Derzeit in Bearbeitung: Edition des Manuskripts "Geschichte Schach Bahams II., Tifflis 1795"

Prof. Dr. Ina Ulrike Paul, Mag. Sarah Bachl

Das annähernd 200 Seiten umfassende Manuskript der "Geschichte Schach Bahams II., Tifflis 1795“ liegt in drei unterschiedlichen Fassungen im Aktenbestand des Hauptstaatsarchivs Stuttgart. Sein Innentitel „Geschichte Ali Bahams, Nababs von Grebmettruw, aus dem Indianischen des Ali Usuf, Tifflis 1795“ lässt erahnen, dass es sich um einen Schlüsselroman über den "Schah" (= regierenden Fürsten) von "Grebmettruw" (= Wu[e]rttemberg) handelt.

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© Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Der anonyme Verfasser verbirgt sich hinter der dreifachen Mystifikation eines bloßen Übersetzers, der das von dem Erzähler Ali Usuf auf der Grundlage loser Blätter verfasste Manuskript aus der "indischen" Sprache ins Deutsche übertragen hat. Tatsächlich handelte es sich um den Erbprinzen Friedrich Wilhelm (* 1754/1797-1816), den späteren Kurfürsten und König von Württemberg Friedrich I., der über den Stuttgarter Hof hinaus als Anführer der Opposition gegen den regierenden Herzog Ludwig Eugen von Württemberg (1793-1795) bekannt war.

Militärisch und administrativ erfahren, machte der damals 42 Jahre alte Erbprinz den älteren Bruder seines Vaters als bigotten Schwächling auf dem Thron lächerlich, der sein Vermögen mit seinen Ausschweifungen ruiniert habe und nun ein bieder-philosophisches Leben führte, ohne an die politische Zukunft seines Landes zu denken, das zwischen den feindlichen Großmächten Frankreich und Österreich aufgerieben würde.

Erbprinz Friedrich Wilhelm legte in seinem Schlüsselroman „Schach Ali Baham“ seine reformabsolutistischen, der Spätaufklärung verpflichteten Ideen dar. Sein Verhältnis zu den Landständen Württembergs, der politischen Vertretun und seine frühen politischen Entscheidungen lassen sich bereits aus der satirischen Darstellung erkennen, mit der er die Regierung seines Vorgängers Ludwig Eugen an das Licht einer aufgeklärt räsonierenden, zuweilen revolutionär politisierenden Öffentlichkeit brachte.

Nach der bereits erfolgten Transkription des Manuskripts wird nun eine wissenschaftlich akkurate, zugleich aber auch für (landes-)historische Laien gut lesbare Edition erstellt.