Neue Forschungsergebnisse zur Beschaffung

28 November 2025

Drei aktuelle Publikationen aus dem Arbeitsgebiet Beschaffung der Universität der Bundeswehr zeigen neue Wege auf, wie Lieferanteninnovationen beschafft werden können.

1. Challenges als Innovationsmotor

In "Werneth, Julia; Deimling, Christian von; Eßig, Michael (2025): Challenges as a Catalyst for Innovation in Public Procurement: A Case Study on Characteristics, Process and Success Factors. In:Journal of Innovation Economics and Management(48), 19-60. DOI: 10.3917/e.jie.pr2.0194"werden sogenannteChallengesals neuartiges Wettbewerbsformat im Rahmen der innovationsorientierten Beschaffung untersucht. Am Beispiel vonSPRIN-DundKOINNOzeigen Fallstudien, wie offene Innovations-Challenges neue Lösungsanbieter aktivieren können. Zentrale Erfolgsfaktoren sind:

  • klare, aber kreativeAufgabenformulierung,

  • Phasenmodellemit Feedbackschleifen und fachlicher Begleitung,

  • Kombination vonfinanziellen und nicht-finanziellen Anreizen, sowie

  • Netzwerkbildungzwischen Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft.

Das Ergebnis ist ein praxisnahesProzessmodell für Innovationswettbewerbe in der Beschaffung, das öffentliche Auftraggeber bei der Einführung von Challenge-Formaten unterstützt.

https://shs.cairn.info/revue-journal-of-innovation-economics-2025-3-page-19?lang=en

2. Innovationsintermediäre als Schlüsselakteure der Beschaffungssteuerung

In„Bangert, Hendrik Hermann; Deimling, Christian von; Eßig, Michael (2025): Mapping the research landscape of innovation intermediaries in public procurement: a review of reviews. In: Journal of Public Procurement25. DOI: 10.1108/JOPP-03-2025-0027"wird erstmals das Forschungsfeld zu Innovationsintermediären systematisch vermessen. Die Analyse von 14 systematischen Reviews zeigt: Während Innovationsintermediäre in einer privatwirtschaftlichen Perspektive – etwa mit Bezug zu Technologietransfers – äußerst intensiv erforscht sind, bleibt ihre Rolle in der öffentlichen Beschaffung bislang weitgehend unbeachtet.
Die Studie leistet einen Beitrag zur Begegnung dieser Lücke, indem sie90 Innovationsintermediäre in Europaals empirisches Phänomen identifiziert und typologisch nach Unterstützungsfunktionen unterscheidet – vonMarktscreening und Matchmaking bei hohen Technologie-Reifegradenbis hin zurechtlich-technischer Begleitung komplexer Entwicklungsbeschaffungenbei niedrigen Reifegraden.

https://www.emerald.com/jopp/article/doi/10.1108/JOPP-03-2025-0027/1272003

3. "Red Tape" in der öffentlichen Beschaffung

Die Studie„Glas, Andreas H.; Eßig, Michael; Holzner Maximilian; Oehlschläger, Dominik (2025): Need for speed most wanted: red tape effect on procurement time. In: Journal of Public Procurement. DOI: 10.1108/JOPP-04-2025-0039"analysiertüber 42.000 reale Vergabeverfahreneiner großen deutschen Beschaffungsbehörde (2018–2024), um herauszufinden,wie stark Bürokratie („red tape“) die Beschaffungsdauer beeinflusst. Dazu nutzt sietatsächliche Zeitstempelaus dem IT-System.

Die Autoren vergleichen vier Zeitphasen mit unterschiedlich viel Regulierung (Pre-COVID, COVID, Beschleunigungsgesetz, Staatssekretärs-Direktive). In diesen Phasen wurden zum Teil Regeln gelockert, um schneller beschaffen zu können.

Die Hauptbefunde:

  • Je weniger red tape in einer Phase, desto kürzer die Verfahrensdauer.

  • Auch die„Geschwindigkeit“(z. B.Bieter pro Tag,Volumen pro Tag) steigt – aber nur leicht.

  • Statistische Tests zeigen: Es gibteinen signifikanten, aber schwachen Zusammenhangzwischen Red-Tape-Niveau und Dauer bzw. Geschwindigkeit.

https://www.emerald.com/jopp/article/doi/10.1108/JOPP-04-2025-0039/1311528