Zur wehrtechnischen Beschaffung im geopolitischen Umbruch bei der IHK Leipzig
25 Januar 2026
Dr. Andreas Glas (Arbeitsgebiet Beschaffung) sprach am 20. Januar 2026 bei der Veranstaltung „Verteidigungswirtschaft – Potenziale für den Mittelstand“ der IHK zu Leipzig. In seinem Vortrag widmete er sich der Frage, wie eine zukunftsfähige Beschaffungsstrategie für ein wehrhaftes Europa unter den Bedingungen zunehmender geopolitischer Unsicherheit gestaltet werden kann.
Ausgangspunkt des Beitrags war die zentrale Rolle der öffentlichen Beschaffung als strategischer Hebel für Staat und Wirtschaft. Gerade im Verteidigungsbereich gewinnt dieser Hebel angesichts stark steigender Beschaffungsvolumina und wachsender sicherheitspolitischer Anforderungen weiter an Bedeutung. Dr. Glas ordnete diese Entwicklung als Übergang von einer kurzfristig beschleunigten Beschaffung hin zu einer langfristig strategischen Ausrichtung ein, bei der Zeit, Kosten, Leistungsfähigkeit und Innovation gleichermaßen berücksichtigt werden müssen.
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Wettbewerbsrealität in der wehrtechnischen Beschaffung. Empirische Auswertungen zeigen, dass trotz des vergaberechtlichen Leitprinzips des Wettbewerbs in der Praxis häufig nur eine geringe Wettbewerbsintensität besteht. Vor diesem Hintergrund argumentierte Dr. Glas für eine stärkere strategische Steuerung der Lieferantenbasis und eine systematische Betrachtung von Lieferketten – sowohl in ihrer Breite (Marktzugang neuer Anbieter, insbesondere des Mittelstands) als auch in ihrer Tiefe (Abhängigkeiten bis hin zu Rohstoffen und Vorprodukten).