KOINNO - Tag der öffentlichen Auftraggeber 2026 Am 9. Juni 2026 fand im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) der 25. Tag der öffentlichen Auftraggeber statt. Die Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der öffentlichen Beschaffung zu diskutieren. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung wurde die wachsende strategische Bedeutung der öffentlichen Beschaffung für die Modernisierung und Leistungsfähigkeit des Staates hervorgehoben. Angesichts steigender Anforderungen an Digitalisierung, Resilienz und technologische Innovationsfähigkeit gewinnt die Beschaffung zunehmend an Bedeutung als Instrument zur Gestaltung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Transformationen. Einen Teil des Programms bildete die Keynote „Bedeutung der Beschaffung vor dem Hintergrund des Innovationsdrucks am Beispiel der Bundeswehr – Zum Zusammenspiel rechtlicher und struktureller Maßnahmen“ von Herrn Prof. Eßig. Dabei wurde aufgezeigt, wie öffentliche Beschaffung als Hebel für Innovation wirken kann und welche Bedeutung innovationsorientierte Vergabeverfahren, Markterkundung sowie die strategische Einbindung neuer Anbieter und Technologien besitzen. Anhand nationaler und internationaler Beispiele wurde verdeutlicht, dass öffentliche Auftraggeber nicht nur bestehende Bedarfe decken, sondern durch ihre Nachfrage auch Innovationsprozesse anstoßen und neue Technologien in die Anwendung überführen können. Besonders im Verteidigungsbereich wurden aktuelle Entwicklungen vorgestellt, die darauf abzielen, Innovationspotenziale stärker zu erschließen und den Zugang innovativer Unternehmen zu öffentlichen Märkten zu erleichtern. Die Veranstaltung bot zudem zahlreiche Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und unterstrich die Bedeutung einer strategisch ausgerichteten, innovationsfördernden Beschaffung für die Zukunftsfähigkeit des öffentlichen Sektors.
Neue Publikation im Journal of Engineering and Technology Management Wir freuen uns, auf die Veröffentlichung eines neuen Forschungsartikels von Dominik Oehlschläger, Marina Weiße, Andreas H. Glas und Michael Eßig im renommierten Journal of Engineering and Technology Management hinzuweisen. Oehlschläger, D., Weiße, M., Glas, A.H. & Eßig, M. (2026): Customisation vs. ultimate customer transparency: Indications from a prototyping experiment for digital twins of customer demands. Journal of Engineering and Technology Management, Vol. 80, Article 101966. https://doi.org/10.1016/j.jengtecman.2026.101966 Der Beitrag untersucht anhand eines Prototyping-Experiments die technische und wirtschaftliche Machbarkeit von Digital Twins of Customer Demands (DTCD). DTCD werden als datengetriebene digitale Abbilder von Kundenpräferenzen und Nutzungsverhalten verstanden. Die Studie analysiert, wie diese digitalen Kundenzwillinge mit unterschiedlichen Produktionsstrategien – von Massenproduktion bis hin zur vollständigen Individualisierung – kombiniert werden können. Die Ergebnisse zeigen, dass DTCD individuelle Kundenanforderungen präzise erfassen und in Produktionsprozesse übersetzen können. Überraschenderweise ist dabei nicht die vollständige Individualisierung selbst der entscheidende Werttreiber, sondern die Verfügbarkeit präziser Informationen über die tatsächlichen Kundenbedürfnisse. DTCD ermöglichen es, eine nahezu individuell wahrgenommene Produktqualität zu moderaten Kosten zu erreichen und eröffnen damit ein neues Kosten-Leistungs-Fenster zwischen Standardisierung und vollständiger Individualisierung. Die Untersuchung basiert auf einem experimentellen Anwendungsfall zur Entwicklung von Schutzwesten für Soldatinnen der Bundeswehr. Dabei wurden digitale Körpermodelle genutzt, um unterschiedliche Produktionsansätze miteinander zu vergleichen. Die Autoren zeigen, dass digitale Kundenzwillinge nicht nur vollständig individualisierte Lösungen ermöglichen, sondern auch die Optimierung standardisierter Produkte unterstützen können. Der Artikel leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Forschung an Digital Twins, datengetriebener Produktion und kundenorientierten Wertschöpfungsstrategien und zeigt auf, wie digitale Transparenz über Kundenanforderungen klassische Zielkonflikte zwischen Effizienz und Responsivität in der Produktion neu gestalten kann.
Dienstag 02.06. SCM-Vorlesung von 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr in Raum 36/1114 Am Dienstag den 02.06. findet die SCM-Vorlesung von 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr in Raum 36/1114 statt.
Cosinex Vergabesymposium - Vergabebeschleunigung: Mythos oder Realität? Im Rahmen des Vergabesymposiums 2026 in der Jahrhunderthalle Bochum hielt Prof. Dr. Michael Eßig (Arbeitsgebiet Beschaffung) am 20. Mai 2026 einen datengestützten Impulsvortrag zur aktuellen Debatte um die Beschleunigung öffentlicher Beschaffung. Unter dem Titel „Vergabebeschleunigung: Mythos oder doch Realität?“ wurde anhand umfangreicher Vergabedaten untersucht, ob öffentliche Beschaffungsverfahren tatsächlich schneller werden und welche Faktoren die Dauer von Verfahren maßgeblich beeinflussen. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere: die tatsächliche Entwicklung von Verfahrensdauern, organisatorische und prozessuale Beschleunigungshebel, die Auswirkungen regulatorischer Reformen, sowie mögliche Zielkonflikte zwischen Geschwindigkeit, Wettbewerb und Innovationsfähigkeit. Der Vortrag zeigte, dass Beschleunigung weit über die Verkürzung gesetzlicher Fristen hinausgeht und vor allem eine strategische Betrachtung des gesamten öffentlichen Beschaffungsprozesses erfordert.
IPSERA in Helsinki Vom 19. bis 22. April 2026 fand in Helsinki die 35. IPSERA-Konferenz unter dem Titel „Less is more“ statt. Das Arbeitsgebiet Beschaffung der Universität der Bundeswehr München war mit acht Beiträgen im Konferenzprogramm vertreten. Die vorgestellten Paper im Überblick: A Song of Code and Chains: Defining Software Supply Chain Management (Holzner, Oehlschläger, Glas, Eßig) Category Management for Software-Defined Products (Hamscher, Holzner, Glas, Eßig) Breaking up the “iron triangle” of cost, value and time: How trade-offs influence strategic goals in public procurement (Schmidt, Glas, Eßig) Spending Less in Public Procurement: Strengthening Cost Culture to Enhance Life Cycle Cost (LCC)-Based Decisions (Binder, Glas, Eßig) Strategy Implementation in Public Procurement: How Supply Market Orientation Shapes Implementation Processes (Werneth, Glas, Eßig) When less is not more: Explaining the decline of sustainability criteria in public tenders through a systemic implementation perspective (Kozuch, Glas, Eßig) Establishing an innovation intermediary for public procurement through action research (Bangert, Glas, Eßig) Implementing Performance-Based Contracting: Towards an Organisational Fit Framework (Molitoris, Glas, Eßig) Die Beiträge decken insbesondere die Themen öffentliche Beschaffung, Digitalisierung sowie Vertrags- und Organisationsgestaltung ab.
Neue Forschungsergebnisse zu Innovationsintermediären im Management Review Quarterly In der Fachzeitschrift Management Review Quarterly ist der Beitrag „Catalyzing public procurement of innovation: a typology of intermediary functions“ von Hendrik Hermann Bangert, Christian von Deimling und Michael Eßig erschienen. Der Artikel untersucht die Rolle von Innovationsintermediären in der innovationsorientierten öffentlichen Beschaffung. Innovationsintermediäre werden dabei als Organisationen verstanden, die als Vermittler zwischen Akteuren im Innovationsprozess fungieren und Angebot und Nachfrage nach Innovation gezielt zusammenbringen. Die Forschung zu Innovationsintermediären ist umfangreich und seit vielen Jahren etabliert. Neu ist jedoch die systematische Übertragung dieser Perspektive auf die regulierte öffentliche Beschaffung, in der das vergaberechtliche Leitprinzip des Wettbewerbs zentrale Anforderungen an Transparenz, Nichtdiskriminierung und Offenheit stellt. Gerade in diesem Kontext wird der Abbau von Informationsasymmetrien zwischen öffentlichen Auftraggebern und Anbietern besonders relevant. Methodisch basiert die Studie auf einer systematischen Literaturübersicht mit anschließender strukturierter Inhaltsanalyse. Insgesamt wurden über 100 relevante Beiträge ausgewertet, um die Funktionen von Innovationsintermediären im Beschaffungskontext zu identifizieren und zu systematisieren. Als zentrales Ergebnis entwickelt der Beitrag eine funktionsbasierte Typologie mit sechs Intermediärstypen: Networker Mediator Foundation Layer Resource Orchestrator Tendering Facilitator Compliance Facilitator Diese werden unterschiedlichen Beschaffungssituationen zugeordnet und zeigen auf, wie Intermediäre entlang des gesamten Beschaffungsprozesses – insbesondere in frühen Phasen wie Marktsondierung und Bedarfsdefinition – zur Verbesserung von Wettbewerb und Innovation beitragen können.
Internationales Doktorandenseminar bei Red Bull Seit mehreren Jahrzehnten führen das Arbeitsgebiet Beschaffung (Prof. Eßig und Dr. Andreas Glas) gemeinsam mit Prof. Sebastian Kummer (Wirtschaftsuniversität Wien) ein halbjährliches Doktorandenseminar durch. Auch im März 2026 bot das Seminar an der Red Bull Base in Elsbethen erneut eine hervorragende Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Vernetzung. In insgesamt acht Vorträgen präsentierten die Doktorandinnen und Doktoranden ihre aktuellen Forschungsvorhaben: • Tim Schmidt: Zeit, Geschwindigkeit und Agilität in der Beschaffung • Maximilian Holzner: Software Supply Chain Management – Komponenten, Struktur und Prozesse • Andrea Reisdorf: Supply Chain of Critical Raw Materials • Markus Bures: Identifizierung und Bewertung von Risiken im Beschaffungsprozess im Lebensmittelhandel unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz • Linda Lorenz: High speed, low sustainability? Eine Untersuchung zu Fast und Ultra Fast Fashion • Hendrik Bangert: Wettbewerbsdesign in der öffentlichen Beschaffung: Beitrag von Innovationsintermediären • Julia Werneth: Strategische öffentliche Beschaffung im Spannungsfeld von Anspruch und Umsetzung: Die Rolle der Beschaffungsmarktorientierung • Cornelia Molitoris: Implementierung von Performance Based Contracting als Beschaffungsstrategie: Entwicklung eines erfolgsfaktorenbasierten Implementierungsmodells Ein herzlicher Dank gilt dem Red Bull Team für die Einladung und die ausgezeichnete Organisation, ebenso wie Max Holzner und Linda Lorenz für die Koordination. Besonderer Dank geht zudem an alle Doktorandinnen und Doktoranden für ihre spannenden Beiträge und die engagierten Diskussionen, die das Seminar erneut zu einem großen Erfolg gemacht haben.