Podiumsdiskussion bei der MAKRO Veranstaltung

Innovative Beschaffung für die Bundeswehr: Prof. Eßig wirbt für mehr Mut

22 Dezember 2025

Wie können neue Technologien schneller in die Truppe gelangen, ohne rechtliche Sicherheit zu verlieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des Münchner Arbeitskreises Reserveoffiziere (MAKRO e.V.) am 3. Dezember 2025 in der IHK München und Oberbayern.

Unter der Moderation von Prof. Rafaela Kraus (UniBw M) diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Bundeswehr, Ministerium, Industrie und Wissenschaft über innovative Wege der Beschaffung zwischen Recht, Technologie und Einsatzrealität.

Vergaberecht als Innovationsmotor statt Bremsklotz

Für die Universität der Bundeswehr München setzte Prof. Michael Eßig, Experte für öffentliches Beschaffungswesen, einen zentralen Akzent: Das Vergaberecht verhindert Innovation nicht, wenn Wirtschaftlichkeit – und nicht allein der niedrigste Preis – konsequent in den Mittelpunkt gestellt wird. Wettbewerbliche Verfahren ließen sich bei kluger Gestaltung innerhalb weniger Wochen realisieren und eröffneten auch neuen Anbietern reale Chancen.


Podium mit Prof. Eßig

Prof. Eßig (Mitte) plädiert bei der Podiumsdiskussion für ein Umdenken hin zu einer stärker marktorientierten Beschaffungskultur (© MAKRO / Maximilian Mutzhas)


Prof. Eßig plädierte für ein Umdenken hin zu einer stärker marktorientierten Beschaffungskultur. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups müssten leichteren Zugang erhalten, um Innovationspotenziale schneller nutzbar zu machen. Zugleich betonte er, dass sich die Sicherheitsindustrie zunehmend zu einer Querschnittsbranche entwickle, in der Software, Systemintegration und digitale Lösungen eine immer größere Rolle spielen – Bereiche, auf die klassische Beschaffungsprozesse bislang nur unzureichend ausgerichtet seien.

Forschung und Vernetzung als Schlüssel zur Zeitenwende

Die Diskussion machte deutlich, dass die sicherheitspolitische Zeitenwende neue Formen der Zusammenarbeit erfordert. Forschungseinrichtungen wie die Universität der Bundeswehr München leisten hierbei einen wichtigen Beitrag, indem sie rechtliche, wirtschaftliche und technologische Perspektiven zusammenführen und praxisnahe Innovationspfade aufzeigen.

Im Fazit des Podiums herrschte Einigkeit: Innovation braucht Mut, Geschwindigkeit und Vernetzung. Neue Ideen müssen frühzeitig erprobt, weiterentwickelt und erst anschließend reguliert werden. Netzwerke und Innovationsplattformen sollen künftig helfen, den Austausch zwischen Bundeswehr, Industrie und Wissenschaft zu intensivieren und technologische Lösungen schneller in die Einsatzpraxis zu bringen.

 


Titelbild (v.l.n.r.): Prof. Michaela Kraus (UniBw M), Brigadegeneral Michael Bender (BAAINBw), Lena Burth (Planungsamt der Bundeswehr), Prof. Michael Eßig (UniBw M), Oberst i.G. Matthias Puschnig (BMVg/Sonderstab Ukraine) (© MAKRO / Maximilian Mutzhas)