Praktische Flugversuchstechnik – Erfahrungsbericht

1 Dezember 2018

Das Modul Praktische Flugversuchstechnik findet im dritten Mastertrimester statt und ist besonders für Studierende der Vertiefungsrichtungen Luftfahrtsystemtechnik und Flugführungssysteme interessant. Das Fachwissen, welches wir uns im Bachelor und in einigen Mastermodulen angeeignet haben, wird hier praktisch angewandt. Wie bestimmt man das Steigvermögen eines Luftfahrzeuges und wie fühlen sich eigentlich die Eigenbewegungsformen des Flugzeuges in Wirklichkeit an? Antworten auf diese und viele weitere Fragen liefert die praktische Flugversuchstechnik.

In diesem Jahr hatten wir die Möglichkeit, im sogenannten „fliegenden Hörsaal“ Einblicke in die Arbeitsweisen von Testpiloten und Flugtestingenieuren zu erhalten. Der „fliegenden Hörsaal“ ist eine modifizierte Cessna Caravan des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR). Angekommen in Oberpfaffenhofen, hat sich uns zunächst das Team des DLR vorgestellt, welches uns den Tag über begleiten würde. Wie in der Fliegerei üblich, waren wir alle gleich per Du. Felix, der Koordinator des Tages, hat uns zunächst kurz die Geschichte und die Arbeit des DLR vorgestellt. Im Anschluss folgten eine ausführliche Einweisung in die Flugversuche durch unseren Flugtestingenieur Kevin und in das Luftfahrzeug durch Marc, unseren Piloten. Abgeschlossen wurde die Besprechung durch ein kurzes Wetterbriefing. Severe CAVOK (ceiling, clouds and visibility okay) war die Vorhersage für den heutigen Tag, also hervorragendes Flugwetter.

Arbeitsplatz im "fliegenden Hörsaal"

Dann ging es auch schon nach unten durch den großen Hangar auf das Vorfeld, wo die Mechaniker bereits die Caravan für uns vorbereitet hatten. Kurzer Walk-Around und ab gings in den Flieger und in die Luft. Während des eineinhalbstündigen Fluges haben wir strukturiert alle Flugversuche, wie zuvor besprochen, durchgeführt. Vom Sägezahnprofil über die Level-Acceleration bis hin zur Anregung von Phygoide und Taumelschwingung konnten wir die gewünschten Daten von den Monitoren vor unseren Plätzen aufnehmen und zwischendurch immer wieder den atemberaubenden Blick über die Alpen genießen.

Nach Kontrollraum im GSOCder Landung wurden wir in die Mensa des DLR geführt, wo wir uns stärken und über den Flug fachsimpeln konnten. Ein besonderes Highlight folgte im Anschluss an unsere Mittagspause. Felix nahm sich Zeit und führte uns durch das German Space Operations Centre (GSOC). Von hier aus wird der Einsatz von Alexander Gerst auf der ISS koordiniert und überwacht.

Zum Ende des Tages hat uns Felix die anderen Forschungsflugzeuge des DLR in Oberpfaffenhofen und die damit verbundene Forschung vorgestellt. Marc hat dies durch eine ausführliche Erklärung des Triebwerkes der Caravan ergänzt. Außerdem konnten wir alle einmal im Cockpit Platz nehmen, wo wir einen guten Überblick über die Instrumentierung bekommen haben.

Cesna Caravan des DLR im HangarDer Tag beim DLR hat nicht nur unseren Horizont erweitert und uns die nötigen Daten für die Auswertungen der Versuche an der Uni geliefert, sondern er hat in erster Linie sehr viel Spaß und Lust auf das weitere Studium gemacht!

Text und Bilder: Björn Wanja, Leutnant zur See, LRT 2015