Wiederaufbau weiterdenken: RISK Jahreskolloquium 2026
15 Oktober 2026
Wiederaufbau beginnt bei Gebäuden, Straßen und Versorgungsnetzen – und reicht weit darüber hinaus. Nach Konflikten gilt es ebenso, gesellschaftliches Vertrauen, politische Handlungsfähigkeit und soziale Strukturen wiederherzustellen. Wie eng diese Aufgaben miteinander verknüpft sind, stand im Mittelpunkt des RISK Jahreskolloquiums am 13. Oktober 2026, dem Internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung.
Unter dem Titel „Resiliente Gesellschaft, stabile Infrastruktur – nachhaltiger Wiederaufbau nach Konflikten“ brachte das Forschungszentrum RISK unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammen. Das Programm auf dem Campus der UniBw M schlug den Bogen von Architektur und Infrastrukturplanung über Sicherheitsforschung und Mobilität bis zu Politik, Psychologie und Sozialwissenschaften. Eröffnet wurde das Kolloquium von der Präsidentin der UniBw M, Prof. Eva-Maria Kern, und Prof. Gertrud Buchenrieder aus dem Vorstand des Forschungszentrums RISK.

Die Präsidentin der UniBw M, Prof. Eva-Maria Kern, begrüßt die Teilnehmenden des RISK Jahreskolloquiums 2026 (© UniBw M/Merl)
Architektur und Gesellschaft zusammendenken
Wie lässt sich zivile Infrastruktur für Krisen, Kriege und Klimafolgen planen? Dieser Frage ging Prof. Philipp Meuser von Meuser Architekten in seiner Keynote „Bauen für den Ernstfall“ nach. Dabei griff er unter anderem Beispiele aus der Ukraine auf. Anschließend richtete PD Dr. Julia Leininger vom German Institute of Development and Sustainability den Blick auf die politischen und entwicklungspolitischen Bedingungen des Wiederaufbaus.
Wie vielfältig die Herausforderungen sind, machte eine von Prof. Timothy Williams moderierte Gesprächsrunde deutlich. Prof. Christina Binder, Prof. Inga Schalinski, Prof. Max Spannaus und Prof. Michael Eßig von der UniBw M sowie Matthias Groher vom Institut Neue Mobilität diskutierten rechtliche, psychologische, bauliche, wirtschaftliche und mobilitätsbezogene Aspekte.

Prof. Timothy Williams (r.) spricht u. a. mit Prof. Max Spannaus, Prof. Inga Schalinski und Prof. Christina Binder (v.l.n.r.) über das Thema „Resiliente Gesellschaft, stabile Infrastruktur – nachhaltiger Wiederaufbau nach Konflikten“ (© UniBw M/Hanßen)
RISK-Projekte im Fokus
Am Nachmittag rückte die Forschung des Zentrums in den Mittelpunkt. Vorgestellt wurden sechs RISK-Projekte, die im Rahmen von dtec.bw – Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr gefördert wurden.
Das Spektrum reichte von der Steuerung öffentlicher Bauprojekte mithilfe digitaler Zwillinge und Smart Contracts über ethische Fragen des autonomen Fahrens bis zu Konfliktvermittlung und friedensförderndem Journalismus. Weitere Projekte befassen sich mit hybriden digitalen Zwillingen für kritische Infrastrukturen sowie mit der Analyse politischer und gesellschaftlicher Risiken anhand von Daten aus sozialen Medien. So wurde sichtbar, wie eng technologische Entwicklungen, gesellschaftliche Verantwortung und Friedensförderung miteinander verbunden sind.
Forschung auf den Punkt gebracht
Kurz, verständlich und thematisch breit gefächert präsentierte sich der RISK-Slam. Forschende gaben Einblicke in ihre Arbeit zu Drohnen und zum Schutz kritischer Infrastruktur, zu digitalen Zwillingen für Kläranlagen, zu Gasleckage-Szenarien und zur Resttragfähigkeit beschädigter Betonstrukturen.
Auch die politischen und gesellschaftlichen Folgen von Konflikten kamen zur Sprache – mit Beiträgen zum Westbalkan, zu Künstlicher Intelligenz und zur langfristigen Nutzung des Weltraums. Ein weiteres Thema war die Frage, wie sich Evakuierungsradien bei Kampfmittelräumungen verringern lassen.
Was wirksamer Bevölkerungsschutz braucht
Den öffentlichen Abschluss bildete die Podiumsdiskussion „Zivilschutz im Wandel – Eigenverantwortung als Grundlage für Sicherheit“, die das Forschungszentrum RISK gemeinsam mit der VHS SüdOst veranstaltete. Unter der Moderation von Prof. Ursula Münch diskutierten Prof. Norbert Gebbeken, Johanne Peter, Dr. Michèle Roth-Dührkoop und Prof. Johannes Wallacher über staatliche Vorsorge, gesellschaftliche Solidarität und persönliche Verantwortung.
Ob Blackout, Starkregen oder Cyberangriff: Wirksamer Bevölkerungsschutz braucht leistungsfähige staatliche Strukturen – aber auch eine Bevölkerung, die informiert und auf den Ernstfall vorbereitet ist. Das RISK Jahreskolloquium machte deutlich: Nachhaltiger Wiederaufbau lässt sich nicht aus der Perspektive einer einzelnen Disziplin planen. Das Forschungszentrum RISK schafft deshalb den Raum, in dem Expertise aus den Ingenieur-, Natur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zusammenkommt.
Titelbild: Die beiden Keynote-Speaker Prof. Philipp Meuser und PD Dr. Julia Leininger im Gespräch mit Prof. Christian Schaum (© UniBw M/Hanßen)
dtec.bw
Das dtec.bw – Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr – ist ein gemeinsam getragenes wissenschaftliches Zentrum der Universität der Bundeswehr München (UniBw M) und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H). Mit der Aufnahme in den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan wird dtec.bw von der EU – NextGenerationEU finanziert. Mit über 60 finanzierten Forschungsprojekten zu Schlüssel- und Zukunftstechnologien, rund 2.000 Publikationen, 300 Partnerschaften, knapp 70 entwickelten Technologien und Prototypen sowie mehreren Patenten und Start-ups stärkt das dtec.bw die technologische Resilienz Deutschlands und schafft Mehrwert für Gesellschaft und Bundeswehr.