3 Fragen an Laura Höltgen

Liebe Frau Höltgen, was war bisher Ihr spannendstes berufliches Projekt?

Mein spannendstes berufliches Projekt bisher ist definitiv meine Doktorarbeit. Das Thema behandelt die Erforschung von neuen und innovativen Sensoren, die mit physikalischen und chemischen Methoden präpariert und analysiert werden. Das sind zum einen Gas-Sensoren, die effektiver umweltschädliche Moleküle wie Stickstoffdioxid oder Ammoniak in der Atmosphäre detektieren sollen. Zum anderen entwickle ich Bio-Sensoren, um bestimmte Stoffe im Speichel nachweisbar zu machen. Für mich ist das eine perfekte Balance zwischen eigenständigem Arbeiten wie Planung, Laborarbeit und dem Erwerben neuer Kenntnisse einerseits, und dem Austausch und der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen andererseits.

 

Wie war für Sie der Einstieg in eine „Männerdomäne“ – hatten Sie das Gefühl, Sie müssten sich als Frau behaupten oder anders verhalten bzw. sind Sie auf Vorurteile oder Stereotypen gestoßen? Welche positiven Erlebnisse hatten Sie?

In jeder meiner bisherigen Tätigkeiten und auch an meinem jetzigen Lehrstuhl wurde ich sehr freundlich und herzlich aufgenommen. Meiner Meinung nach war es sogar ab und zu von Vorteil, eine Frau zu sein, da man dadurch eventuell etwas interessanter erscheint als ein weiterer Mann in einer Abteilung voller Männer. Dadurch konnte ich immer sofort Kontakte knüpfen und habe mich von Anfang an wohl gefühlt. Einen weiteren Pluspunkt sehe ich darin, dass man sehr schnell einen Draht zu anderen jungen Frauen findet, die sich in derselben Situation befinden. Dadurch, dass es bei meinem jetzigen Arbeitsplatz außer mir anfangs nur eine Doktorandin gab, haben wir uns sehr schnell auch privat angefreundet.

 

Welche Frau hat Sie persönlich oder beruflich inspiriert bzw. war für Sie eine Art Vorbild?

Meine Mutter ist eine sehr starke und engagierte Frau, die Karriere und Kindererziehung gleichermaßen gemeistert hat, was für mich selbst ein großes Ziel ist. Neben dem stressigen Alltag hatte sie auch immer Zeit für ihren Mann, ihre Freunde und auch für Entspannung. Das Wissen, dass sie es geschafft hat, alle diese Dinge zu vereinen, spornt mich an, mein Leben ebenso leidenschaftlich und ambitioniert zu führen.

Vielleicht war es gerade, weil ich keine Frau persönlich kannte, die naturwissenschaftlich arbeitete, weswegen ich mich in diese Richtung spezialisiert habe. Ich wollte etwas Anderes und Neues ausprobieren und habe letztendlich auch eine Richtung gewählt, die mir völlig unbekannt war. Während meiner verschiedenen Tätigkeiten habe ich immer wieder sehr interessante Frauen kennengelernt, die mich durch ihre starke und selbstbewusste Art inspiriert und mich in meinem gewählten Weg bestätigt haben.

 

Das Interview führte Eva Olschewski.

 

Hier finden Sie den Begleitartikel.

Zur Person

Laura Höltgen promoviert als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Sensortechnologie der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik zur Weiterentwicklung von Sensoren. Über ihre Tätigkeit als Werkstudentin kam sie im Februar 2019 an die Universität.
Während ihres Studiums der Geowissenschaften (Bachelor) und der Geomaterialien und Geochemie (Master) im Kooperationsstudiengang der Technischen Universität sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München war Frau Höltgen u.a. als Werkstudentin an der mobilen Raketenbasis des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien tätig. Während ihres Bachelorstudiums sammelte sie zudem als Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Laborerfahrungen an der Universität Durham.

Bild: privat; grafische Gestaltung: Elisabeth Greber