Welchen Beitrag leisten auditive Hinweisreize im Vergleich zu visuellen Hinweisreizen bei der Erkennung von Anhalteabsichten in Fahrzeug-Fußgänger-Interaktionen?

Damit Interaktionen im Verkehr sicher, effizient und für alle Beteiligten zufriedenstellend verlaufen, ist entscheidend, dass Verkehrsteilnehmende das Verhalten anderer schnell und möglichst zuverlässig vorhersagen können. Im Alltag gelingt dies oft scheinbar mühelos: Menschen schätzen innerhalb kürzester Zeit ein, was andere Verkehrsteilnehmende als Nächstes tun werden, und passen ihr eigenes Verhalten daran an - meistens. Manchmal geschehen Fehler, die mitunter zu Kollisionen führen. Für die Optimierung des Verkehrssystems ist es daher wichtig zu verstehen, auf welchen Hinweisreizen solche Vorhersagen beruhen.

Ein besonders relevantes Beispiel ist die Interaktion zwischen Fußgängern und herannahenden Fahrzeugen in Querungssituationen. Fußgänger müssen häufig einschätzen, ob ein Fahrzeug anhalten wird oder nicht. In der Forschung wurden dafür bislang vor allem visuelle Hinweisreize untersucht, etwa Annäherungsgeschwindigkeit, Bremsverhalten, Fahrzeugtyp oder auch explizite Kommunikationssignale wie Lichtanzeigen. Diese Faktoren wurden in verschiedenen Studien bereits systematisch betrachtet.

Deutlich weniger untersucht ist bislang die Rolle auditiver Hinweisreize. Dabei liefern Fahrzeuggeräusche im Alltag potenziell wichtige Informationen: Menschen können oft hören, ob ein Fahrzeug beschleunigt, langsamer wird oder mit konstanter Geschwindigkeit weiterfährt.

Ziel der Arbeit ist es, erste Erkenntnisse dazu zu gewinnen, ob und wie Klang bzw. Fahrgeräusche von Fahrzeugen als Hinweis auf Anhalteabsichten in Fahrzeug-Fußgänger-Interaktionen genutzt werden. Wie wichtig sind visuelle und auditive Reize im Vergleich?
Die Arbeit soll hierzu eine experimentelle Untersuchung konzipieren, durchführen und auswerten. Visuelle Stimuli liegen bereits vor; die auditiven Stimuli sollen im Rahmen der Arbeit entwickelt bzw. aufgenommen und in das Experiment integriert werden. Die Datenerhebung kann als kontrolliertes Computerexperiment im Labor erfolgen.

Die Arbeit bietet die Möglichkeit, ein theoretisch und praktisch relevantes, bislang wenig untersuchtes Thema experimentell zu bearbeiten. Die Ergebnisse können dazu beitragen, besser zu verstehen, wie Menschen Fahrzeugintentionen wahrnehmen - und welche Rolle auditive Informationen für die Gestaltung sicherer Interaktionen im Straßenverkehr spielen.

 

Vorschlag zu Design und Methodik:

Konzeption und Durchführung einer experimentellen Laborstudie zur Untersuchung auditiver Hinweisreize in Fahrzeug-Fußgänger-Interaktionen; Entwicklung bzw. Aufnahme geeigneter Klangstimuli; Kombination mit bereits vorliegenden visuellen Stimuli; Auswertung der Daten im Hinblick auf die Einschätzung von Anhalteabsichten.

Eigene Ideen zur theoretischen Einordnung, zur Gestaltung der auditiven Reize oder zur methodischen Umsetzung sind ausdrücklich willkommen.

Möglicher Zeitraum/Beginn: Ab sofort

Betreuer und Kontakt Dr. Daniel Eisele