„Verbaute Heimat? Wenn Verbrauch zum Risiko wird“ - Jahreskolloquium 2019

15 April 2019

Am 11. April 2019 fand das Jahreskolloquium des Forschungszentrums RISK an der Universität der Bundeswehr München zum Thema „Verbaute Heimat? Wenn Verbrauch zum Risiko wird“ statt.

Der Sprecher des Forschungszentrums, Prof. Dr. Norbert Gebbeken, moderierte das Kolloquium. Prof. Dr. Thienel begrüßte die 86 Gäste als Mitglied des RISK-Vorstandes.

Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Malcherek zum Thema „Hochwasserrisiko und Flächenversiegelung“. Er plädierte dafür, Flächen nicht mit Hilfe von Poldern in eine Mono-Nutzung zu überführen. Der bauliche Aufwand für Polder stehe in keinem Verhältnis zur sehr seltenen Nutzung als Polder.

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Herr Professor Dr. Jacoby sprach zum Schutz des unbesiedelten Freiraums. Er stellte die Umweltprüfung vor, bei der „Fläche“ als Schutzgut gilt. Es wurde deutlich, dass die Raumplanung ein wesentliches Element ist, um Flächennutzung nachhaltig und umweltverträglich zu gestalten.

Herr Professor Dr. Lüddecke betrachtete aus der Sicht der politischen Theorie das Thema „Den Platz auf Erden gebrauchen können – Überlegungen zu politischen Diplomatie des Bauens und Wohnens.“ In diesem beeindruckenden Beitrag wurde deutlich, dass es in der Gesetzgebung durchaus Vorgaben zur Bodennutzung und zur Verpflichtung von Eigentum gibt. Der Ausgleich von Partikularinteressen ist rechtlich, politisch und philosophisch höchst kompliziert. Deshalb sind Maßnahmen wie die SEM bezüglich ihrer Wirksamkeit kritisch zu sehen.

Herr Professor Dr. Bogenberger stellte Möglichkeiten und Grenzen für die Nutzung von Seilbahnen vor. Er machte klar, dass, wenn man den „Flächenfraß“ eindämmen möchte, man dieses Kriterium mit in die Bewertung von Seilbahnen in der Stadt einfließen lassen müsse. Neue Mobilitätskonzepte sind nicht per se solche, die Flächenversiegelung minimieren.

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Herr Professor Musso stellte in seinem Vortrag innovative Konzepte zur Stadtplanung vor, bei denen Wohnen und Arbeiten stärker zusammenrücken. Seine Ideen zur horizontalen und vertikalen Teilung und Nutzung, ermöglichen es, Gewerbe wieder in der Stadt anzusiedeln. Er erläuterte die Effizienz seiner Nutzung baulicher Anlagen anhand von GFZ, die zu einer bis zu zehnfachen besseren Nutzung von Grundstücksflächen führen.

Die abschließende sehr engagierte Podiumsdiskussion wurde von Professorin Dr. Münch moderiert. Zunächst erfolgten Impuls-Statements von Ludwig Hartmann, MdL Fraktionsvorsitzender Bündnis90/Die Grünen, Prof. Dr. Holger Magel, Präsident Akademie Ländlicher Raum und Arne Wilsdorff, BR Landespolitik. Herr Hartmann verwies darauf, dass nicht zuletzt das Bürgerbegehren zur Artenvielfalt gezeigt habe, dass ein sehr großer Bevölkerungsanteil sich für die Bewahrung der Natur einsetzt. An Beispielen wir Parkplätzen und Einkaufszentren vor den Ortschaften zeigte er auf, wie Flächen ohne Not versiegelt werden. Herr Magel setzte sich für den ländlichen Raum ein und für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Er forderte die Politik auf, eine Regionalförderung derart zu betreiben, dass nicht nur eine spezielle Region profitiert. Die SEM als städtebauliche Entwicklungsmaßnahme zur Vernichtung ländlich genutzter Flächen in der Stadt sah er kritisch. Arne Wilsdorff stellte die Bedeutung der Medien bei der Information der Bürger dar. Für ihn ist auch wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger verantwortungsvoll mit (Wohn-)Eigentum umgehen. Eine Lebenssituation angepasste Wohnnutzung sein vonnöten. In der anschließenden lebhaften Diskussion wurden sowohl Fragen gestellt als auch konstruktive Beiträge geliefert. So erläuterte ein ehemaliger Bürgermeister, dass Kommunen sehr wohl Instrumente haben, die Innenentwicklung eine Gemeinde zu fördern und zu fordern, um zu verhindern das Brachflächen nur zum Zwecke der Spekulation nicht bebaut werden.

Beim abschließenden „Get-Together“ wurden die Themen bis in den späten Abend weiter vertieft.