Agrivoltaik für klimafreundliche Agrarökologie in mediterranen Landwirtschaftssystemen

AgriPV-Nexus wird koordieniert von Gertrud Buchenrieder & Emmanuel O. Benjamin (UniBw, München)

Program: Partnership for Research and Innovation in the Mediterranean Area (PRIMA)

Ausschreibung: PRIMA Sektion 2

Thema: 2.2.1-2025 Ausweitung agroökologischer Praktiken auf Betriebsebene im Mittelmeerraum

Typ: (RIA) Research, Innovation and Action

Laufzeit: 01.06.2026-30.05.2029

Projekt-Nr. (BMFTR): 01DH26002

Leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter: Emmanuel O. Benjamin

 

Das Projekt AgriPV-Nexus zielt darauf ab, einen nachhaltigen agroökologischen Wandel in den kleinbäuerlichen Anbausystemen des Mittelmeerraums voranzutreiben, indem naturbasierte, technologische, digitale und sozioökonomische Innovationen integriert werden. Das Projekt richtet vier praxisnahe Reallabore in Portugal, Marokko, Tunesien und der Türkei ein, um klimaresiliente, standortspezifische agroökologische Praktiken zu entwickeln, die durch Agrivoltaik (d. h. die Erzeugung von Photovoltaik-Energie in Verbindung mit landwirtschaftlicher Nutzung) ergänzt werden. Zwar bietet die Agrarökologie vielversprechende Möglichkeiten für die Anpassung an den Klimawandel, den Erhalt der Biodiversität und eine verbesserte Bodengesundheit, doch ist ihre Verbreitung nach wie vor ungleichmäßig, insbesondere unter ressourcenarmen Kleinbauern. AgriPV-Nexus geht diese Lücke direkt an, und zwar durch eine ehrgeizige Forschungs-, Innovations- und Aktionsagenda, die auf einem Multi-Akteurs-Ansatz (MAA) basiert, der Landwirte, Berater, politische Entscheidungsträger und die Zivilgesellschaft einbindet.

Das Projekt entwickelt erstens eine Natur-Tech-Lösung, die Agrivoltaik als skalierbaren Wegbereiter für die Einführung agroökologischer Ansätze nutzt. Die Vorteile sind die Verbesserung des Mikroklimas durch Beschattung, Regenwassernutzung und Kohlenstoffbindung. Zweitens wird ein umfassendes digitales Ökosystem operationalisiert, das sich zusammensetzt aus (i) einem tragbaren Entscheidungshilfetool (DST) für den agroökologischen Wandel (TRL5→6), (ii) einem Digital Twin (TRL6) zur Szenariomodellierung von Wechselwirkungen zwischen Agrarökologie und Agrivoltaik sowie (iii) einem e-Living-Lab-Plattform (e-LL), um den Datenzugriff und die Schulung von Landwirten zu erleichtern. Drittens führt AgriPV-Nexus eine vereinfachte, kostengünstige Methodik zur Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung (MRV) von organischem Kohlenstoff im Boden (SOC) in Marokko ein, die auf die Bedürfnisse von Kleinbauern zugeschnitten ist und ihnen den Zugang zu freiwilligen Kohlenstoffmärkten ermöglicht.

Methodisch verbindet AgriPV-Nexus partizipative Aktionsforschung (MAA) mit modernster Umweltüberwachung, digitaler Innovation und politischer Mitgestaltung. Es wendet das TAPE+-Rahmenwerk der FAO an, um die agroökologische Leistung in biophysikalischer, wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Hinsicht zu bewerten. Standardisierte Protokolle werden gemeinsam mit den LL-Akteuren entwickelt, um die Bodengesundheit, die Biodiversität und die Produktivität zu überwachen.

Das Projekt liefert vier Konzeptnachweise für kontextspezifische agroökologische Maßnahmenpakete, die in Agrivoltaik-Systeme integriert sind (TRL 6–7). Diese Innovationen werden die Inputkosten (z. B. Wasser, Energie) senken, die Einkommensquellen durch Solarenergie und Emissionszertifikate diversifizieren und inklusive Geschäftsmodelle fördern, von denen verschiedene Interessengruppen innerhalb einer ländlichen Gemeinde profitieren können. Workshops über verschiedene Lernstufen hinweg, Farmer Field Schools und maßgeschneiderte digitale Schulungsinstrumente werden die Kapazitäten der Interessengruppen und die digitale Kompetenz stärken. Es werden Policy Briefs und Delphi-validierte Empfehlungen erarbeitet, um nationale und EU-weite Strategien zu Agrarökologie, dualer Landnutzung und Carbon Farming zu untermauern, im Einklang mit dem EU-Green Deal, der Bodenmission und der Biodiversitätsstrategie.

Durch die Generierung robuster, interdisziplinärer Erkenntnisse und die Ermöglichung der Skalierung agroökologischer Praktiken mittels Agrivoltaik trägt das Projekt zur digitalen Transformation-, zur Bodengesundheit, zur Biodiversität und zum Wasser-Energie-Nahrung-Umwelt-Nexus (WEFE)  gesamten Mittelmeerraum bei.

Partner:

Meropi Koutsounaki, Rainno Idiotiki Kefalaiouchiki Etaireia, Griechenland

Tanay Sıdkı Uyar,İstanbul Gedik University, Türkei

Domen Mongus, University of Maribor, Slowenien

José Silva, Universidade de Èvora, Portugal

Mehrez Romdhane, University of Gabès, Tunesien

Pascaline Hillion & Ms Sami Sboui, JASSP SAS, Frankreich

Ramla Saddem, Université de Reims Champagne-Ardenne, Frankreich

Mohamed Metougui, University Mohammed VI Polytechnic, Marokko

Youness Bouhia, Cadi Ayyad Universiy, Marokko