Do you trust this Robot? - Künstliche Intelligenz fordert uns heraus

17 Mai 2019

Zum Einstieg in die Tagung im Casino der Universität verwies die Vizepräsidentin für Entrepreneurship und den Hochschulbereich für Angewandte Wissenschaften und Initiatorin der Tagung, Prof. Rafaela Kraus, mit dem Märchen von Schneewittchen auf den "magischen" Charakter heutiger KI-gestützter Technologien. Was für die böse Königin im Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ der magische Zauberspiegel war, ist heute unser Smartphone, mit dem wir z.B. sehen können, wo sich bestimmte Personen gerade aufhalten, was diese tun und mit wem sie unterwegs sind.

Einer der wichtigsten aktuellen Forschungszweige
Die Bundesregierung verabschiedete 2018 ihre Strategie „Künstliche Intelligenz“, mit dem zentralen Ziel Deutschland und Europa zu führenden Standorten für die Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien zu entwickeln. Prof. Kraus betonte, dass heutzutage kaum mehr ein Forschungsantrag ohne einen Bezug zu KI auskomme. Um die Gäste der Veranstaltung für ethische Fragen in Bezug auf die Nutzung von KI zu sensibilisieren hielt Dr. Sepita Ansari Pir Seraei (Geschäftsführer und Mitgründer der Digital-Marketing Agentur Catbird Seat) den ersten Vortag zum Thema Daten & Ethik. Hierbei stellte er vier Hypothesen auf, wie sich KI im Marketing einsetzen lasse und warum hier eine "Doppelmoral" beobachtet werden kann.  Auf Seiten der Konsumenten habe der Schutz von persönlichen Daten einen hohen Stellenwert, gleichzeitig würden aber unzählige Informationen freiwillig auf Online-Plattformen geteilt, wenn dafür eine komfortable Leistung wie die Nutzung einer App zu erhalten sei. Parallel dazu seien auch Unternehmen sensibilisiert für den Umgang mit persönlichen Daten ihrer Kunden und müssten sich an gesetzliche Vorgaben halten, jedoch erhielten sie mit dem Sammeln von Informationen über ihre Kunden bessere Marketingmöglichkeiten. In Zukunft würde es also nötig sein, mehr auf Bildung bezüglich Daten und Medienkompetenz zu setzen. Auch werbetreibende Unternehmen müssten in Zukunft klare Stellung zum Umgang mit Fremddaten beziehen.

Wie KI bereits praktisch angewendet wird, zeigten die Professorinnen Annika Sehl und Sonja Kretzschmar von der Universität der Bundeswehr München in ihrem gemeinsamen Vortrag zum Roboterjournalismus auf. Dass Systeme mit künstlicher Intelligenz in der Lage sind, ganze Texte selbstständig zu schreiben, zeigen Beispiele des Anbieters „retresco“. Mithilfe von Daten, zum Beispiel aus dem Verlauf eines Fußballspiels, kann die künstliche Intelligenz einen vollständigen Bericht verfassen. Und per Mausklick auch beliebig viele neue, veränderte Fassungen des Textes erzeugen. Im Anschluss ging der Rechtsanwalt Dr. Michael Kieffer auf Rechtsfragen bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen ein.

Spannende Vorträge und anregende Diskussionen
Nach der Mittagspause konnten sich die Gäste der Tagung in „Focus Groups“ zu verschiedenen Themen zusammenfinden und diese näher diskutieren. Anschließend folgten Vorträge über den Einsatz von KI in der Personalarbeit. Michael Hellmich von Infosys Consulting gab Einblicke in den internationalen Markt und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Auswahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Prof. Dr. Sven Laumer von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg erläuterte seine Forschungen zu diesem Thema, die unter anderem ergaben, dass Kandidaten heute bereits lieber von Maschinen (vor-)ausgewählt werden möchten, als von Menschen.

Zum Abschluss der Tagung zeigte sich Prof. Kraus „sehr zufrieden“. Sie „hoffe, dass im nächsten Jahr wieder genauso viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei sein würden, damit die Veranstaltung eine Institution an der Fakultät für Betriebswirtschaft werden könne.“ Auch ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Tanja Kreitenweis, die die Tagung gemeinsam mit Prof. Kraus organisierte, freute sich über das vielfältige, interdisziplinäre Publikum, welches die Tagung bestimmte und en lockeren und interessanten Austausch.“