Von der Forschung in die Anwendung: CODE setzt Impulse bei den Airbus KI-Tagen 2026

14 Oktober 2026

Wie wird aus aktueller KI-Forschung eine Technologie, die auch unter realen und sicherheitskritischen Bedingungen einen Mehrwert schafft? Diese Frage stand im Mittelpunkt der zweiten Airbus KI-Tage, die am 6. und 7. Oktober 2026 bei Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee stattfanden. Als Kooperationspartner gestaltete die Universität der Bundeswehr München den wissenschaftlichen Teil des ersten Veranstaltungstages und brachte aktuelle Impulse aus der Forschung in den Austausch mit der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung bei Airbus ein. Maßgeblich beteiligt waren dabei Professorinnen und Professoren aus dem Umfeld des Forschungsinstituts CODE.

Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend von experimentellen Anwendungen hin zu einem zentralen Baustein komplexer technischer und operativer Systeme. Damit verändern sich auch die Forschungsfragen: Nicht allein die Leistungsfähigkeit einzelner Modelle entscheidet über ihren Nutzen, sondern ihre Robustheit, Nachvollziehbarkeit und sichere Integration in Entscheidungs- und Arbeitsprozesse. Gerade im Sicherheits- und Verteidigungsbereich sind hierfür technologische, organisatorische und menschliche Faktoren gemeinsam zu betrachten.

Die Airbus KI-Tage boten eine Plattform, um diese Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven von Wissenschaft, Industrie und Bundeswehr zu diskutieren. Der von der Universität der Bundeswehr München gestaltete Nachmittag des 6. Oktober schlug dabei gezielt die Brücke von wissenschaftlichen Grundlagen und neuen methodischen Ansätzen zu Fragestellungen der industriellen Forschung und Entwicklung.

Von Daten, Entscheidungen und Menschen

Die wissenschaftlichen Impulse der Universität der Bundeswehr München spannten einen Bogen von datengetriebener Wissensgewinnung über mathematische Optimierung und neue Lernverfahren bis zur menschenzentrierten Gestaltung KI-gestützter Prozesse.

Prof. Dr. Michaela Geierhos, Technische Direktorin des Forschungsinstituts CODE und Professorin für Data Science, zeigte in ihrem Beitrag „Von Daten zu Wissen: Angewandte KI für resiliente und intelligente Systeme“, wie sich aus heterogenen, unvollständigen und unsicheren Daten entscheidungsrelevantes Wissen gewinnen lässt. Im Mittelpunkt stand dabei nicht KI als isolierte Technologie, sondern die Frage, unter welchen Voraussetzungen datengetriebene Verfahren zu resilienten und vertrauenswürdigen intelligenten Systemen beitragen können.


Prof. Dr. Michaela Geierhos (Foto: Airbus Defence and Space)

Juniorprof. Dr. Maximilian Moll, Juniorprofessor für Operations Research – Prescriptive Analytics an der Fakultät für Informatik, richtete den Blick auf die nächste Stufe datenbasierter Entscheidungsunterstützung. Mit „Von Operations Research über Prescriptive Analytics zu Reinforcement Learning und Quantum Optimierung“ verband er klassische mathematische Optimierung mit lernenden und adaptiven Verfahren. In einem weiteren Impuls zu „Quanten-KI: Zwischen Hype, Hoffnungen und tatsächlichen Ergebnissen“ ordnete er die Potenziale quantengestützter KI kritisch ein und stellte wissenschaftlich belastbare Ergebnisse den teilweise weitreichenden Erwartungen an die Technologie gegenüber.


Prof. Dr. Maximilian Moll (Foto: Airbus Defence and Space)

Dass erfolgreiche KI nicht allein eine Frage von Daten und Algorithmen ist, verdeutlichte Prof. Dr. Christoph Peters, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, insb. Digital Process Management an der Fakultät für Wirtschafts- und Organisationswissenschaften. Sein Beitrag „Gestaltung und Management von zukunftsfähigen Prozessen mittels KI und Menschzentrierung“ nahm insbesondere das Zusammenspiel von Technologie, Prozessen und Menschen in den Blick. Damit adressierte er eine zentrale Voraussetzung für den Transfer von KI aus Forschung und Entwicklung in die tatsächliche Nutzung: Technische Innovation muss in Prozesse und Organisationen integrierbar und für den Menschen sinnvoll nutzbar sein.


Prof. Dr. Christoph Peters (Foto: Airbus Defence and Space)

Wissenschaft und Industrie im Dialog

Initiiert und koordiniert wurde der wissenschaftliche Programmteil von Prof. Dr. Stefan Pickl, Professor für Operations Research an der Universität der Bundeswehr München und assoziiertes Mitglied des Forschungsinstituts CODE. Er moderierte den Forschungsnachmittag und führte die unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit den Fragestellungen und Erfahrungen aus der industriellen Praxis zusammen.

Diese Rolle setzte sich in der abschließenden Paneldiskussion fort. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bundeswehr und Praxis diskutierte Pickl die Perspektiven für den weiteren Einsatz von KI und die Frage, wie Forschungsergebnisse schneller und zugleich verantwortungsvoll in konkrete Anwendungen überführt werden können. Damit bildete das Panel den Abschluss eines Nachmittags, der bewusst den Austausch zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und industrieller Entwicklung in den Mittelpunkt stellte. Gerade diese Verbindung ist für die Weiterentwicklung sicherheitskritischer KI-Systeme von besonderer Bedeutung. Anforderungen aus realen Anwendungsszenarien können frühzeitig in die wissenschaftliche Forschung zurückgespielt werden; zugleich ermöglichen neue Methoden und Erkenntnisse aus der Forschung, technologische Lösungsräume zu erweitern, bevor daraus konkrete Produkte und Fähigkeiten entstehen.


Prof. Dr. Stefan Pickl (Foto: Airbus Defence and Space)

Unterschiedliche Disziplinen – gemeinsames Ziel

Von der Datenanalyse über die Entscheidungsoptimierung bis zur menschenzentrierten Anwendung: Erst das Zusammenspiel unterschiedlicher KI-Forschungsdisziplinen schafft die Voraussetzungen für resiliente und einsatzfähige intelligente Systeme. Für das Forschungsinstitut CODE steht dieser interdisziplinäre Ansatz zugleich exemplarisch für den eigenen Anspruch, wissenschaftliche Exzellenz mit den Herausforderungen von Sicherheit und Verteidigung zu verbinden. Die bei den KI-Tagen vertretenen Forschungsfelder reichen dabei über klassische Cybersicherheit hinaus und zeigen die zunehmende Bedeutung von Data Science, KI, Operations Research und Quantentechnologien für die digitale Handlungsfähigkeit.

Forschungstransfer als gemeinsamer Prozess

Die Zusammenarbeit zwischen der Universität der Bundeswehr München und Airbus Defence and Space schafft hierfür einen wichtigen Rahmen. Beide Institutionen hatten ihre Forschungskooperation bereits am 22. April 2025 weiter verstetigt. Die KI-Tage zeigen, wie diese Zusammenarbeit mit konkretem wissenschaftlichem Austausch gefüllt werden kann.

Der besondere Mehrwert liegt dabei in der Verbindung komplementärer Perspektiven: Die Universität bringt neue Methoden, wissenschaftliche Erkenntnisse und langfristige Forschungsfragen ein; die industrielle Forschung und Entwicklung konfrontiert diese Ansätze mit technologischen Anforderungen, Integrationsfragen und konkreten Anwendungsszenarien. Aus diesem Dialog können wiederum neue Forschungsfragen entstehen.

Die Beteiligung von CODE und der Universität der Bundeswehr München an den Airbus KI-Tagen steht damit für einen Transferansatz, der über die reine Weitergabe wissenschaftlicher Ergebnisse hinausgeht. Forschung und industrielle Entwicklung werden frühzeitig miteinander verzahnt, um gemeinsam Technologien weiterzuentwickeln, wissenschaftliche Ansätze unter anwendungsnahen Bedingungen zu hinterfragen und den Weg von neuen Erkenntnissen zu nutzbaren KI-Fähigkeiten zu verkürzen.


Teaserbild: Setzten Impulse bei den Airbus KI-Tagen: Prof. Dr. Michaela Geierhos, Prof. Dr. Stefan Pickl, Prof. Dr. Maximilian Moll und Prof. Dr. Christoph Peters (v.l.n.r.)(Foto: Airbus Defence and Space).