Projekte

Forschungsprojekte

 

Kapazitätssteuerung mit geplanten Upgrades

In vielen Branchen, in denen die klassischen Instrumente des Revenue Managements — wie zum Beispiel Kapazitäts- und Überbuchungssteuerung — eingesetzt werden, kommt so genannten Produktupgrades eine maßgebliche Bedeutung zu. Unter einem Upgrade versteht man dabei das Vorgehen, dem Kunden zum Zeitpunkt der Leistungserbringung ein anderes, höherwertiges Produkt als das eigentlich erworbene ohne Aufpreis zur Verfügung zu stellen. Für das anbietende Unternehmen ist dieses Vorgehen sinnvoll, wenn teure Produkte vergleichsweise geringe Nachfrage erfahren und die entsprechende, ansonsten ohnehin freibleibende Kapazität somit für stärker nachgefragte, günstigere Produkte genutzt werden kann. Bekannte Beispiele für Branchen, in denen von Upgrades regelmäßig Gebrauch gemacht wird, sind Linienfluggesellschaften (Upgrades z.B. von Economy auf Business Class) oder Automobilvermietungen (Upgrades z.B. von Compact auf Full Size).

Während in den in der Praxis eingesetzten Planungssystemen Upgrade- und Kapazitätssteuerung in der Regel sukzessive erfolgen, werden im Rahmen der Forschung der Professur neue methodische Ansätze entwickelt, die eine simultane Kapazitäts- und Upgradesteuerung ermöglichen. Dabei werden insbesondere Techniken aus der approximativen, dynamischen Optimierung eingesetzt. In einem zweiten Schritt wird die Güte der entwickelten Verfahren in Rahmen einer umfassenden, auf Praxisdaten basierenden Simulationsstudie evaluiert und vergleichend ihre Stärken und Schwächen, insbesondere auch im Hinblick auf die praktische Umsetzbarkeit, herausgearbeitet. Dazu wird auf eine eigens am Lehrstuhl in .NET neu entwickelte, umfassende Simulationsumgebung zurückgegriffen.

 

Optimale Bepreisung von Produktlinien in der Dienstleistungsproduktion

Auf Grundlage verschiedener Ansätze zur Abbildung des Kaufverhaltens und damit auch der Präferenzstrukturen von Nachfragern werden im Rahmen einer Reihe von Teilprojekten Optimierungsmodelle zur Ermittlung optimaler Preise entwickelt (beispielhaft wird im Folgenden auf zwei Teilprojekt eingegangen):

 

Customer-Centric Logistics im E-Fulfillment

Im Rahmen dieses Projektes werden Verfahren der lieferpreisbasierten Nachfragesteuerung zur Optimierung der Auslieferungslogistik im Online-Lebenmitteleinzelhandel entwickelt.

 

Dynamic Pricing mit strategischen Konsumenten

Bis vor einigen Jahren konzentrierten sich die Autoren im Dynamic Pricing beinahe ausschließlich auf myopische, also kurzsichtig handelnde Kunden. Seit Beginn des Internetzeitalters und der damit verbundenen umfassenden Informationsverfügbarkeit für alle Marktteilnehmer intensiviert sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit strategisch agierenden Konsumenten, die vorausschauende Entscheidungen treffen.

Entscheidend bei der Modellierung strategischen Konsumentenverhaltens sind spieltheoretische Konzepte. Dabei stellt sich beispielsweise die Frage, ob es dem Anbieter möglich ist, sich von vorneherein glaubwürdig auf eine Preispolitik festzulegen oder ob er seine Preise erst während des Verkaufszeitraumes verkünden kann. Im Rahmen der Forschung der Professur werden unterschiedliche Modellspezifikationen und deren Implikationen auf den Gewinn des Anbieters untersucht.

 

Kapazitätssteuerung mit flexiblen Produkten

Ein vergleichsweise neuer Aspekt des Revenue Managements ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit flexiblen Produkten, die sich dadurch auszeichnen, dass dem Anbieter – gegen entsprechenden Preisabschlag – noch kurz vor der eigentlichen Leistungserbringung ein zuvor festgelegter Gestaltungsspielraum eingeräumt wird. Es handelt sich somit um ein Bündel aus mehreren, typischerweise substituierbaren Alternativen, wobei der Verkäufer dem Käufer zu einem zuvor vereinbarten Zeitpunkt nach dem Kauf (aber vor der eigentlichen Leistungserstellung) eine der Alternativen zuteilt. Im Bereich des Linienflugverkehrs kann man sich beispielsweise einen Flug von Frankfurt nach London vorstellen, wobei nur der Tag, nicht aber die genaue Abflugzeit zum Kaufzeitpunkt definiert wurde. Erst wenige Tage vor Abflug wird dem Passagier die genaue Uhrzeit mitgeteilt.

Flexible Produkte erweitern die Möglichkeiten der Kapazitätssteuerung, denn sie heben den engen Zusammenhang zwischen Verkauf und exakter Festlegung der benötigten Ressourcen auf. Der Anbieter behält bis zum vereinbarten Zuweisungszeitpunkt eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der Ressourcenbelegung und kann auf einen unerwarteten Verlauf der Nachfrage somit besser reagieren. Denn am Zuweisungszeitpunkt ist die Unsicherheit hinsichtlich der im verbleibenden Verkaufszeitraum noch eintreffenden Nachfrage in der Regel geringer als zum Zeitpunkt des Verkaufes.

Im Rahmen der Forschung der Professur werden verschiedene neue Optimierungsmodelle entwickelt, welche als Grundlage zur Kapazitätssteuerung mit flexiblen Produkten dienen. Darauf aufbauend werden verschiedene Mechanismen entwickelt, welche die Steuerung mit flexiblen Produkten unter Verwendung erweiterter deterministischer Ersatzmodelle ermöglichen, und simulativ gegenübergestellt. Ferner wird in umfassenden Simulationsstudien untersucht, inwieweit flexible Produkte helfen können, Prognosefehler hinsichtlich der eintreffenden Nachfrage nachträglich zu kompensieren.

 

Kapazitätssteuerung bei flexibler Kapazität

Während im klassischen Revenue Management in der Regel von „weitgehend fixen Kapazitäten“ ausgegangen wird, sind in der Praxis zunehmend Anwendungsfelder zu beobachten, bei denen diese Annahme nicht ausreichend gerechtfertigt werden kann. Ein mögliches Beispiel sind Automobilvermieter, die kurzfristig und bedarfsgerecht in einem gewissen Umfang zusätzliche Fahrzeuge in ihre Flotte einsteuern oder umgekehrt geplante Einsteuerungen verzögern können. Es liegt somit eine in gewissem Umfang flexible Kapazität vor. In diesem Fall ist eine rein erlösorientierte Betrachtung, wie sie das klassische Revenue Management vornimmt, nicht mehr möglich. Stattdessen muss explizit die Kostenseite, das heißt im Beispiel der Automobilvermietung insbesondere die aufgrund einer Einsteuerung anfallenden Haltekosten, mit einbezogen werden.

Im Rahmen der Forschung der Professur werden neue Verfahren zur Kapazitätssteuerung entwickelt, die kurzfristige Kapazitätsanpassungen, in der Regel in Form von Zukäufen, explizit berücksichtigen und somit den Praxisanforderungen gerecht werden. Dabei werden sowohl Ansätze der hierarchischen Planung als auch integrierte Ansätze entwickelt, die teilweise auf Methoden der dynamischen Optimierung und entsprechenden Dekompositionsansätzen basieren. Zum Vergleich und zur Bewertung der Güte der entwickelten Verfahren wird auf eine am Lehrstuhl in .NET entwickelte Revenue Management-Simulationsumgebung zurückgegriffen.