Interview mit Bernhard Emmert, Alumnus und Bestpreisträger Jg. 2023
Sie interessieren sich dafür, welche persönliche Erfahrungen Studierende im Rahmen ihres berufsbegleitenden Masterstudiums Systems Engineering (M.Sc.) am Weiterbildungsinstitut casc (campus advanced studies center) der Universität der Bundeswehr gesammelt haben?
Dann lesen Sie das folgende Interview, das wir mit unserem Alumnus Bernhard Emmert (Jahrgang 2023) geführt haben. Da Bernhard in 2025 sein Masterstudium mit einem hervorragenden Notendurchschnitt abschloss, wurde er mit dem Bestpreis Systems Engineering im Rahmen der casc-Masterfeier 2026 ausgezeichnet
Lieber Bernhard, bitte stelle Dich zunächst vor, indem Du wichtige Stationen Deines Bildungs- und Karrierewegs kurz darstellst. Bitte erläutere auch, in welchem Unternehmen und beruflichen Aufgabenbereich Du derzeit tätig bist?
Nach meinem Masterstudium der Luft- und Raumfahrttechnik, das ich während meiner Offiziersausbildung an der Universität der Bundeswehr München absolvierte, war ich zunächst als Technischer Offizier am Systemzentrum Drehflügler Heer in Immenstaad tätig. Dort habe ich die Weiterentwicklung der Bodenstation betreut und mich intensiv mit der Schnittstelle zwischen Luftfahrzeug und Bodeninfrastruktur befasst. Dabei hatte ich erste Berührungen mit dem ganzheitlichen Ansatz des Systems Engineering.
Den Einstieg ins zivile Berufsleben fand ich als Werkstudent bei der Firma HENSOLDT Sensors GmbH Immenstaad. Im Schwerpunkt beschäftigte ich mich dort mit modellbasiertem Systems Engineering (MBSE). Dabei konnte ich schon früh in meiner täglichen Arbeit die Impulse, die ich aus meinem berufsbegleitenden Masterstudium Systems Engineering bekam, sehr gut einbringen.
Heute, nach meinem zwischenzeitlichen Austritt aus der Bundeswehr, bin ich bei der Firma DIEHL Defence GmbH & Co. KG in Röthenbach im Bereich Materialwissenschaften als Promovend tätig. Im Rahmen meiner Promotion zum Thema „Integration hochpräziser elektromagnetisch wirksamer Schichten im Faserverbund“, die am Institut für Leichtbau der Universität der Bundeswehr München von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Philipp Höfer akademisch betreut wird, forsche ich auch im Labor des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe in Erding.
Was war Dein Beweggrund, Dich nach Deinem Erststudium neben Deinem Beruf im Rahmen eines berufsbegleitenden Studiums weiter zu qualifizieren?
In der Praxis werden oft bewährte Prozesse gelebt, ohne dass ein tiefes Verständnis für die dahinter liegenden Grundlagen und Zusammenhänge vorhanden ist. Mir war es wichtig, genau diese theoretische Basis zu verstehen. Gerade bei der Entwicklung hochkomplexer Systeme sind Prinzipien wie Emergenz oder das „Systems Thinking“ essenziell für den Erfolg. Ohne dieses Wissen ist auch eine Weiterentwicklung der Prozesse nicht möglich.
Um für meine Zeit nach der Bundeswehr besser aufgestellt zu sein, wollte ich mich daher im Bereich Systems Engineering weiterbilden.
Warum hast Du Dich speziell für unseren weiterbildenden Masterstudiengang Systems Engineering (M.Sc.) am casc der Universität der Bundeswehr München entschieden?
Da ich bereits im Erststudium der Luft- und Raumfahrttechnik sehr gute Erfahrungen mit der Universität der Bundeswehr München gesammelt hatte, fiel meine Wahl auf den berufsbegleitenden Masterstudiengang Systems Engineering, der am Weiterbildungsinstitut am casc sitzt.
Ausschlaggebend war auch neben den Inhalten vor allem das Blended-Learning-Format. Die Kombination aus Fernstudium und wenigen Präsenztagen auf dem Campus war für mich ideal, um mich neben dem Beruf und der Familie weiterbilden zu können. Das hat mir den Übergang vom Soldaten zum zivilen Experten enorm erleichtert und bot die perfekte Balance zwischen theoretischer Tiefe und praktischer Anwendung.
Hattest Du konkrete Vorstellungen oder Erwartungen an das Studium?
Ich wünschte mir, dass die Inhalte des Studiums aus einer guten Mischung theoretischer Grundlagen und Hilfestellungen für die praktische Umsetzung von Methoden und Prozessen des Systems Engineering in verschiedenen betrieblichen Arbeitsfeldern bestanden. Mir war es wichtig, mich mit anderen Studierenden, die aus anderen Arbeitsbereichen und Branchen kommen, auszutauschen, um neue Erfahrungen und Perspektiven zu gewinnen. Und genau das hat der Master Systems Engineering am casc in meinen Augen erfüllt.
Wie empfandest Du das curriculum, also die inhaltliche Gestaltung, des Studiums? Welche Themenbereiche haben Dich im Rahmen Deines Studiums am meisten angesprochen?
Das Curriculum im Masterstudiengang Systems Engineering ist inhaltlich sehr breit gefächert und deckt nahezu alle Aspekte ab, die mir in meinem Alltag als Ingenieur begegnen. Besonders positiv fand ich, dass auch Themen wie „Human Factors“ beleuchtet werden, die in der Praxis leider oft zu kurz kommen. Zu jedem Modul gab es hervorragendes Begleitmaterial und Übungen zur Vertiefung. Mein persönliches Highlight war das modellbasierte Systems Engineering (MBSE), womit ich mich in meiner Projekt- und Masterarbeit auch intensiv befasste.
Was ist aus Deiner Sicht das Besondere am Studium am casc der Universität der Bundeswehr München?
Das Besondere am Studium am casc ist neben dem sehr vielfältigen Teilnehmerkreis, die sehr kleine Gruppengröße, die eine individuelle Betreuung und intensiven Austausch ermöglicht. Dies führte zu vielen interessanten und abwechslungsreichen Gesprächen mit den Dozierenden und Studierenden. Im Fokus der Diskussionen standen nicht nur das theoretische Wissen sondern insbesondere auch die praktische Umsetzung. Aktuelle Problemstellungen aus unterschiedlichen Berufsfeldern wurden intensiv in der Gruppe besprochen und Erfahrungen ausgetauscht.
Wie bist Du mit der Doppelbelastung durch das berufsbegleitende Studium neben Beruf und Familie zurechtgekommen?
Dank der klaren Strukturierung des modular aufgebauten Masterstudiengangs, der gleichzeitig auch viel Flexibilisierung bot, war es mir gut möglich, mich intensiv mit den Themen aus dem Masterstudium neben Beruf und Familie zu beschäftigen. Das Bewältigen von Arbeitspakten konnte ich gut im Voraus planen. Damit hatte ich ausreichend Zeit, mich auf die mündlichen Modul-Prüfungen vorzubereiten und die Übungen in der Fernlernphase gemeinsam in der Gruppe zu bearbeiten.
Inwiefern hat Dir das Studium Systems Engineering in Deiner Karriereentwicklung geholfen? Kannst Du das erworbene Wissen und die erlernten Methodenkompetenzen heute konkret in Deinem beruflichen Alltag anwenden?
Das Studium hat mir geholfen, die theoretischen Grundlagen hinter den Prozessen besser zu verstehen und meinen Blick für die unterschiedlichen Themen, die im Bereich des technischen Managements wichtig sind, zu schärfen. Ich habe gelernt, komplexe technische Systeme besser analysieren zu können. Darüber hinaus habe ich neue Tools kennen gelernt, die mir bei der Bewältigung von komplexen technischen Herausforderungen in meinem aktuellen Arbeitsumfeld helfen. Sicherlich hat mit das Masterstudium Systems Engineering bei meiner beruflichen Entwicklung, beim Fußfassen in der zivilen Arbeitswelt, sehr gut geholfen. Gerade auch für mein Promotionsvorhaben bietet der Master of Science im Bereich Systems Engineering eine gute Grundlage. Gerade das systemische Denken wurde ja besonders oft eingeübt.
Konnte das berufsbegleitende Masterstudium Deine Erwartungen rückblickend erfüllen?
Das Studium hat mein Bewusstsein für viele Aspekte, die im Systems Engineering relevant sind, geschärft. Ich habe viel theoretisches und praktisches Wissen für das Entwickeln von komplexen Systemen erlangt. Auch außerhalb des Systems Engineering, wie z.B. Forschung, konnte ich das Wissen bereits anwenden. Ich kann also sagen, dass das Masterstudium Systems Engineering am casc vollends meine Erwartungen erfüllt hat.
Hast Du abschließend noch ein paar persönliche Tipps für unentschlossene Studieninteressenten parat?
Ich kann das Studium jedem empfehlen, der sich zukünftig mit komplexen Systemen beschäftigen möchte, egal ob als Ingenieur oder als Projektmanager in einem technischen Umfeld. Ein Verständnis dafür zu haben, wie komplexe Systeme funktionieren und insbesondere, wie ich damit umgehe, sind aus meiner Sicht wichtig für den beruflichen Erfolg. Darüber hinaus kann dieses Wissen nicht nur bei technischen Systemen, wie Maschinen angewandt werden. Sondern auch bei Umwelt-, Wirtschaftssystemen oder der komplexen Interaktion von Menschen in einer Organisation.