„Management und Medien“ – ein Studiengang mit vielen Gesichtern

24 Juli 2023

„Management und Medien“ – ein Studiengang mit vielen Gesichtern

Von KI, Talks und Planspielen bis hin zu Journalismus zum Anschauen und Mitmachen

Am Tag der offenen Tür der UniBW konnte der Studiengang „Management und Medien“ zeigen, welche Vielfalt in ihm steckt. Es gab viel zu entdecken – und zu erleben: besonders stark war die Fakultät für Betriebswirtschaft im Foyer der Bibliothek vertreten.

Alles war dabei – ein sehr freundlicher Roboter, ein Satellit und auch ein kleines Insektenhotel. Das gehörte zum Stand von Management und Medien (MM)-Studentin Romana Rohden.

 

AK Umwelt und Klimaschutz

Die Studentin machte mit einer Tombola auf ihren „Arbeitskreis Umwelt- und Klimaschutz“ aufmerksam. Ihr Ziel: sie möchte mit einem jährlichen Möbelflohmarkt Sperrmüll vermeiden und auf dem Gelände der UniBW Bienen- und Umweltwiesen anlegen. Ganze 500 Euro konnte sie an ihrem Stand für ihre Projekte einsammeln. Über Fragen oder neue Mitglieder freut sich Romana Rohden unter AkUmwelt@unibw.de.

 

Vom Familien- zum Planspiel

Nebenan stellte Manfred Sargl, Professor für Finanzwirtschaft und Controlling, ein Planspiel vor, das er im Rahmen seiner Kurse zum Thema Klimaschutz, für seine Unterrichtszwecke weiterentwickelt hat. In „Daybreak“, ursprünglich als Familienspiel gedacht, hat Sargl großes didaktisches Potenzial entdeckt. Im nächsten Schritt will er es dafür nutzen, um sicherheitspolitische

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MM Studierende beim spielen des Planspiels | Credit: Felix Pitscheneder

 

Komponenten in des Klimaspiel zu integrieren und es sukzessive von einem Spiel hin zu einer Simulation für Unterrichtszwecke (Planspiel) vor allem im Hochschulbereich (nicht nur an der UniBw), sondern auch in anderen Bereichen der Bildung weiterzuentwickeln.

 

Der ersten Stock des Foyers: Journalismus – anschauen & mitmachen!

„Was produzieren Studierende der Journalistik und wie lernen sie?“ – das zeigten die drei Professorinnen Irene Preisinger (Redaktionspraxis), Judith Pies (Digitaler Journalismus) und Sonja Kretzschmar (Innovation im Journalismus) im Raum des Instituts für Journalistik. Ob Foto-Workshops, Filmvorführungen oder Talk – hier konnten die zahlreichen Besucher einiges erleben.

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Besucher an einer Lehrstation | Credit: Felix Pitscheneder

 

Unter dem Motto „Tipps & Training: „Fake News“ leichter erkennen“, standen die Lernstationen, die im Team von Judith Pies im Seminar „Social Media“ produziert wurden. Über ein Onlinequiz konnten die Besucherinnen und Besucher ihre Medienkompetenz in Sachen Influencer testen, lernten Fake News auf TikTok oder Bots und Fake Accounts zu erkennen. „Desinformation und Lügen sind in der öffentlichen Kommunikation kein neues Phänomen – die Schnelligkeit und Reichweite haben sich jedoch durch die Digitalisierung und die Verbreitung von Sozialen Medien verändert“, sagt Judith Pies, die am Institut gerade die Vertretungsprofessur „Digitaler Journalismus“ inne hat. Umso wichtiger sei es, Quellen zu hinterfragen und nicht alles auf den ersten Blick zu glauben.

 

Talk: Frauen an der UniBW – mit und ohne Uniform

„Das sind ja fast schon paradiesische Zustände.“ Bei der Podiumsdiskussion „Frauen an der UniBW – mit und ohne Uniform“ zeigte sich Dr. Stefanie Seidel beeindruckt von den Möglichkeiten, die eine Gleichstellungsbeauftragte heute hat. Sie war von 1994 bis 1999 an der Universität die erste Frauenbeauftragte, wie das Amt damals noch hieß. Den Zuschauerinnen und Zuschauern wurde klar, dass sie eine kämpferische Frau war und ist – auch wenn sie die Diplomatie als ihre wichtigste „Waffe“ bezeichnete. Hart musste sie um Anerkennung für ihre Rolle kämpfen, was sie mit Zitaten aus Zeitungsberichten und persönlichen Erinnerungen untermauerte.

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(v.l.n.r.) Kathrin Faehndrich, Pamela Koch, Dr. Stefanie Seidel, Angelika Knop | Credit: Felix Pitscheneder

 

Für Pamela Koch, die heutige zivile Gleichstellungsbeauftragte der Universität, ist es dagegen selbstverständlich, an den Sitzungen wichtiger Gremien teilzunehmen und den Berufungsverfahren für Professuren mitzuwirken. Hauptmann Kathrin Faehndrich, militärische Gleichstellungsbeauftragte, machte deutlich, dass ein gewisses Maß an Streitbarkeit und Standhaftigkeit im Amt aber keinesfalls schaden. Luft nach oben sei auf jeden Fall – bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ebenso wie beim Frauenanteil. Seit 2001 erst stehen Frauen alle Laufbahnen bei der Bundeswehr offen, derzeit sind rund 19 Prozent der Studierenden an der UniBW weiblich – bei etwa 13 Prozent Soldatinnen in der gesamten Truppe. Auch knapp 19 Prozent Professorinnen gibt es an den Lehrstühlen. An der Fakultät BW sind es rund 40 Prozent. „Darum lobe ich sie auch immer“, so Pamela Koch. Am Institut für Journalistik beträgt der Frauenanteil 100 Prozent – drei Frauen bei drei Professuren. „Nach der dritten Frau haben mich viele danach gefragt, das sei ja ungewöhnlich. Ich kann nur sagen: Wir hätten nichts gegen einen Mann gehabt. Aber manchmal - gibt es eben einfach keine qualifizierten Männer!“ erklärt Prof. Dr. Sonja Kretzschmar mit einem Augenzwinkern.  Der Ort war also ideal für diese lebhafte Gesprächsrunde, die Prof. Sonja Kretzschmar initiiert hatte und die von Angelika Knop, Lehrkraft am Institut, moderiert wurde.

 

Digitaler Datenjournalismus – von Big Data zur Story

Zahlen, Daten, Fakten

Zählappell

Woher kommen eigentlich die Studierenden der UniBW? Wie oft fahren sie nach Hause und wie lange sitzen sie dafür im Zug? Auch auf diese Fragen gab es Antworten am Tag der Offenen Tür – und zwar in Zahlen, Diagrammen und Karten. Vier Studierende präsentierten, wie sich „Die Pendlerarmee“ (https://story.unibw.de/uniform/pendler-armee) von Neubiberg aus heimwärts und wieder zurückbewegt. Das preisgekrönte, datenjournalistische Projekt hatten sie im zweiten Studienjahr am Lehrstuhl für digitalen Journalismus erstellt. In einem zweiten Beitrag erfuhr das Publikum, wie mit dem neuen Münchner Stadtteil Freiham ein Modell für „Energiewende und Nachhaltigkeit“ (https://story.unibw.de/wirtschaft/zwischen-energiewende-und-nachhaltigkeit-wie-sich-der-wohnungsmarkt-veraendert) entsteht. Beide Teams gaben einen Einblick in ihre Arbeit – in mühsame Recherchen, plötzlich verschwundene Datensätze, interessante Interviewpartner und spannende Dreharbeiten.

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(v.l.n.r.) Andreas Geyer, Patric Sievert, Frauke Oestreich, Maximilian Dietrich | Credit: Felix Pitscheneder

 

Video-Reportagen

 Im dritten Studienjahr lernen die MM-Studierenden, wie sie gute Videos, Podcasts und Multimediastorys produzieren. „Es macht uns sehr viel Spaß zu sehen, wie stolz die Studierenden am Ende des Studienjahrs sind, wenn Sie ihre fertigen Projekte auf unserer Studierendenplattform StORY (https://story.unibw.de/) hochgeladen haben. Der Weg dorthin ist oft schwerer und arbeitsreicher, als die meisten es sich anfangs vorgestellt haben.“ so Carolin Bergmann, eine der beiden Dozentinnen am Institut für Journalistik, die neben Prof. Sonja Kretzschmar die praktischen innovativen Arbeiten betreuen. In mehrere Slots zeigten Studierende ihre Videoreportagen und erzählten dem interessierten Publikum von ihren Erfahrungen bei der Produktion.

 

Foto-Workshops: Bessere Smartphone-Porträts mit dem richtigen Licht

 Wenn Felix Pitscheneder, Fotograf und Medieningenieur an der Professur für Redaktionspraxis, am Anfang des Studiums den Umgang mit digitalen Spiegelreflexkameras erklärt, ist bei den Studierenden „fototechnisch oft noch Luft nach oben“. Umso schöner sei es zu sehen, wie sich die Arbeiten im Lauf der Studienjahre verbesserten – durch technisches Know-how und vor allem durch ein tieferes Verständnis für Licht und Bildkomposition. „Gute Bilder sind im Journalismus ein Muss. Vor allem für digitale Medien spielen sie eine zentrale Rolle“, sagt Irene Preisinger, Professorin für Redaktionspraxis. Deshalb müssten die Studierenden lernen, wie Profis in Fotoredaktionen arbeiten. Gelungene studentische Fotos wurden bei einer Ausstellung im Vorraum präsentiert. Bei Foto-Workshops erfuhren Besucherinnen und Besucher Tricks, wie sie im Alltag mit dem Smartphone bessere Bilder machen können.

 

Was tun bei Gefahrenlagen wie Erdbeben, Feuer oder Lawinen?

Sonja Kretzschmar war außerdem noch mit ihrem BBK-Projekt (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn) am RISK-Stand vertreten. Als Mitglied des Forschungszentrums RISK - Risiko, Infrastruktur, Sicherheit, Konflikt hat sie in einem Drittmittelprojekt Videos zum baulichen Bevölkerungsschutz produziert und bei RISK präsentiert. Die Videos informieren u.a. über den baulichen Schutz kritischer Infrastrukturen. Konkret geht es dabei um Empfehlungen zum Schutz von Gebäuden bei unterschiedlichen Gefahrenlagen wie beispielsweise Erdbeben, Feuer, Lawinen, Strom, Hagel, Hochwasser, Schneelasten oder Stromausfall. „In Zeiten des Klimawandels werden gerade Hochwasser-Clips stark genutzt und auch immer wieder aktualisiert – wir müssen uns auf eine Zunahme von extremen Wettereignissen einrichten. Videos können hier über wichtige Verhaltensregeln informieren, die Leben retten können.“

 

Media for Peace (M4P) – ein Projekt für friedensfördernden Journalismus

Ebenso am Stand von RISK stellte Prof. Sonja Kretzschmar und ihr Team ein besonderes journalistisches Projekt vor: Media for Peace (https://dtecbw.de/home/forschung/unibw-m/projekt-media-for-peace) ist ein multidisziplinäres Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit dem Ziel in Krisenregionen wie dem Libanon oder Afghanistan einen friedensfördernden Journalismus zu unterstützen. Hierbei sollen die Digitalisierung und neue Technologien, wie beispielsweise eine App, ortsansässige Journalisten bei Ihrer Arbeit unterstützen. Das M4P noch viel mehr sein kann, zeigte Sonja Kretzschmar am Tag der offenen Tür. Zusammen mit der Doktorandin Julia Eyrich und Masterstudierenden im Studiengang Management und Medien, hat sie sich im letzten Trimester mit der Frage beschäftigt, wie „Design Thinking“ im Journalismus eingesetzt werden kann. Mit dem Tool und der Unterstützung des Projekt Partners Media Lab Bayern (https://www.media-lab.de/de/) konnten die Studierenden im Seminar einen M4P-Prototypen entwickeln und testen. Omid Soubhani, der aus Afghanistan nach der Taliban-Übernahme geflüchtet ist, und der als Fellow im Projekt arbeitet, erzählte erstmals auf Deutsch, wie er zu dem Projekt gekommen ist. Ein Bild, in dem er als Vierjähriger mit seinem Vater neben einem Jeep mit deutscher Flagge steht, stand am Anfang. „Mein Vater hat für Deutschland gearbeitet.“ Die Projektarbeiterin des damaligen deutsch-afghanischen Projekts war extra zu seinem Vortrag am Tag der offenen Tür angereist.

 

Von Satelliten und virtueller Realität

Professor Philipp Rauschnabel und sein Team waren in den Stand von SeRANIS (https://seranis.de/) involviert, der dtec.bw-Satellitenmission an der UniBw, für das sie das Projektmarketing verantworten. Dort konnten die Gäste ein Modell des Satelliten in echter Größe bestaunen und bei einer Campus-Ralley die verschiedenen Laboreinheiten besichtigen.

Zudem gaben sie an einem Stand der Professur für Digitales Marketing und Medieninnovation Einblicke in die Forschung zu Augmented Reality, Virtual Reality und Metaverse. Hier hatten Gäste die Möglichkeit, neueste Devices auszuprobieren und einen Eindruck zu bekommen, wie Kommunikation und Arbeit in Zukunft aussehen könnten. „Wir hatten viele inspirierende Gespräche mit den internen und externen Gästen, denen wir zeigen konnten, dass es sich bei AR und VR keinesfalls nur um eine Spielerei handelt“, so Prof. Rauschnabel

 

Founders – Gründungskultur an der UniBW

Großen Andrang gab es auch im Eventraum der „Founders“. Zusammen mit ihrem Team präsentierte hier Rafaela Kraus, Professorin für Unternehmens- und Personalführung, Vizepräsidentin Entrepreneurship und die Leiterin der „Founders“, die prominentesten Start-ups der „Founders“ und ihre Deep-Tech Lösungen aus den Bereichen Verteidigung, Raumfahrt und Medizintechnik. 

„Ich sage unseren wissenschaftlichen Mitarbeitenden immer: Betrachten Sie eine Startup-Gründung auf Basis ihrer Forschung nicht als Plan B, sondern als Plan A! Und zu unseren jungen Nachwuchsoffizierinnen und -offizieren sage ich: „Out-of-the-box“ denken ist leicht, schwierig ist es, neuartige Problemlösungen auch in die Tat umzusetzen. Daher bieten wir den Studierenden an, Intrapreneurship in der Praxis anzuwenden. Und hoffen, dass sie die erlernten Innovationskompetenzen später in die Bundeswehr tragen!“ so Rafaela Kraus.

Mit dabei auch Marcel Schorr, Mitgründer von ARX-Landsysteme, und seinen Prototyp „Gereon 2“. Sein Start-up hat er 2021 an der UniBW gegründet. Heute wird sein Zielbauroboter bereits als autonomes Smart Target in der einsatznahen Gefechtsausbildung der Bundeswehr eingesetzt.

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Mehr zu den Founders unter https://www.unibw.de/entrepreneurship.