Social BRIDGES: Internationale Expertenblicke in die Zukunft der KI

30 April 2021

Vom autonomen Fahren zum Profi-Fußballtraining und Weinempfehlungen - die künstliche Intelligenz begleitet den Menschen in vielen Lebensbereichen. Wie sieht die Interaktion der Menschen mit der künstlichen Intelligenz in 5 Jahren aus? Diesem Thema widmete sich die 3. Online-Konferenz Social BRIDGES am 21.-23. April 2021, die vom Institut für Psychologie an der Universität der Bundeswehr München mitorganisiert und durchgeführt wurde. Die Veranstaltung brachte Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Informatik, Robotik, Neurowissenschaften und Philosophie zusammen.

Das Konzept von Social BRIDGES (Building Research InterDisciplinary Groups through E-conferences), eines virtuellen interdisziplinären und internationalen Forums, entstand in den ersten Monaten der COVID-19-Pandemie und wurde von Prof. Merle Fairhurst, Inhaberin des Lehrstuhls für Biologische Psychologie, und ihrem Team als eine neue Form des wissenschaftlichen Austauschs in der Zeit der Pandemie entwickelt. Die erste digitale Konferenz der Reihe, die das Thema „Gesellschaft, Psychologie und Verhalten während und nach dem COVID-19-Lockdown“ behandelte und vom 22.-24. Juli 2020 stattfand, versammelte 40 Vortragende aus 38 Forschungseinrichtungen und aus 14 Ländern.

Wie Mensch und Maschine einander beeinflussen

Für die Umsetzung der dritten Veranstaltung von Social BRIDGES, an der Forscherinnen und Forscher aus 21 Forschungsinstitutionen und 12 Ländern teilnahmen, zeichnete neben Prof. Fairhurst mit Team und Juniorprof. Maximilian Moll (Institut für Theoretische Informatik, Mathematik und Operations Research), der einen eigenen Beitrag zum Thema: „Lernunterschiede zwischen Menschen und KI“ beisteuerte, auch Prof. Ophelia Deroy und ihr Team von der LMU München verantwortlich.

Den roten Faden für die Diskussionen im Rahmen der Konferenz bildete die Frage nach den Grundlagen des Vertrauens in die künstliche Intelligenz. Mit diesem Thema beschäftigte sich gleich zu Beginn der Eröffnungsvortrag von Dr. Philipp Kellmeyer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg). Ein wichtiger Faktor beim Aufbauen dieses Vertrauens sei neben dem menschenähnlichen Aussehen der Roboter auch die Tatsache, dass die Entwicklung ihres Gedächtnissystems von neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und insbesondere von der Hirnforschung beeinflusst würde, so Dr. Kellmeyer. Die Interaktionen mit Maschinen stellen für die Menschen aber keine Einbahnstraße dar: Prof. Katie Winkle von KTH Royal Institute of Technology Stockholm berichtete davon, wie soziale Roboter, die Pflege-, Beratungs- und Assistenzfunktionen erfüllen, neben dieser Funktion Menschen dazu verhelfen können, Genderstereotypen zu diskutieren und zu hinterfragen.

 

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Eröffnungsvortrag des 3. Tages der Online-Konferenz. Dr. Maximilian Moll, Prof. Gregory M. Reichberg

Mit Wissen und Verantwortlichkeit gegen Horrorszenarien

Die Einsatzbereiche der künstlichen Intelligenz beim Militär sowie die moralischen Gesichtspunkte, die bei der Regulierung innerhalb ihrer Verwendung berücksichtigt werden müssen, behandelte in seinem Vortrag Prof. Gregory M. Reichberg vom Institut für Friedensforschung in Oslo. Das Risiko gehe hier von den Möglichkeiten der technischen Fehler sowie vom menschlichen Einflussfaktor aus: „Die KI ist ein mächtiges Werkzeug, das gezielt für falsche Zwecke missbraucht werden kann. Das müssen wir im Auge behalten“, so Prof. Reichberg. Im Umgang mit autonomen Waffensystemen seien also rationale Abwägung der Risiken und eingehende ethische Reflexionen abseits von Stereotypen notwendig. Auf die Wichtigkeit der möglichst breiten populärwissenschaftlichen Aufklärung über KI im Allgemeinen ging Prof. Michael Winikoff von der Victoria University of Wellington ein, indem er den bekannten Mythen und Spekulationen über Möglichkeiten einer „Roboter-Apokalypse“ die tatsächlichen Zwecke und Eigenschaften, die aktuellen Fähigkeiten und die Entwicklungsperspektiven der KI gegenüberstellte. 

Auf die drei erkenntnisreichen Tage zurückblickend, zog Dr. Sebastian Krügel von der TU München und der TH Ingolstadt ein positives Fazit: „Als Forscher im Bereich der experimentellen Ökonomik habe ich einige Veranstaltungen miterlebt, die interdisziplinär sein wollten, doch diese Konferenz hat es wirklich geschafft, unterschiedliche Forschungsbereiche zusammenzubringen.“

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Das Team Social BRIDGES 3: Prof. Merle Fairhurst, Dr. Maximilian Moll, Prof. Ophelia Deroy, Louis Longin, Dr. Jurgis Karpus, Dr. Olga Lantukhova


Weitere Informationen sowie die Materialien zu den drei bisher durchgeführten Veranstaltungen finden Sie auf dem YouTube-Kanal und auf der Webseite von Social BRIDGES.

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Bild: Cottonbro/Pexels