Das subjektive Erleben von BEM-Angeboten und Prozessen aus Sicht von anspruchsberechtigten Beschäftigten – eine qualitative Interviewstudie
17 Februar 2026
Lange, M., Goray, S. & Schaller, A. Das subjektive Erleben von BEM-Angeboten und Prozessen aus Sicht von anspruchsberechtigten Beschäftigten – eine qualitative Interviewstudie. Z. Arb. Wiss. (2026). https://doi.org/10.1007/s41449-026-00505-9.
Abstract:
Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) ist ein gesetzlich geregeltes Instrument in Deutschland, dass Beschäftigte im Rückkehrprozess nach längerer Erkrankung unterstützt. Die vorliegende qualitative Interviewstudie untersucht, wie (1) Beschäftigte das BEM wahrnehmen und (2) welche Faktoren zur Annahme oder Ablehnung des Verfahrens beitragen. Es wurden 16 BEM-Berechtigte des öffentlichen Dienstes mittels halbstandardisierter Interviews befragt. Die Inhaltsanalyse erfolgte induktiv nach Mayring. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung des BEM durch die Qualität der Information, die Art der Kontaktaufnahme, die individuelle gesundheitliche Situation sowie organisationale Rahmenbedingungen geprägt ist. Zustimmende Haltungen wurden dann geäußert, wenn die Kommunikation empathisch erfolgte, Unterstützung wahrgenommen wurde und Maßnahmen als bedarfsgerecht empfunden wurden. Ablehnung resultierte aus fehlendem Wissen, geringer Gesundheitskompetenz, formaler Ansprache oder negativen Erfahrungen. Die Studie unterstreicht die Relevanz des Zusammenspiels individueller und organisationaler Faktoren für die erfolgreiche Umsetzung von BEM. BEM ist damit nicht nur ein Instrument der Wiedereingliederung, sondern ein Ausdruck betrieblicher Fürsorgekultur.
Praktische Relevanz: Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz von organisatorischen Rahmenbedingungen für eine positive BEM-Wahrnehmung. Unternehmen sollten systematischen Wissensaufbau betreiben und eine individualisierte Informations- und werteschätzende Kommunikationsstrategie verfolgen.