Kenia 2024

Programmübersicht Pressestimmen & Berichte

+++ Weiter unten finden Sie Fotos von der Lehr- und Forschungsreise +++

Eine wirklich einmalige und ganz außergewöhnliche Erfahrung im Studium – so lautet alle Jahre wieder das Fazit der Studierenden des SOWI-Mastermoduls „Internationales Recht und Politik in der Praxis“. Diesmal führte die LFR die Studierenden für zehn Tage nach Jordanien. Das Haschemitische Königreich gilt als wichtiger Stabilitätsanker in der Region und bedeutsamer politischer und militärischer Partner Deutschlands. Doch wie sieht es hinter den Kulissen aus? Dieser Frage nachzugehen war das Ziel der diesjährigen LFR. Unter Leitung von Dr. Jan Busse, Prof. Daniel-Erasmus Khan, Dr. Donald Riznik und Prof. Stephan Stetter führt dieses besondere Lehrformat bereits seit 2015 Studierende in unterschiedliche Länder beziehungsweise Regionen. Das Erfolgskonzept: Lehrbuch- und Hörsaalwissen in internationalem Recht und internationaler Politik durch konkrete Praxiserfahrungen vor Ort ergänzen, vertiefen und gegebenenfalls auch korrigieren.

Die Reisen tragen zudem dazu bei, das weltweite Netzwerk der Beziehungen der UniBw M und damit auch die internationale Sichtbarkeit systematisch zu stärken und auszubauen. Für die studierenden Offiziere ist das hautnahe Erleben des historisch geprägten komplexen Zusammenspiels militärischer, politischer und gesellschaftlicher Akteure in einer ganz konkreten (Konflikt-) Region vor allem mit Blick auf die spätere berufliche Praxis eine wertvolle Erfahrung.

Gesprächsrunden zu geopolitischer Rolle Jordaniens

Auf dem Programm der diesjährigen LFR standen vertiefte Begegnungen und Gespräche zu politischen Themen mit dem ehemaligen Kultusminister Jordaniens, verschiedene Gesprächsrunden mit jordanischen Expertinnen und Experten zur jordanisch-israelischen Zusammenarbeit, zur geopolitischen Rolle Jordaniens im sich wandelnden Nahen Osten und aktuellen innenpolitischen Entwicklungen im Lande. Gastgeber waren, einer Tradition der LFR folgend, führende Think Tanks, nationale und internationale NGOs sowie politische Akteure, etwa das renommierte Politics & Society Institute, die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Al-Quds Centre for Political Studies.

In der Residenz des deutschen Botschafters gaben Botschafter Bernhard Kampmann sowie der Militärattaché Timm Ahrens der Gruppe fundierte Einblicke „von außen“ aus allgemein- und militärpolitscher Sicht. Bei einem Besuch der „German Week“ an der Deutsch-Jordanischen Universität (German-Jordanian University, GJU) wurden die bereits laufenden Planungen zu Vertiefung und Ausbau der Beziehungen zwischen der GJU und der UniBw M besprochen. Zudem erhielten die Teilnehmenden der Gruppe die Gelegenheit, sich mit jordanischen Studierenden auszutauschen.

Konfliktszenario hautnah erleben

Mit vier „Field Trips“ wurde den Studierenden vor Ort die Praxis internationaler Beziehungen in Recht und Politik ganz konkret vor Augen geführt. Geleitet durch einen jordanischen Pfarrer führte der erste Trip zum Thema christliche Minderheit in Jordanien u. a. zu biblischen Stätten wie dem Berg Nebo (Blick auf das „Gelobte Land“) und der Taufstätte Jesu am Jordan. Orte bedauerlicherweise auch mit Bedeutung und Brisanz für das aktuelle Konfliktszenario in der Region.

Auch der zweite Field Trip an die Nordgrenze Jordaniens gegenüber Syrien, Israel und den seit 1967 israelisch besetzten Golanhöhen, führte die Konfliktkonstellation eindrücklich vor Augen. Im Zentrum des sicherheitspolitischen Briefings durch einen Brigadegeneral der jordanischen Armee und dem deutschen Verbindungsoffizier vor Ort stand die detaillierte militärische und sicherheitspolitische Aufklärung zu den von Deutschland unterstützen Grenzsicherungsmaßnahmen mit dem primären Ziel, den Schmuggel von Drogen und Waffen zu unterbinden und so die regionale politische Lage zu stabilisieren.

Der gerade für Jordanien besonders virulenten Flüchtlingsfrage gewidmet waren zwei weitere Field Trips: Ziel war zum einen das vom UN-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) verwaltete palästinensische Flüchtlingslager Baqa’a im Norden Ammans und zum anderen das Registrierungszentrum für viele tausende – vor allem syrische – Geflüchtete unter Verantwortung des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR).

Eindrücke des Kultur- und Naturerbes

Das vielfältige Programm in Amman schloss den Besuch des Königlichen Panzermuseums sowie eine alternative Stadttour ein: Vermittelt über die im Straßenbild allgegenwärtige Graffitikunst, brachte ein jordanischer Künstler der Reisegruppe politische und gesellschaftliche Debatten näher, die das Land derzeit bewegen. Auch ein kurzer Eindruck des Kultur- und Naturerbes des Landes war Teil der Agenda: die griechische Altstadt im Herzen Ammans (das einstige Philadelphia) sowie die römischen und nabatäischen Städte Jerasch und Petra (UNESCO-Weltkulturerbe). Es handelt sich um Zeugnisse eines jahrtausendlangen intensiven, nicht immer konfliktfreien Zusammentreffens von Völkern und Kulturen in der Region – mit Nachwirkungen bis heute. Über die Wüste Wadi Rum (UNESCO-Welterbe) ging es schließlich zur Hafenstadt Akaba am Roten Meer, bekannt durch ihre bedeutende Rolle im Rahmen der arabischen Aufstände gegen das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg und durch den britischen Offizier T. E. Lawrence (Lawrence von Arabien). Und hier war Geopolitik dann auch wieder ganz nah – vier Staaten kann man hier gleichzeitig in den Blick nehmen: Jordanien, Israel, Ägypten und Saudi-Arabien.


Zurück zur Übersichtsseite