Neueste Forschungsergebnisse im renommierten Journal of Purchasing and Supply Management
Das Arbeitsgebiet Beschaffung veröffentlichte in diesem Jahr drei neue Beiträge im renommierten Journal of Purchasing and Supply Management, die zentrale Forschungsstränge des Lehrstuhls – Theoriebildung, strategische Beschaffung und Governance von Leistungsbeziehungen – verbinden. Gemeinsam liefern sie neue Impulse für ein tieferes Verständnis von Kooperation, Anreizgestaltung und strategischer Passung in komplexen Beschaffungssystemen. 1. Glas & Eßig (2025): The Supply Holobiont – Ein neuer theoretischer Blick auf Symbiose in Beschaffungsnetzwerken (Journal of Purchasing and Supply Management) Der Artikel überträgt die Holobiont/Hologenome-Theorie der Evolution aus der Biologie auf die Beschaffungsforschung. Analog zu einem Organismus und seinen Mikroben wird eine Beschaffungsorganisation mit ihrem Lieferantennetzwerk als „Supply Holobiont“ beschrieben – ein symbiotisches System, das durch Zusammenarbeit, Anpassung und Co-Evolution gekennzeichnet ist. Das Konzept erlaubt es, Resilienz und Leistung in Liefernetzwerken als Ergebnis von symbiotischen Beziehungen zu verstehen und bietet eine neue theoretische Grundlage für die Analyse industrieller Symbiosen in Krisen- und Nachhaltigkeitskontexten. Damit wird ein theoretischer Brückenschlag zwischen Biologie, Systemtheorie und Beschaffungsmanagement vollzogen. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1478409225000408 2. Molitoris, Glas & Eßig (2025): Implementing PBC as a Procurement Strategy in the Public Sector (Journal of Purchasing and Supply Management) Diese Fallstudie untersucht, wie Performance-Based Contracting (PBC) als Beschaffungsstrategie im öffentlichen Sektor implementiert werden kann. Aufbauend auf der Implementation- und Strategic-Fit-Theorie identifiziert die Studie sieben kritische Erfolgsfaktoren, darunter strategische Prioritäten, rechtliche Flexibilität, Organisationskultur, Ressourcenverfügbarkeit und Kommunikationsstrukturen. Das zentrale Ergebnis: Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert einen Strategie-Struktur-Fit, also die Passung zwischen den konzeptionellen Elementen des PBC und den organisatorischen Rahmenbedingungen. Damit leistet die Studie einen Beitrag zur Verständnisbildung strategischer Innovationsfähigkeit im öffentlichen Beschaffungswesen. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1478409225000044 3. Ates, Molitoris, Glas & Eßig (2025): Connecting the Dots in Performance-Based Contracting (Journal of Purchasing and Supply Management) Diese systematische Literaturübersicht kombiniert Social Network Analysis (SNA) und systematische Inhaltsanalyse, um die vielfältigen Kausalbeziehungen zwischen 17 zentralen PBC-Konstrukten offenzulegen. Das Ergebnis ist ein integriertes Wirkungsmodell von PBC, das die Übergänge von Voraussetzungen über Design und Implementierung bis hin zu Ergebnissen (Leistungsqualität, Kosteneffizienz, Verhaltenssteuerung) abbildet. Die Studie zeigt, dass der Forschungsstand zu PBC fragmentiert und empirisch unterentwickelt ist, und liefert ein theoretisch konsistentes Gerüst für künftige quantitative Forschung. Damit schließt sie konzeptionell an die Fallstudie von Molitoris et al. an und bietet eine übergreifende Forschungslandkarte für anreizbasierte Vertragsgestaltung. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1478409225000858?casa_token=vXYV4pVp8UIAAAAA:6hQpBqHoBFMcgSzrP0CSlIT1BIoN4YkU_p13U44S7AJhpSQlJU_34YJsxVdT4iPjP9w5mpLR0t4