Neue Forschungsergebnisse in Top Journals zu Beschaffung von Innovationen und Beschleunigung
24 November 2025
Drei aktuelle Publikationen aus dem Arbeitsgebiet Beschaffung der Universität der Bundeswehr zeigen neue Wege auf, wie Lieferanteninnovationen beschafft werden können.
1. Challenges als Innovationsmotor
In "Werneth, Julia; Deimling, Christian von; Eßig, Michael (2025): Challenges as a Catalyst for Innovation in Public Procurement: A Case Study on Characteristics, Process and Success Factors. In: Journal of Innovation Economics and Management(48), 19-60. DOI: 10.3917/e.jie.pr2.0194"werden sogenannte Challenges als neuartiges Wettbewerbsformat im Rahmen der innovationsorientierten Beschaffung untersucht. Am Beispiel von SPRIN-D und KOINNO zeigen Fallstudien, wie offene Innovations-Challenges neue Lösungsanbieter aktivieren können. Zentrale Erfolgsfaktoren sind:
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klare, aber kreative Aufgabenformulierung,
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Phasenmodelle mit Feedbackschleifen und fachlicher Begleitung,
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Kombination von finanziellen und nicht-finanziellen Anreizen, sowie
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Netzwerkbildung zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft.
Das Ergebnis ist ein praxisnahes Prozessmodell für Innovationswettbewerbe in der Beschaffung, das öffentliche Auftraggeber bei der Einführung von Challenge-Formaten unterstützt.
https://shs.cairn.info/revue-journal-of-innovation-economics-2025-3-page-19?lang=en
2. Innovationsintermediäre als Schlüsselakteure der Beschaffungssteuerung
In „Bangert, Hendrik Hermann; Deimling, Christian von; Eßig, Michael (2025): Mapping the research landscape of innovation intermediaries in public procurement: a review of reviews. In: Journal of Public Procurement25. DOI: 10.1108/JOPP-03-2025-0027"wird erstmals das Forschungsfeld zu Innovationsintermediären systematisch vermessen. Die Analyse von 14 systematischen Reviews zeigt: Während Innovationsintermediäre in einer privatwirtschaftlichen Perspektive – etwa mit Bezug zu Technologietransfers – äußerst intensiv erforscht sind, bleibt ihre Rolle in der öffentlichen Beschaffung bislang weitgehend unbeachtet.
Die Studie leistet einen Beitrag zur Begegnung dieser Lücke, indem sie 90 Innovationsintermediäre in Europaals empirisches Phänomen identifiziert und typologisch nach Unterstützungsfunktionen unterscheidet – von Marktscreening und Matchmaking bei hohen Technologie-Reifegraden bis hin zu rechtlich-technischer Begleitung komplexer Entwicklungsbeschaffungen bei niedrigen Reifegraden.
https://www.emerald.com/jopp/article/doi/10.1108/JOPP-03-2025-0027/1272003
3. "Red Tape" in der öffentlichen Beschaffung
Die Studie „Glas, Andreas H.; Eßig, Michael; Holzner Maximilian; Oehlschläger, Dominik (2025): Need for speed most wanted: red tape effect on procurement time. In: Journal of Public Procurement. DOI: 10.1108/JOPP-04-2025-0039"analysiert über 42.000 reale Vergabeverfahren einer großen deutschen Beschaffungsbehörde (2018–2024), um herauszufinden, wie stark Bürokratie („red tape“) die Beschaffungsdauer beeinflusst. Dazu nutzt sie tatsächliche Zeitstempel aus dem IT-System.
Die Autoren vergleichen vier Zeitphasen mit unterschiedlich viel Regulierung (Pre-COVID, COVID, Beschleunigungsgesetz, Staatssekretärs-Direktive). In diesen Phasen wurden zum Teil Regeln gelockert, um schneller beschaffen zu können.
Die Hauptbefunde:
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Je weniger red tape in einer Phase, desto kürzer die Verfahrensdauer.
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Auch die „Geschwindigkeit“ (z. B. Bieter pro Tag, Volumen pro Tag) steigt – aber nur leicht.
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Statistische Tests zeigen: Es gibt einen signifikanten, aber schwachen Zusammenhang zwischen Red-Tape-Niveau und Dauer bzw. Geschwindigkeit.
https://www.emerald.com/jopp/article/doi/10.1108/JOPP-04-2025-0039/1311528