Transforming Intersectional Discrimination: Resilience and Agency of Displaced Roma (TINDRA)
Bisherige Forschungsarbeiten haben sich mit der Diskriminierung von vertriebenen Roma und deren Bewältigungsstrategien befasst, doch es bestehen weiterhin Wissenslücken. In unserer Pilotstudie DiREKt-Roma [LINK!] aus den Jahren 2023/24 – einem partizipativen Aktionsforschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Landesrat der Roma NRW, das von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefördert wurde – haben wir anhaltende Muster von Diskriminierung und Resilienz festgestellt, die zeit- und ortsübergreifend bestehen und in kollektiven Erfahrungen der (erzwungenen) Migration verankert sind. Die Studie hat deutlich gemacht, dass es notwendig ist, besser zu verstehen, wie intersektionale Faktoren wie Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, Religion und Rassifizierung die Diskriminierungserfahrungen und Resilienzstrategien von vertriebenen Roma prägen.
TINDRA analysiert Diskriminierungserfahrungen als ein Kontinuum der Gewalt – vor, während und nach der Vertreibung – und ordnet diese individuellen und kollektiven Resilienzstrategien sowie den damit einhergehenden Einschränkungen und Möglichkeiten für Handlungsfähigkeit und Empowerment zu. Mit einem intersektionalen Ansatz wird das Projekt untersuchen, wie sich überschneidende Identitäten sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede in den Erfahrungen hervorbringen und damit vorherrschende, oft neoliberale Vorstellungen von Resilienz, Handlungsfähigkeit und Empowerment verkomplizieren. TINDRA wird sich damit auseinandersetzen, indem es folgende Fragen stellt: Wie erleben vertriebene Roma Diskriminierung und entwickeln individuelle und kollektive Resilienzstrategien? Wie unterscheiden sie sich intersektional (Geschlecht, Queerness, ethnische Zugehörigkeit, Religion)?
Darüber hinaus leisten wir einen Beitrag zum Verständnis von Flucht, da sich die Forschung zu Vertriebenen und Flucht bislang überwiegend auf die Vertreibung von Menschen innerhalb des Globalen Südens oder von dort in den Globalen Norden konzentriert hat, wobei Flucht innerhalb des Globalen Nordens bisher kaum Beachtung gefunden hat. TINDRA überwindet eurozentrische Sichtweisen, die Europa ausschließlich als „Aufnahmeregion“ für Vertriebene betrachten, und berücksichtigt auch Vertreibungen innerhalb Europas. Roma-Gemeinschaften sind ein treffendes Beispiel für eine marginalisierte Bevölkerungsgruppe, die vor Gewalt und Diskriminierung flieht, insbesondere aus Südosteuropa in Länder Mittel- und Westeuropas; dort sind sie jedoch ebenfalls Diskriminierung ausgesetzt, wenn auch in geringerem Maße. Obwohl die meisten von ihnen rechtlich nicht als Geflüchtete anerkannt sind, sind ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Gewalt die eigentliche Ursache für ihre Migration und lassen sich daher am sinnvollsten aus der Perspektive der Flucht und Zwangsmigration untersuchen.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Landesrat der Roma NRW durchgeführt und von der Gerda-Henkel-Stiftung finanziell ermöglicht.
