Autor: Prof. Dr. rer. nat. Bernd Häusler
Anfang der 90er Jahre wurden die Forschungsaktivitäten am damaligen Institut für Raumfahrttechnik (jetzt ISTA) durch Prof. Häusler auf die Erforschung des Sonnensystems mit Hilfe der Radio-Science Technik ausgerichtet. Die von der Wissenschaft gestellten Fragen zielten dabei auf die Erforschung von Planeten mit ihren Atmosphären, Ionosphären und ihren Oberflächen (vergleichende Planetologie), auf die Eigenschaften von Monden, Kometen und Asteroiden, sowie auf die Dynamik der Sonnenkorona (CMEs: coronal mass ejections).
Prof. Häusler beteiligte sich mit einem internationalen Wissenschaftlerteam (Deutschland, USA, Belgien, Frankreich, Japan) an Experimentvorschlägen für eine Kometen-, Mars- und Venusmission der der europäischen Weltraumbehörde ESA. Alle drei Vorschläge wurden angenommen und Häusler wurde bei allen drei Missionen mit verantwortungsvollen Aufgaben bei der Realisierung der Radio-Science Experimente betraut (Co-Investigator und Experiment-/Missionmanager bei Mars Express und Rosetta, Principal Investigator bei Venus Express). Die Starts der Trägerraketen erfolgten am 02.06.2003 (Mars), 02.03.2004 (Rosetta) und am 09.11.2005 (Venus). Die Venussonde VEX verglühte am 28.11.2014 in der Venusatmosphäre. Die Rosetta Mission dauerte bis 30.09.2016, als die Rosettasonde nach ihrer zehnjährigen Reisezeit zum Kometen und anschließender Messphase zum Absturz auf den Kometen gebracht wurde. Die Marssonde MEX (Mars Express) sendet heute noch Daten zur Erde! Für das Institut für Raumfahrttechnik sind alle drei Missionen ein großer Erfolg.
Die Technik
Radio-Science Forschungen fallen in drei breite Kategorien der Beobachtungstechnik. Gemeinsam ist allen Kategorien, dass die Ausbreitung ultrastabiler Mikrowellen im Weltraum untersucht wird. Breitet sich eine elektromagnetische Welle vom Satelliten zur Bodenstation durch ein atmosphärisches Medium aus, können auf Grund der an der Welle eingetretenen Veränderungen (z. B. Änderungen der Phasenweglängen, die an der Bodenstation als Frequenzänderungen messbar werden) wichtige Parameter einer planetaren Atmosphäre (Temperatur, Druck, Winde) ermittelt werden. Bei Verwendung zweier unterschiedlicher phasenkohärenter Frequenzen können außerdem nicht-dispersive von dispersiven Medieneffekten getrennt werden. Es lässt sich also zwischen neutralen Atmosphären und ionisierten Medien wie Ionosphären, koronalem Plasma bzw. Sonnenwindplasma unterscheiden. Einen besonderen Raum bei planetaren Untersuchungen nimmt die „Radio-Okkultationstechnik“ ein. Tritt nämlich ein den Planeten umkreisender Satellit von der Erde aus gesehen hinter den Planeten, so wird der Empfang der Radiowellen auf der Erde nicht schlagartig unterbrochen– die Signale werden noch für eine gewisse Zeit „sichtbar“ sein, da die Radiowellen sich zuerst durch die Ionosphäre/Atmosphäre ausbreiten, bevor sie ganz hinter dem Planeten verschwinden (und in umgekehrter Reihenfolge beim Wiederaustritt aus der Okkultation), siehe Abb. 1. Es sind diese Zeiträume, die für die Erforschung der Atmosphäre zur Verfügung stehen.1,2,3 Abb. 2 zeigt ein so gewonnenes typisches Höhenprofil der Temperatur in der Venusatmosphäre.


