Themenvorschläge SWM-Abschlussarbeiten

 

An dieser Stelle finden Sie Themenvorschläge für mögliche Abschlussarbeiten in Erstbetreuung der Professur für Sozialwissenschaftliche Methodenlehre. Selbst entwickelte Themen mit empirischem Schwerpunkt sind selbstverständlich ebenfalls jederzeit willkommen. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an uns, wir können Ihnen im Hinblick auf den Datenzugang und geeignete Methoden weiterhelfen.

 

Zuwanderung und Einstellungen zum Wohlfahrtsstaat

In einer aktuellen Studie stellen Schmidt-Catran & Spiess (2017) mit ALLBUS-Daten fest, dass Befragte sich eher für einen Abbau des Sozialstaats aussprechen, wenn Ausländer in ihre Wohnregion zuwandern. Eine mögliche BA- oder MA-Arbeit könnte diese Befunde unter Einbezug der aktuellsten ALLBUS-Wellen fortschreiben und vor dem besonderen Hintergrund der Flüchtlinskrise ab 2015 diskutieren. 

 

„Es wächst zusammen, was zusammen gehört“ – Zur Entwicklung von Ost-West-Unterschieden nach 1990

Die Wiedervereinigung im Jahr 1990 stellt ein natürliches Quasi-Experiment dar: Nachdem beide deutsche Staaten sich in entgegengesetzten politischen Systemen über Jahrzehnte unterschiedlich entwickelt haben, wurde das Institutionen- und Rechtssystem im Zuge der Wiedervereinigung schlagartig ausgetauscht. Dennoch blieben aber Mentalitäten und eingeübte Verhaltensweisen zunächst weiterbestehen.

Auf der Basis sozialwissenschaftlicher Umfragedaten – z.B. der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage in den Sozialwissenschaften (ALLBUS) – lässt sich nun untersuchen, inwieweit es in verschiedenen Bereichen nach 1990 Ost-West-Angleichungen gegeben hat und wo nach wie vor Unterschiede bestehen bzw. sogar größer geworden sind. Mögliche Themenfelder sind z.B. Religion, Werte (bspw. Postmaterialismus), familiale Lebensformen oder ökonomische Situation. Da hier im empirischen Teil einfache deskriptive Auswertungen ausreichen, eignet sich dieser Themenvorschlag auch sehr gut für Bachelorarbeiten.

 

Anwesenheitseffekte im Interview

Die Anwesenheit Dritter im Interview wird mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für sozial erwünschtes Antwortverhalten in Verbindung gebracht. In einer Abschlussarbeit könnte zunächst theoretisch aufgearbeitet werden, wie sich die Interviewsituation durch die Anwesenheit von Dritten wie z.B. den Ehepartner verändert. Empirisch könnte anschließend mit Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage in den Sozialwissenschaften (ALLBUS) untersucht werden, ob sich a) die Anwesenheit Dritter durch Variablen wie z.B. Bildung des Befragten vorhersagen lässt bzw. b) ob Befragte bei Anwesenheit Dritter bestimmte (heikle) Fragen anders beantworten. Hier besteht insbesondere die Möglichkeit einer Aktualisierung einer älteren Studie von Lander (1990). Das Thema eignet sich für Bachelor- und für Masterarbeiten. 

 

Familienformen und Bildungserfolg

Für den Bildungserfolg und die Wahl der Bildungslaufbahn spielt die Herkunftsfamilie eine bedeutende Rolle. Bisher wurde häufig der Einfluss des soziökonomischen Status der Eltern (Bildung, Berufsposition) betrachtet. Weniger gut erforscht ist dagegen, welche Rolle verschiedene Familienformen – z.B. alleinerziehende Eltern oder Stieffamilien – spielen. Das Ziel der Abschlussarbeit besteht daher darin, den Zusammenhang zwischen Familienformen und der Wahl der Bildungslaufbahn zu untersuchen. Die Datenbasis ist das Beziehungs- und Familienpanel (pairfam). Das Thema ist sowohl für Bachelor- als auch für Masterarbeiten geeignet.

 

Lebensstile im Wandel

Gerhard Schulze hat mit seinem 1992 erschienenen Buch "Die Erlebnisgesellschaft" einen wichtigen Beitrag zur Lebensstilforschung geleistet. Das Ziel der Abschlussarbeit besteht zum einen darin, die von Schulze identifizierten alltagsästhetischen Schemata und Milieus, z.B. das Hochkulturschema oder das Unterhaltungsmilieu, mit ALLBUS-Daten zu replizieren. Durch einen Vergleich der ALLBUS-Wellen 1998 und 2014 soll zum anderen die Frage beantwortet werden, ob sich die Abhängigkeit der Lebensstile von Merkmalen wie Alter und Bildungsniveau zwischen 1998 und 2014 verändert hat. Der Themenvorschlag richtet sich primär an Masterstudierende, welche die SWM-Veranstaltung zur Faktoren- und Clusteranalyse besucht haben.

 

Geschlechtsrollen im Wandel

Traditionale Geschlechtsrollenorientierungen, die das männliche Ernährermodell favorisieren, haben sich in den letzten Jahrzehnten abgeschwächt. In der Abschlussarbeit könnten zum einen mögliche Ursachen theoretisch herausgearbeitet werden, die für diese Entwicklung verantwortlich sind. Dazu zählen z.B. die verschiedenen Phasen der Frauenbewegung oder sozialstrukturelle Veränderungen wie die zunehmende Frauenerwerbstätigkeit. Mit Daten der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage in den Sozialwissenschaften (ALLBUS) kann zum anderen empirisch untersucht werden, wie sich Geschlechtsrollenorientierungen im Zeitraum 1990-2016 verändert haben. Für Bachelorarbeiten reichen hier einfache deskriptive Analysen aus; bei Masterarbeiten könnten komplexere Auswertungen bis hin zu einer Alters-Perioden-Kohorten-(APK)-Analyse durchgeführt werden.

 

Der Einfluss von schulischen Ressourcen auf den Schulerfolg –

Ein internationaler Vergleich 

Eine wichtige Erkenntnis des sog. Coleman-Reports bestand darin, dass die materielle und personale Ausstattung von Schulen einen weit geringeren Einfluss auf schulische Leistungen hat als die Herkunftsfamilie oder die Zusammensetzung der Schülerschaft. Eine interessante Frage besteht nun darin, ob dies unabhängig von verschiedenen Ländern und Bildungssystemen gilt. Das Ziel der Abschlussarbeit besteht darin, auf Basis von PISA-Daten den Einfluss von schulischen Ressourcen auf den Schulerfolg international zu vergleichen. Da die Anwendung von Mehrebenenanalysen hier empfehlenswert ist, eignet sich dieses Thema primär für Studierende, die das entsprechende Masterseminar besucht haben.