Wohin schauen Autofahrende beim Abbiegen - und wie verändert die Radweggestaltung ihren Blick?

Beim sogenannten bedingt verträglichen Abbiegen haben Autofahrende und Radfahrende gleichzeitig Grün: Fahrer können rechts abbiegen, müssen aber geradeaus fahrenden Radlern Vorrang gewähren. In dieser Situation passieren besonders viele Unfälle, weil Radfahrende übersehen werden.

Genau hier setzt diese Arbeit an. Im Zentrum steht die Frage, wie verschiedene Bauformen von Radverkehrsinfrastruktur - etwa fahrbahnnah geführte oder baulich abgesetzte Radwege - das visuelle Suchverhalten abbiegender Autofahrender beeinflussen. Denkbar ist, dass sich mit zunehmender baulicher Separation nicht nur die räumliche Beziehung zwischen Kfz- und Radverkehr die Art und Weise verändert, wie potenzielle Konflikte wahrgenommen, antizipiert und visuell überprüft werden. Eine Infrastruktur, die auf freier Strecke als sicher und angenehm erlebt wird, könnte an Knotenpunkten dazu führen, dass Radfahrende später, seltener oder weniger systematisch in den Blick genommen werden.
Die Arbeit untersucht diese Fragen experimentell mit Eye-Tracking im Fahrsimulator. Ziel ist es, Hypothesen zum visuellen Suchverhalten in unterschiedlichen Infrastrukturszenarien zu entwickeln, Daren im Fahrsimulator zu erheben  und die resultierenden Blickdaten im Hinblick auf die Gestaltung sicherer Radverkehrsinfrastruktur zu interpretieren. Dabei geht es nicht nur um die Beschreibung von Blickmustern, sondern auch um deren Bedeutung: Was sagt es aus, wenn bestimmte Bereiche häufiger, früher oder länger betrachtet werden? Welche Muster sprechen für gute Konfliktantizipation - und welche eher für Aufmerksamkeitslücken oder ungünstige Suchstrategien?


Die Arbeit verbindet damit verkehrspsychologische, infrastrukturelle und methodische Perspektiven. Sie bietet die Möglichkeit, ein aktuelles sicherheitsrelevantes Thema mit experimentellen Methoden zu bearbeiten und dabei sowohl theoretisch als auch praktisch relevante Ergebnisse zu gewinnen.

Vorschlag zu Design und Methodik:

Szenarien, die im Simulator genutzt werden können, liegen bereits vor. Simulator und Eye-Tracking-Setup sind natürlich vorhanden.

Aufgaben sind: Konzeption und Durchführung einer experimentellen Studie im Fahrsimulator mit Eye-Tracking; Entwicklung von Hypothesen zum visuellen Suchverhalten in Abbiegesituationen; Definition und Analyse relevanter Blickmaße (z. B. Blickhäufigkeit, Blickdauer, Zeit bis zum ersten Blick auf konfliktkritische Bereiche, Scan-Muster); Diskussion der Ergebnisse im Hinblick auf die Gestaltung sicherer und intuitiv verständlicher Radverkehrsinfrastruktur.

Neben diesem Vorschlag freue ich mich auch von Ihren eigenen Ideen zur Beantwortung der Forschungsfrage zu hören!

Möglicher Zeitraum/Beginn: Ab sofort

Betreuer und Kontakt Dr. Daniel Eisele