Neue Forschungsergebnisse zu Wettbewerb in der Verteidigungsbeschaffung
18 März 2026
Mit dem Beitrag „Wettbewerb in der Verteidigungsbeschaffung – Eine geografisch-quantitative und qualitativ-innovationsorientierte Analyse“ ist eine neue Publikation des Arbeitsgebiets Beschaffung in der Zeitschrift für das gesamte Vergaberecht (VergabeR) erschienen:
Bangert, H. H., Glas, A. H., Eßig, M. (2026). Wettbewerb in der Verteidigungsbeschaffung - Eine geografisch-quantitative und qualitativ-innovationsorientierte Analyse. Zeitschrift für das gesamte Vergaberecht - Sonderheft für Beschaffung in Verteidigung und Sicherheit, 26, 2a, 267–289
Die Studie von Bangert, Glas und Eßig basiert auf einer umfassenden TED-Analyse von über 508.000 Vergaben (2017–2023), darunter 11.644 Verteidigungsvergaben mit einem Volumen von rund 15 Mrd. €, und ordnet die empirischen Erkenntnisse vor dem Hintergrund des neuen Bundeswehr-Planungs- und -Beschaffungsbeschleunigungsgesetz (BwPBBG) ein:
• Geringe Wettbewerbsintensität: Im Verteidigungsbereich liegt die durchschnittliche Zahl der Angebote bei 2,38 je Vergabe. Mehr als 50 % der Lieferleistungs-Vergaben erhalten nur ein oder kein Angebot.
• Starker nationaler Fokus: Von 11.644 Verteidigungsvergaben entfallen fast alle Zuschläge auf deutsche Unternehmen, während internationale Anbieter nur eine marginale Rolle spielen (absteigend ff.: Österreich 74, UK 54, Ungarn 44, ...).
• Dominanz des Preiskriteriums: In 8.457 von 11.644 Verteidigungsvergaben erfolgt der Zuschlag ausschließlich nach dem niedrigsten Preis.
• Fehlender Innovationswettbewerb: Das Zuschlagskriterium „Inno*“ wird kein einziges Mal in den Verteidigungsvergaben verwendet.
• Vergaben mit hohem technischem Innovationspotential erhalten im Durchschnitt nur etwa 1,6 Angebote, während weniger innovative Beschaffungen auf rund 2,8–3 Angebote kommen.
Die Ergebnisse verdeutlichen: Gerade in innovationsintensiven Beschaffungsfeldern ist der Wettbewerb besonders schwach ausgeprägt. Wettbewerb – insbesondere Innovationswettbewerb – entsteht nicht automatisch, sondern erfordert ein aktives „Wettbewerbsdesign“ durch öffentliche Auftraggeber.
Der Beitrag liefert damit eine fundierte empirische Grundlage für die Weiterentwicklung der strategischen Beschaffung im Verteidigungssektor auf Basis wettbewerbstheoretischer Erkenntnisse.