Silos aufbrechen, Kooperation anbieten: FI CODE/SeCoSys beim Bonner IT-Dialog 2026
11 Oktober 2026
Unter dem Motto „Die Resilienz Deutschlands auf dem Prüfstand“ brachte AFCEA Bonn am 7. und 8. Oktober Bundeswehr, Länder, Zivilschutz, KRITIS-Betreiber, Industrie und Forschung zusammen. Die zentrale Botschaft: Deutschland hat die Fähigkeiten für seine Sicherheit, es fehlt aber an ihrer Verkettung, vor allem an klaren Zuständigkeiten in der zivil-militärischen Zusammenarbeit. Höhepunkte waren die Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ mit 30 Maßnahmen, Erfahrungen aus der Ukraine und ein föderiertes KRITIS-Lagebild von Nachwuchsoffizieren der UniBw München. Das FI CODE war mit eigenem Stand vertreten, warb für unkomplizierte Forschungskooperationen, das NKCS und einen Capture-the-Flag-Wettbewerb 2027 auf der CyberRange von Airbus.
Zwei Tage, eine zentrale Botschaft: Deutschland hat die Fähigkeiten für seine Sicherheit, es fehlt aber an ihrer Verknüpfung. Unter dem Motto „Die Resilienz Deutschlands auf dem Prüfstand“ brachte AFCEA Bonn e.V. Bundeswehr, Länder, Zivilschutz, KRITIS-Betreiber, Industrie und Forschung zusammen. Generalmajor Armin Fleischmann, Vorsitzender von AFCEA Bonn, eröffnete die Veranstaltung; Schirmherrin Mona Neubaur, NRW-Wirtschaftsministerin, war per Videobotschaft zugeschaltet.

Den Auftakt am 1. Tag machte Oberst Michael Trautermann, Kommandeur des Landeskommandos Rheinland-Pfalz, mit der militärischen Perspektive auf gesamtgesellschaftliche Resilienz. Im anschließenden Panel zur Rolle der Bundeswehr im OPLAN Deutschland diskutierte er mit BWI-Geschäftsführer Dr. Christian Marwitz und Oberst i.G. Stephan Sauer vom Kommando CIR. Der rote Faden: Im Ernstfall ist Deutschland Truppensteller, Transitland und Host Nation zugleich. Dafür müssen Informationen zwischen militärischen und zivilen Stellen schnell, valide und sicher fließen, und zwar nicht erst in der Krise, sondern schon vorher nutzbar und beübbar. Als größte Lücke benannten Teilnehmende fehlende klare Zuständigkeiten, also eine Governance der zivil-militärischen Zusammenarbeit.
Die Länderperspektive brachte NRW-Staatssekretär Paul Frederik Höller ein. Am Nachmittag stellte Studienleiter Bernhard Steimel die AFCEA-Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ vor und diskutierte sie mit Generalmajor Fleischmann, Bernd König (Google Cloud Public Sector) und Norbert Ahrend (Arvato Systems). Die Studie skizziert eine Cloud-Doppelstrategie und 30 Maßnahmen in sechs Handlungsfeldern für verteilte und verlegbare digitale Infrastrukturen, gestützt auf 50 Interviews und einen Vergleich mit den Niederlanden, Estland, Finnland und der Ukraine. Eindrücklicher Tagesabschluss: Andrii Levanchuk und Dominik Brinkmann berichteten, was die Ukraine über zivile Resilienz im Ernstfall lehrt.

Ein Highlight kam aus der Universität der Bundeswehr München: Die Leutnante Aaron Emde, Tamino Müller und Erik Zahn präsentierten unter dem Titel „Vom Alarm zur Handlung“ ein im Format Hacking4Defense entwickeltes Konzept für ein föderiertes Lagebild bei hybriden Angriffen auf Deutschlands KRITIS. Betreut wurde das Team von Kapitän zur See PD Dr. Dr. Robert Koch.
Begleitet wurde das Programm von einer Fachausstellung mit 36 Ausstellern, die alle das Motto "Forschung, die man einfach nutzen kann" gemeinsam hatten. Die Bandbreite reichte von großen IT-Dienstleistern wie BWI, CGI, Capgemini, Materna und CANCOM über Rüstungs- und Technologiekonzerne wie Airbus, Rohde & Schwarz und Ericsson bis zu spezialisierten Anbietern für Cybersicherheit, Lagebilder und souveräne Cloud, etwa Enginsight, enclaive, Systematic oder Esri. Mit dem ZDigBw, der Cyberagentur, Defence.NRW und dem Forschungsinstitut CODE waren auch Bundeswehr, Bund, Land und Wissenschaft mit eigenen Ständen vertreten. Viele Aussteller griffen das Leitthema direkt auf: Gemeinsame Lagebilder über Organisationsgrenzen hinweg und digitale Souveränität zogen sich durch zahlreiche Präsentationen. 
Dieses Jahr war auch das FI CODE der Universität der Bundeswehr München mit einem eigenen Stand vertreten. Im Mittelpunkt stand der intensive Fachaustausch mit Bundeswehr, Behörden und Industrie, verbunden mit einer klaren Botschaft: Eine Kooperation mit dem FI CODE ist unkompliziert möglich, und gemeinsame Forschung ist ausdrücklich erwünscht. Prof. Dr. Corinna Schmitt und Kollegen kamen dabei mit zahlreichen Partnern ins Gespräch, aus denen bereits erste gemeinsame Projektideen entstanden oder Kooperationsmöglichkeiten in nächster Zeit eruiert werden. Am Stand warb das Institut zudem auch für das NKCS sowie für den anstehenden Capture-the-Flag-Wettbewerb in 2027 in Zusammenarbeit mit Airbus, die ihre CyberRange zur verfügung stellen.. Das CTF knüpft an die enge Zusammenarbeit zwischen UniBw München und Airbus an und richtet sich an alle, die ihre Cyber-Fähigkeiten im Wettbewerb unter Beweis stellen wollen.
Fazit Bonner IT-Dialog 2026: Sicherheit ist keine Aufgabe der Bundeswehr allein. Resilienz entsteht erst, wenn Netzwerk, Cloud, Prozesse, Zuständigkeiten und Inhalte gemeinsam gedacht werden, und wenn alle Akteure dafür an einem Tisch sitzen.
Bilder: © SeCoSys/Schmitt