts wurde sogar eine zusätzliche Nutzlast integriert, um kurzfristig einen Bedarf der Bundeswehr zu decken. Durch SeRANIS ist im Umfeld der UniBw M ein Technologiebaukasten entstanden, der mit verschieden großen Satellitenplattformen und dazu kompatiblen Nutzlasten vielfältige Aufgaben im Weltraum wahrnehmen kann.

Linkes Bild: Falcon 9 vor dem Start; rechtes Bild: Nutzlast der Transporter 15 Mission von SpaceX vor dem Verschließen der Nutzlastverkleidung (© SpaceX)
GENA-OT: Ein CubeSat mit großen Aufgaben
Die Mission GENA-OT demonstriert flexible Integration mehrerer Nutzlasten in einen CubeSat. Die UniBw M setzt auf verschiedene Ansätze und fliegt auf der Mission sowohl komplett selbst entwickelte Systeme wie auch Nutzlasten, die von anderen deutschen Start-ups gefertigt wurden. An Bord des Satelliten nimmt die UniBw M den ICARUS-Empfänger der Max-Planck-Gesellschaft mit in den Orbit. ICARUS (International Cooperation for Animal Research Using Space) ist ein weltraumgestütztes System, das von Prof. Martin Wikelski, dem Direktor der Abteilung für Tierwanderungen des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie, initiiert wurde und als international führendes Projekt zur satellitengestützten Beobachtung von Wildtieren seinen Betrieb nun wieder aufnehmen kann. Gebaut wurde der Satellit vom Münchener Unternehmen OroraTech, gefördert durch das DLR. OroraTech betreibt seit 2022 das weltweit größte thermische Satellitennetzwerk. „Wir freuen uns mit der UniBw M einen Kunden an Bord zu haben, der perfekt zu unserer Satellitenplattform passt“, sagt Martin Langer, CEO und CTO bei OroraTech. Die Mission steht beispielhaft für die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Start-ups. Pablo Leslabay, Projektleiter bei OroraTech, betont: „Die offene Innovationskultur der UniBw M ermöglicht es, Ideen schnell in Anwendungen umzusetzen.“ So entsteht ein starkes Netzwerk für künftige Raumfahrtprojekte in Deutschland.
Innovation und Technologietransfer
Die UniBw M fördert gezielt Ausgründungen, die Forschungsergebnisse in marktreife Produkte überführen. An der Mission beteiligt ist das Start-up NEOSAT, das kompakte und abhörsichere Kommunikationslösungen auf Basis von Software Defined Radios entwickelt. Dafür erhielt es den CPM Innovation Award 2025. Das Spin-off Orbint konzentriert sich auf die Erfassung und Analyse elektromagnetischer Signale aus dem All – ein wichtiger Beitrag zur Signalaufklärung. Die kürzlich erfolgte Beteiligung des Technologiekonzerns Rohde & Schwarz unterstreicht die strategische Bedeutung dieser Technologie.
Titelbild: Satellit GENA-OT1 vor der Integration in den Launcher (© OroraTech/Exolaunch)
dtec.bw
Das dtec.bw – Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr – ist ein gemeinsam getragenes wissenschaftliches Zentrum der Universität der Bundeswehr München (UniBw M) und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H). Mit der Aufnahme in den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan wird dtec.bw von der EU – NextGenerationEU finanziert. Mit über 60 finanzierten Forschungsprojekten zu Schlüssel- und Zukunftstechnologien, rund 2.000 Publikationen, 300 Partnerschaften, knapp 70 entwickelten Technologien und Prototypen sowie mehreren Patenten und Start-ups stärkt das dtec.bw die technologische Resilienz Deutschlands und schafft Mehrwert für Gesellschaft und Bundeswehr.
SeRANIS
Das Projekt „SeRANIS – Seamless Radio Access Networks for Internet of Space“ wird im Rahmen einer system- und plattformübergreifenden Architektur den Nutzen und die technologische Reife von weltraumbasierten Schlüsseltechnologien der Digitalisierung untersuchen und demonstrieren. Als zentrales Element dient eine Kleinsatellitenmission, um die herum Missionsplanung, Bodenstationen und Auswertezentren entworfen werden.