CODE-Studienpreis 2025

19 Januar 2026

Das Forschungsinstitut Cyber Defence und Smart Data (FI CODE) zeichnet gemeinsam mit der Firma Giesecke+Devrient GmbH die Masterarbeit von Herrn Justin Svrakic mit dem CODE-Studienpreis 2025 aus. In seiner Arbeit „Design and Optimization of a Multi-Agent System for Traceable Large Language Model-Driven Decision-Making in Cyber-Physical Systems: TADS“ befasst sich der Absolvent des Masterstudiengangs Informatik mit einer wichtigen Fragestellung aktueller KI-basierter Systeme, nämlich der nachvollziehbaren und regelkonformen Entscheidungsfindung großer Sprachmodelle in missionskritischen cyber-physischen Systemen.

Große Sprachmodelle zeigen in vielen Anwendungsfeldern ein hohes Potenzial für kontextbasierte Entscheidungsunterstützung. Gleichzeitig erschweren ihre probabilistische Funktionsweise, fehlende Transparenz und mögliche Inkonsistenzen eine sichere Nutzung in missionskritischen Umgebungen. Gerade dort ist es jedoch essenziell, dass Entscheidungen nicht nur korrekt, sondern auch überprüfbar, erklärbar und eindeutig an Regeln und Erfahrungswissen gebunden sind.

Die Masterarbeit entstand in Zusammenarbeit mit Fraunhofer Singapore und war mit einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt vor Ort verbunden. In diesem internationalen Forschungskontext wurde die Arbeit an realitätsnahen Fragestellungen im Umfeld autonomer Systeme und missionskritischer Anwendungen ausgerichtet. Der enge Austausch mit dem dortigen Forschungsteam ermöglichte es, architektonische Fragestellungen nicht nur theoretisch, sondern auch mit Blick auf praktische Einsatzszenarien zu untersuchen.

Kern der Arbeit ist die Konzeption des Traceable Agentic Decision-Making System (TADS). TADS beschreibt eine Multi-Agenten-Architektur, die Case-Based Reasoning und Retrieval-Augmented Generation systematisch kombiniert und diese durch strukturierte Reasoning- und Verifikationsmechanismen erweitert, um Entscheidungen großer Sprachmodelle nachvollziehbar zu machen. Neben einer fall- und dokumentenbasierten Wissensgrundlage setzt TADS gezielt das Prinzip von Chain-of-Thought ein, um Entscheidungsprozesse in explizite, schrittweise Argumentationspfade zu überführen. Ergänzend wird eine Chain-of-Verification genutzt, um diese Argumentationspfade systematisch zu prüfen, zu hinterfragen und mit formalen Richtlinien sowie Missionsvorgaben abzugleichen. Entscheidungen werden damit nicht nur auf frühere Fälle und dokumentierte Regeln, sondern auch auf transparent strukturierte und verifizierte Begründungsschritte zurückgeführt.

Ein zentrales Architekturprinzip ist die strikte Trennung von Entscheidungserzeugung, Validierung und Ausführung. Während ein Agent zunächst einen Lösungsvorschlag auf Basis ähnlicher Fälle generiert, überprüft ein separater Evaluierungsagent diesen Vorschlag gegen dokumentierte Regeln und Einsatzvorgaben. Bei Regelverstößen wird der Vorschlag iterativ überarbeitet, bis eine konforme Entscheidung erreicht ist. Unvalidierte Vorschläge können somit zu keinem Zeitpunkt direkt ausgeführt werden.

Neben dem konzeptionellen Entwurf wurde TADS prototypisch in einer simulierten Umgebung umgesetzt. In einem Aufklärungs- und Überwachungsszenario wurde untersucht, wie stark frühere Entscheidungsfälle das Systemverhalten beeinflussen und in welchem Maß die integrierte Validierungsschleife die Einhaltung von Richtlinien sicherstellt.

Die experimentelle Evaluation zeigt, dass historische Fälle einen messbaren Einfluss auf die Entscheidungsfindung haben, gleichzeitig aber durch die architektonisch verankerte Validierung keine Regelverletzungen zugelassen werden. Damit demonstriert die Arbeit, dass adaptive Entscheidungsfindung und formale Nachvollziehbarkeit durch geeignete Systemarchitektur miteinander vereinbar sind.

Mit seiner Masterarbeit leistet Justin Svrakic einen wichtigen Forschungsbeitrag zu vertrauenswürdiger Künstlicher Intelligenz im Bereich Cyber Defence. Die Arbeit verbindet theoretische Grundlagen, einen klar strukturierten Architekturansatz sowie eine fundierte prototypische Umsetzung und adressiert damit ein hochaktuelles und anspruchsvolles Forschungsproblem.

Der CODE-Studienpreis wurde im Rahmen der großen Masterfeier am 13. Dezember 2025 auf dem Campus der Universität der Bundeswehr München durch den Vizepräsidenten Prof. Geralt Siebert im Beisein des Leitenden Direktors des FI CODE, Prof. Wolfgang Hommel, des Gründers der COMTESSA Forschungsgruppe, Prof. Stefan Pickl, sowie von Dr. Michael Tagscherer (Giesecke+Devrient GmbH) verliehen.


Teaserbild: Preisträger Oberleutnant zur See Justin Svrakic (m.) mit Prof. Dr. Geralt Siebert, Vizepräsident der UniBw M, Dr. Michael Tagscherer, Gruop Vice President und CTO der Giesecke+Devrient GmbH, Prof. Dr. Stefan Pickl, Leiter der Forschungsgruppe COMTESSA und Prof. Dr. Wolfgang Hommel, Leitender Direktor des FI CODE (v.l.n.r.). (Foto: UniBw M / Siebold)