Spielfläche des Wargame-Brettspiels HyDRA

Mit HyDRA hybride Bedrohungen spielerisch verstehen

3 Dezember 2025

Hybride Bedrohungen wie der Versuch der Einflussnahme von außen auf die westliche Staatengemeinschaft sind im 21. Jahrhundert allgegenwärtig. Das Doktrinzentrum der Bundeswehr forscht im Bereich hybride Bedrohungen, um die Logik hinter hybrider Interessengestaltung zu verstehen, die gesamtstaatliche Betroffenheit zu begreifen und daraus praktische Schritte hinsichtlich der notwendigen Resilienz abzuleiten.

Ein Ergebnis dieser Forschungsarbeit ist das Wargame-Brettspiel HyDRA (Akronym fürHybrid Defence Resilience & Awareness Game). Das Spiel wurde am Doktrinzentrum in enger Zusammenarbeit mit Teilnehmenden des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) entwickelt. In die Ausgestaltung flossen viel Zeit, Fachwissen und Erfahrungen unterschiedlicher Truppengattungen sowie verschiedenster Dienstgradstufen ein.

Vor seiner Veröffentlichung durchlief HyDRA eine lange und intensive Testphase in verschiedenen Einrichtungen der Bundeswehr. Das Ergebnis überzeugt: Die Szenarien werden von Spielenden regelmäßig als realitätsnah, lehrreich und fachlich wertvoll beschrieben. Das positive Feedback aus der Praxis bestätigt den Nutzen des Wargames als Ausbildungs- und Sensibilisierungsinstrument.

Wie HyDRA hybride Angriffe erfahrbar macht

In Anlehnung an die vielköpfige Wasserschlange greift in HyDRA das Team ROT als hybrider Akteur eine fiktive Dienststelle der Bundeswehr an. Aufgabe des Verteidiger-Teams BLAU ist es, einen vorgegebenen Auftrag zu erfüllen, während Team ROT versucht dies zu verhindern. Das „strategische Ziel“ im Blick, erfolgt der Angriff durch eingespielte Ereignisse entlang eines inhaltlich und zeitlich klug orchestrierten Operationsplans auf die als Drei-Säulen- Modell symbolisierte Dienststelle: auf die Moral, die Glaubwürdigkeit und die Einsatzbereitschaft.

Das Spiel nutzt neben einem Kartensatz zu generellen hybriden Angriffen wie Fake News, Angriffe auf die Infrastruktur, Anwerbung durch ausländische Geheimdienste mehrere Kartensätze mit Angriffsszenarien abgestimmt auf die einzelnen Teilstreitkräfte Heer, Marine und Luftwaffe sowie den Sanitätsdienst und Bildungseinrichtungen der Bundeswehr.

Sensibilisieren, Reflektieren, Diskutieren

HyDRA verfolgt ein klares Ziel: Die Teilnehmenden sollen ein vertieftes Verständnis für hybride Bedrohungen entwickeln und sich ihrer eigenen Rolle innerhalb solcher Szenarien bewusst werden. Das Durchlaufen einzelner Szenarien soll zudem dazu anregen, bestehende Verfahren, Regelungen und Prozesse im eigenen Verantwortungsbereich, gerade auch für Entscheidungsträger in Leitungsfunktion, zu hinterfragen und wenn es geboten scheint, anzupassen.

Zugleich fördert das Spiel den offenen Austausch über geeignete Reaktionsstrategien und persönliche Erfahrungen. HyDRA schafft damit sowohl für erfahrene Soldatinnen und Soldaten als auch für Einsteigerinnen und Einsteiger einen niedrigschwelligen, aber inhaltlich substanziellen Zugang zu einem komplexen sicherheitspolitischen Thema.

Einsatz am Forschungsinstitut CODE

Die Universität der Bundeswehr München verfügt inzwischen über drei Exemplare des Spiels. Zusammen mit der Professur für Wirtschaftsinformatik hat das Forschungsinstitut CODE HyDRA bereits mehrfach in der Lehre eingesetzt, unter anderem mit Studierenden des Masterstudiengangs Cyber-Sicherheit und Wirtschaftsinformatik. Die durchweg positiven Erfahrungen belegen, dass sich das Spiel hervorragend für die Ausbildung eignet, indem es theoretische Inhalte zu hybriden Bedrohungen mit praktischen, interaktiven Lernelementen verbindet.

 


Titelbild: Spielfläche des Wargame-Brettspiels HyDRA (© UniBw M/Siebold)

Text: Ulrike Schreiber und Benjamin Bellgrau