Körpergeschichte der Demokratie


Inwiefern hängen die Entwicklung von demokratischen Praktiken und Normen mit den Veränderungen des Körperregimes zusammen? Welche Rolle spielt der Sozialstaat für Demokratie?

Buchprojekt

erscheint 2020 bei C.H. Beck

Bild: Hausarbeit in Würde und mit Hygiene in der jungen Demokratie. Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky

Buchprojekt
Prof. Dr. Hedwig Richter

Ist Demokratie eine Idee, ein Diskurs oder gar eine Fiktion? Gewiss.
Doch vermutlich steht Demokratie auch in einem engen Verhältnis zum menschlichen Körper, da wesentliche Elemente moderner Demokratie wie Freiheit, Gleichheit oder Partizipationsmöglichkeiten ohne Schutz des Leibes nicht möglich sind. Peter Blickle konnte zeigen, wie die schiere Empörung gegen körperliche Erniedrigung die Menschen immer wieder aufgebracht hat und damit wesentlich beitrug zur Konstruktion der Menschenrechte – einem essentiellen Bestandteil des demokratischen Gleichheitsversprechens.
Die zentrale Fragestellung lautet daher: Inwiefern hängen die Entwicklung von demokratischen Praktiken und Normen mit den Veränderungen des Körperregimes zusammen? Aus aktueller Perspektive ließe sich fragen, ob nicht in vielen Gesellschaften etwa das Problem inhumaner Körperregimes wesentlicher für Demokratisierung ist als das vieldiskutierte Problem sozialer Ungleichheit. Die theoretisch-methodische Rahmung bildet eine Kombination aus Arbeiter- und Industriegeschichte, modernisierungstheoretischen Annahmen, aber auch Überlegungen zur Biopolitik, Materialität und Genderforschung.