Innovative Beschaffung und Zusammenarbeit erhöht gemeinsames Entwicklungspotential
4 Dezember 2025
Der Münchner Arbeitskreis Reserveoffiziere (MAKRO e.V.) organisierte am 3.12.2025 in der IHK München und Oberbayern eine spannende Podiumsdiskussion zum Thema „Innovative Beschaffung für die Bundeswehr - Wege zwischen Recht, Technologie und Einsatzrealität“. Hierzu zeigten Vertreter der Bundeswehr auf, mit welchen Herausforderungen und Anpassungen gearbeitet werden muss und wie ein rascher Kontakt zwischen Bundeswehr, Industrie und Forschungseinheiten die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöhen kann.
Die sicherheitspolitische Zeitenwende stellt die Bundeswehr vor eine historische Herausforderung: Fähigkeiten müssen schneller, flexibler und technologisch aktueller in die Truppe gelangen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema „Innovative Beschaffung für die Bundeswehr - Wege zwischen Recht, Technologie und Einsatzrealität“ massiv an Bedeutung und bietet reichlich Stoff für eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion geleitet durch Prof. Dr. Rafaela Kraus (UniBw M) mit Vertreterinnen und Vertretern aus BMVg, Planungsamt Bundeswehr, BAAINBw und der Universität der Bundeswehr: Brigadegeneral Michael Bender (BAAINBw), Lena Burth (Planungsamt der Bundeswehr), Prof. Dr. Michael Eßig (UniBw M) und Oberst i.G. Matthias Puschnig (BMVg / Sonderstarb Ukraine).
Während sich sicherheitsrelevante Technologien – von KI über Robotik bis zu vernetzten Sensoren - in immer kürzeren Zyklen weiterentwickeln, bleibt das klassische Beschaffungssystem komplex und zeitintensiv. Damit rückt die zentrale Frage ins Blickfeld: Wie lassen sich rechtssichere Vergaben mit der notwendigen Geschwindigkeit und Innovationskraft vereinen? Neue Ansätze wie Rapid Procurement, flexible Erprobungsräume oder der verstärkte Einsatz kommerzieller Technologien zeigen, dass ein Kulturwandel begonnen hat. Für KMU, Start-ups und mittelständische Industrieunternehmen eröffnen sich dadurch neue Zugänge in einen Markt, der lange Zeit schwer erreichbar war.
Gleichzeitig fordert die Einsatzrealität robuste und praxisnahe Lösungen, die nicht erst in zehn Jahren zur Verfügung stehen, sondern kurzfristig. Die enge Verzahnung von soldatischen Anforderungen, technologischen Möglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen wird damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Forschungseinrichtungen und Universitäten leisten hierbei wichtige Impulse, indem sie neue Methoden, Trends und Innovationspfade sichtbar machen und zusammen mit der Industrie (Großunternehmen, Start-ups und KMUs) entwickeln. Entsprechend groß war das Interesse von Industrie, Forschung und Streitkräften an diesem richtungsweisenden Austausch gewesen. Besonders interessant waren die aufgezeigten Möglichkeiten, um einen Fuß in die Bundeswehr und dem Bedarfs- bzw. Beschaffungswesen zu bekommen.
Die Diskussion über innovative Beschaffung ist daher nicht nur ein Verwaltungs- oder Technikthema: Sie entscheidet darüber, wie schnell die Bundeswehr künftig auf Bedrohungen reagieren kann und wie souverän Deutschland technologisch bleibt. Die Diskutanten lieferten klare Botschaften, die im nachfolgenden Networking noch weiter diskutiert:
- Oberst i.G. Matthias Puschnig (BMVg/Sonderstab Ukraine) betonte die Rolle der Ukraine-Erfahrungen als „Beschleuniger“: Im Einsatz zeige sich unmittelbar, wer flexibel und innovativ liefert. Geschwindigkeit im Entwicklungs- und Beschaffungszyklus sei heute entscheidend – ein Appell an Industrie, Forschung und Start-ups, jetzt „loszulegen und durchzustarten“.
- Lena Burth (Planungsamt der Bundeswehr) ermutigte die Industrie, vor allem kleinere Unternehmen, aktiv auf das Planungsamt zuzugehen: Ideen und Pitches seien ausdrücklich willkommen. Wenn der Nutzen für die Truppe erkennbar ist, öffnen sich nachgelagert auch die Türen zum BAAINBw. Challenges seien zudem ein Weg, Innovation gezielt in die richtige Richtung zu lenken und Erfahrungen schnell weiterzuentwickeln.
- Brigadegeneral Michael Bender (BAAINBw) stellte das Innovationszentrum als künftige zentrale Anlaufstelle heraus: ein Ort, an dem Ideen, Komponenten und Technologien unkompliziert vorgestellt werden können. Ein „Marktplatz“, der Industrie, Forschung, Universitäten und Streitkräfte zusammenbringt, Trends sichtbar macht und Kompetenz aufbaut. Besonders wichtig sei, dass die Truppe neue Lösungen frühzeitig ausprobieren könne - denn aus praktischer Erprobung entstünden echte Innovationen und letztlich auch zertifizierbare Produkte.
- Dr. Michael Eßig (UniBw M) betonte, dass das Vergaberecht Innovation keineswegs verhindere: Wirtschaftlichkeit - nicht bloß der niedrigste Preis – müsse entscheidend sein. Wettbewerbe lassen sich in 35 Tagen durchführen, wenn man sie richtig gestaltet. Er forderte ein Umdenken hin zu einer Beschaffung, die sich am Markt orientiert, den Zugang erleichtert und neue Anbieter aktiv berücksichtigt. Die Sicherheitsindustrie sei eine Querschnittsbranche mit einer Zukunft, die zunehmend in der Software und Systemintegration liege – Bereiche, für die die heutigen Beschaffungsprozesse noch nicht ausgelegt seien.
Fazit des Podiums: Mehr Mut, weniger Zögern. Innovation muss ausprobiert, weiterentwickelt und dann reguliert werden - nicht umgekehrt. Entscheidend werden künftig Shortcuts und Netzwerke wie NKCS, Cyber Alliance oder der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr sein, flankiert von nationalen und internationalen Förderprogrammen (BMBF, dtec.bw, NATO, EU). Kreativität, Geschwindigkeit und vernetztes Arbeiten sind damit die Schlüssel zu einer modernen, innovationsfähigen Bundeswehr.
Im anschließenden Netzworking-Teil wurden bereits einige innovative Ideen ausgetauscht, Truppenbedarf eruiert und auch Tuchfühlung mit dem FI CODE aufgenommen, welches durch PD Dr. Corinna Schmitt einerseits die duale Forschung der UniBw M vertrat als auch das NKCS mit Augenmerk auf Vernetzung, Förderberatung & EU Fördermittelzugang und Communitybildung in der Cybersicherheit vertrat.
Weiterführende Links:
Münchner Arbeitkreis Reserveoffiziere (MAKRO e.V.): https://reserveoffiziere.de/
Nationales Koordinierungszentrum für Cybersicherheit Deutschland (NKCS): https://www.nkcs.bund.de/
Cyber Innovation Hub: https://www.cyberinnovationhub.de/
Anmerkungen zum Foto, von links nach rechts: Prof. Dr. Michaela Kraus (UniBw M), Brigadegeneral Michael Bender (BAAINBw), Lena Burth (Planungsamt Bundeswehr), Prof. Dr. Michael Eßig (UniBw M), and Oberst i.G. Matthias Puschnig (BMVg / Sonderstarb Ukraine)
Bild: © SeCoSys/Schmitt