Cyber Phoenix 2026: Gemeinsam gegen hybride Bedrohungen

15 September 2026

Rund 40 deutsche und niederländische Reservedienstleistende stellten sich bei der fünften Ausgabe der Cybersicherheitsübung „Cyber Phoenix“ einem realitätsnahen hybriden Angriffsszenario. In der Cyber Range des Forschungsinstituts CODE zeigte sich, weshalb multinationale Zusammenarbeit bei der Abwehr komplexer Cyberbedrohungen entscheidend ist.

Wie lassen sich komplexe Cyberangriffe erkennen und abwehren, wenn digitale Sabotage gezielt mit Desinformation verknüpft wird? Dieser Herausforderung stellten sich rund 40 Reservedienstleistenden der Bundeswehr und der niederländischen Streitkräfte bei der binationalen Cybersicherheitsübung „Cyber Phoenix“. Die einwöchige Übung fand bereits zum fünften Mal in der Cyber Range des Forschungsinstituts CODE in München statt.

Seit 2021 bietet die Cyber Phoenix den Übungsteilnehmenden die Möglichkeit, ihre größtenteils im zivilen Berufsleben erlangten Kenntnisse und Fähigkeiten unter realitätsnahen Bedingungen anzuwenden und weiterzuentwickeln. Die CODE-Cyber Range bietet hierfür eine virtualisierte und vollständig abgeschottete Trainingsumgebung, in der komplexe Angriffsszenarios erprobt werden können, ohne zivile oder militärische Produktivnetze zu gefährden.

Bereits zum fünften Mal fand die Cyber Phoenix in der Cyber Range des Forschungsinstituts CODE in München statt. Mit dabei waren auch in diesem Jahr Teilnehmende aus den Niederlanden. (Foto: © FI CODE /Merkl) 

Im Verlauf der Übungswoche bearbeiteten die Reservedienstleistenden ein anspruchsvolles Szenario, das vom Team der Cyber Range eigens für die diesjährige Ausgabe entwickelt worden war. Dabei flossen aktuelle Erkenntnisse zu Angriffsmustern und Schwachstellen in die Konzeption ein. Das Szenario orientierte sich an realen Vorfällen moderner Konflikte und stellte die Teilnehmenden vor eine Bedrohung, bei der technische Angriffe und Informationsoperationen eng ineinandergriffen.

Digitale Sabotage und Desinformation

Ausgangspunkt war das verdeckte Eindringen eines staatlichen Akteurs in das Kommunikationsnetz eines alliierten Einsatzgebietes. Über kompromittierte Software verschafften sich die Angreifer Zugang zu den industriellen Steuerungssystemen einer strategisch wichtigen Rundfunk- und Signalstation, mit dem Ziel, die Sendeantennen zu manipulieren.

Der Angriff auf die technische Infrastruktur war jedoch nur ein Teil der Bedrohung. Parallel dazu verbreitete der gegnerische Akteur über soziale Netzwerke gezielt Falschmeldungen und manipulierte Lagebilder. Durch den Ausfall der Rundfunkanlage sollten gleichzeitig die offiziellen Informationskanäle von Behörden unterbrochen werden. So entstand eine komplexe Krisensituation: Während verlässliche Informationen die Bevölkerung und die eingesetzten Kräfte nicht mehr erreichten, konnten sich Falschmeldungen weitgehend ungehindert verbreiten und Unsicherheit hervorrufen.

Bei der Übung Cyber Phoenix trainieren Reservedienstleistende der niederländischen und deutschen Streitkräfte gemeinsam. (Foto: © FI CODE / Merkl)

Das Übungsszenario führte den Teilnehmenden damit den systemischen Charakter hybrider Bedrohungen vor Augen. Cyberangriffe richten sich nicht immer ausschließlich gegen einzelne IT-Systeme. In Verbindung mit Manipulation des Informationsraums können sie Auswirkungen entfalten, die weit über den technischen Bereich hinausgehen. Um solche Angriffe erfolgreich zu bewältigen, müssen technische Analysefähigkeiten, ein belastbares Lagebild und abgestimmte operative Entscheidungen ineinandergreifen.

Multinationale Zusammenarbeit als Schlüssel

Ein zentrales Element der Cyber Phoenix ist deshalb die Zusammenarbeit in multinationalen Teams. Die deutschen und niederländischen Reservedienstleistenden brachten ihre unterschiedlichen fachlichen Erfahrungen und taktischen Herangehensweisen in die Bearbeitung des Szenarios mit ein. Das gemeinsame Handeln förderte nicht nur das gegenseitige Verständnis für Prozesse und Arbeitsweisen, sondern stärkte zugleich die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt der beteiligten Teams.

Am vierten Übungstag besuchten der Chief Information Security Officer der Bundeswehr (CISOBw), Oberst Dr. Christian Czosseck, sowie der Chef des Stabes des Zentrums für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr (ZCSBw), Kapitän zur See Dr. Patrick Jungkunz, die Cyber Phoenix. Vor Ort informierten sie sich über den Verlauf von Übung, das aktuelle Szenario sowie die technischen Möglichkeiten der Cyber Range. Dabei erhielten sie aus erster Hand Einblicke in die Arbeit der multinationalen Teams und deren Umgang mit der komplexen hybriden Bedrohungslage.

Oberst Dr. Christian Czosseck (l.), Chief Information Security Officer der Bundeswehr (CISOBw) und Kapitän zur See Dr. Patrick Jungkunz, Chef des Stabes des Zentrums für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr (ZCSBw) bei ihrem Besuch der Cyber Phoenix. (Foto: © FI CODE / Merkl)

Die fünfte Ausgabe der Cyber Phoenix unterstrich die Bedeutung praxisnaher Übungsformate für die Stärkung und den Erhalt von Cyberverteidigungsfähigkeiten. Zugleich zeigte das Format einmal mehr, wie wichtig der regelmäßige fachliche Austausch und die länderüberschreitende Zusammenarbeit sind, um auf aktuelle und künftige Bedrohungen im Cyber- und Informationsraum vorbereitet zu sein.


Fotos: © FI CODE / Merkl