Neue Studie zu Führung und digitaler Erreichbarkeit
28 April 2026
Welche Folgen hat es, wenn Führungskräfte auch nach Feierabend E-Mails schreiben oder digitale Nachrichten beantworten? Dieser Frage geht eine aktuelle Studie von Hendrik Hüttermann gemeinsam mit Frederik Hesse und Heike Bruch (Universität St. Gallen) nach, die im Journal of Occupational and Organizational Psychology veröffentlicht wurde.
Auf Basis einer großzahligen Analyse mit Daten von über 23.000 Mitarbeitenden und Führungskräften aus 142 Organisationen zeigt die Studie, dass das Verhalten von Führungskräften außerhalb der Arbeitszeit von Mitarbeitenden genau beobachtet und als implizite Erwartung interpretiert wird. Dadurch entsteht ein sogenanntes Klima ständiger Erreichbarkeit in Organisationen, in dem Mitarbeitende davon ausgehen, auch in ihrer Freizeit für digitale Kommunikation erreichbar sein zu müssen. Dies geht mit einer Beeinträchtigung zentraler Ressourcen wie Erholung und Energie einher und führt auf organisationaler Ebene zu erhöhter kollektiver Erschöpfung.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass klare organisationale Strukturen und Regeln diesen Effekt abschwächen können. Insbesondere in stark formalisierten Organisationen zeigt sich kein Zusammenhang zwischen Führungsverhalten, Klima ständiger Erreichbarkeit und kollektiver Erschöpfung.
Die Studie verdeutlicht damit die zentrale Rolle von Führungskräften bei der Entstehung organisationaler Erwartungen und unterstreicht die Bedeutung eines bewussten Umgangs mit digitaler Erreichbarkeit.
Der Volltext der Studie ist hier frei verfügbar.
"Always on-line? An organizational model of leaders' after-hours smartphone use and climate of constant connectivity" (mit Frederik Hesse und Heike Bruch). Journal of Occupational and Organizational Psychology.
(5-year Impact Factor: 6.0)