Cyber-Sicherheit und Künstliche Intelligenz – Quo vadis Europa?

30 September 2022

Wie sicher sind europäische kritische Infrastrukturen angesichts russischer Cyber-Angriffe? Was ist das Perfide an Software-Supply-Chain-Angriffen und wie kann man sich davor schützen? Wie ist es um die digitale Souveränität Europas bestellt und wie kann sie zukünftig verbessert werden? Was bedeuten Desinformationskampagnen und Fake News für Europas Sicherheit und wie kann sich jede und jeder Einzelne schützen?

Darüber spricht Dr. Laura Räuber von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) in der >> aktuellen neunten Ausgabe der Podcast-Reihe „Quo vadis Europa?“ mit dem Direktorium des Forschungsinstituts CODE, Prof. Dr. Michaela Geierhos und Prof. Dr. Wolfgang Hommel, an der Universität der Bundeswehr München.

Quo vadis Europa?

Die Podcast-Reihe der BAdW beleuchtet die Verantwortung der Europäischen Union als freiheitliches und demokratisches Staatenbündnis, die sie prägenden Werte und ihre politische, wirtschaftliche und zunehmend auch militärische Bedeutung aus politischer, historischer, juristischer und auch technischer Perspektive.

EU-Richtlinie für Cyber Security: Ein zwiegespaltenes Fazit

In der aktuellen Podcast-Folge stehen Cyber-Sicherheit und Künstliche Intelligenz im Vordergrund. Ein Thema ist dabei die europäische NIS2-Richtlinie, die Mindeststandards zur Sicherheit von Netz- und Informationssystemen vorgibt: Viele Inhalte seien in Deutschland durch das IT-Sicherheitsgesetz und die Verordnungen für kritische Infrastrukturen bereits bekannt, mit dem wesentlichen Unterschied, dass die neue Richtlinie viel mehr, auch kleinere Unternehmen betreffen werde, so Prof. Hommel, der ein zwiegespaltenes Fazit zieht: „Alles, was die IT-Sicherheit erhöht, sofern es in einem angemessenen Verhältnis zum Aufwand steht, ist sicherlich sehr zu begrüßen. Ich glaube aber nicht, dass wir zukünftig von mehr oder weniger spektakulären Sicherheitsvorfällen auch in Europa verschont werden.“

Desinformation: Fake News und Cyber-Sicherheit

Auch Fake News und Desinformationskampagnen rücken angesichts des Kriegs in Europa verstärkt ins öffentliche Bewusstsein und den politischen Diskurs. Falschinformationen in textueller Form in Social Media, Irreführung durch altes Bildmaterial in falschem Kontext und Täuschungsversuche durch Deep Fakes seien kein neues Problem, stellt Prof. Geierhos klar: „Falschinformationen gab es schon immer. Propaganda gab es in der Politik, beispielsweise vor Wahlen, in Social Media und auch schon vor Social Media, nur hatten wir nicht das Vehikel, sie in so rasanter Zeit an so viele Menschen zu transportieren.“ Es fehle aber oft noch an Bewusstsein für die Problematik und der Fähigkeit, die Vertrauenswürdigkeit der aus dem eigenen Freundeskreis weitergeleiteten Nachrichten einschätzen zu können. „Ein gesundes Misstrauen zu entwickeln ist in diesem Bereich besonders wichtig“, so Prof. Geierhos.

Jetzt anhören

Im Podcast, der über die >> Webseite der BAdW angehört werden kann, werden auch einige aktuelle Forschungsprojekte des FI CODE vorgestellt und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsthemen insbesondere an der Schnittstelle zwischen Cyber-Sicherheit und Künstlicher Intelligenz gegeben.

 


Teaserbild: Das Direktorium des FI CODE bei der Aufzeichnung des BAdW-Podcasts „Cyber Security – Wie schützt sich Europa?“; Bildnachweis: © FI CODE