Projektbeschreibung

Projektbeschreibung

Im Teilprojekt "Effizienz elektronisch koordinierter Märkte" gilt das Interesse primär dem Wandel der Märkte und den davon ausgehenden Effizienzwirkungen. Neue Formen der Bereitstellung von Dienstleistungen, neue Möglichkeiten ihrer Kombination zu einem gebündelten, auf individuelle Präferenzen ausgerichteten Angebot, sowie die durch den Fortschritt in der Informations- und Kommunikationstechnologie verringerten Such- und Transportkosten treiben diesen Wandel an.

Während in anderen Projekten neue Geschäftsmodelle unter Nutzung elektronischer Koordination diskutiert und Prototypen zur Implementierung entwickelt werden, ist es Gegenstand des Projekts,

  • durch die Möglichkeit elektronischer Koordination neu entstehende bzw. sich verändernde Märkte und die dort eingesetzten Unternehmensstrategien mikroökonomisch mit dem Instrumentarium der neueren Industrieökonomik zu untersuchen,
  • Aussagen zu den einzel- und gesamtwirtschaftlichen Effizienzeffekten elektronischer Koordination zu generieren,
  • und Gestaltungsempfehlungen sowohl für Unternehmen als auch für die Wirtschaftspolitik herauszuarbeiten.

Dabei soll das Interesse vornehmlich solchen Marktsituationen gelten, die in anderen Projekten der Forschergruppe aus einzelwirtschaftlicher und IV-technischer Perspektive behandelt werden. Auf diese Weise entsteht eine auf der mikroökonomischen Methodik basierende industrieökonomische Begleitung der Arbeit anderer Projekte, bei der insbesondere die Interaktion der Unternehmen und die daraus resultierenden Marktergebnisse betrachtet werden. Die hieraus zu erwartenden Gestaltungsempfehlungen betreffen zum einen die Strategie des einzelnen Unternehmens, zum anderen die Wirtschaftspolitik, insbesondere die Wettbewerbs- und Regulierungspolitik, die sich der Frage zu stellen haben, ob und inwieweit sie auf die Verbreitung von Netzmärkten reagieren müssen. Im Zentrum des Projekts steht die theoretische Analyse der Effizienzwirkungen elektronischer Koordination. Im einzelnen werden dabei die folgenden beiden Themengebiete mit zugehörigen Fragestellungen bearbeitet.

  • Wettbewerb zwischen nicht-elektronischer und elektronischer Koordination: Welche Auswirkungen hat der Markteintritt eines Anbieters, der über einen elektronischen Markt verkauft, auf die bisher vorhandenen Anbieter? Wie positioniert sich der neue Anbieter im physischen Raum und/oder im Produktraum? Mit welchen Preis- und/oder Standortentscheidungen reagieren die traditionellen Anbieter? Welche Bündelungsstrategie für die angebotenen Leistungen ist beim neuen im Vergleich zum alten Anbieter optimal? Gibt es eine dauerhafte Koexistenz der beiden Formen des Vertriebs und/oder der Leistungserbringung oder verdrängt eine die andere? Wie ändert sich durch die Angebotsform das Effizienzergebnis der Branche?
  • Anbieterzahl, Größen-, Verbund- und Netzwerkvorteile bei elektronischer Koordination: In welchem Ausmaß induzieren die sinkende Such- und Transportkosten Markteintritt? Kann es zu ineffizientem Markteintritt in dem Sinn kommen, daß Größen- und Verbundvorteile nur unzureichend genutzt werden? Welche Rolle spielen Netzwerkeffekte im Zusammenhang mit elektronischer Koordination z.B. in sog. virtuellen Gemeinschaften? Von welchen Produkt- und Produktionseigenschaften sowie Informationsbedingungen hängt es ab, daß eine Individualisierung von Produkten durch Bündelung von Produktkomponenten entsprechend der jeweiligen Konsumentenpräferenzen einzel- und gesamtwirtschaftlich effizient ist? Von welchen Produkt- und Produktionseigenschaften sowie Informationsbedingungen hängt es ab, daß eine elektronisch koordinierte Produktion in Netzwerken von unabhängigen Unternehmen (business networks) einzel- und gesamtwirtschaftlich effizient ist

In beiden Themenbereichen wird methodisch auf Konzepte aus der neueren Industrieökonomik zurückgegriffen, die man auch als spieltheoretisch fundierte angewandte Mikroökonomik bezeichnen könnte. Dieser Ansatz hat sich zum Ziel gesetzt, das Geschehen auf Märkten realitätsnäher zu beschreiben und erklären, als dies die traditionelle Mikroökonomik mit ihrem eingeschränkten Methodensatz und dem daraus resultierenden starken Fokus auf die Extreme der vollkommenen Konkurrenz und des Monopols zu tun vermochte. Das prinzipielle Vorgehen sieht dabei folgendermaßen aus: Ausgehend von stilisierten Fakten wird ein spieltheoretisches Modell formuliert, in dem diese Fakten geeignet abgebildet sind. Es wird dann untersucht, wie sich Variationen in den Annahmen in diesem Modellkontext auf das Marktergebnis auswirken. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung werden dabei Oligopolmodelle mit differenzierten Produkten sowie Such- und Transportkosten geeignet auf die entsprechenden Fragestellungen adaptiert.