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Volles Haus bei der 2. Medienfachtagung

Über 130 Gäste nahmen Mitte Mai an der zweiten Medienfachtagung des Instituts für Journalistik teil. Hochkarätige Experten aus den verschiedensten Bereichen diskutierten miteinander und mit den Studierenden über die Zukunft der Medien.
Volles Haus bei der 2. Medienfachtagung

Die Podiumsdiskussion im Rahmen der 2. Medienfachtagung an der Universität der Bundeswehr München

Schon zum zweiten Mal lud die für die Tagung verantwortliche Professorin Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner vom Institut für Journalistik Medien-Spezialisten an den Campus der Universität der Bundeswehr ein, um Chancen und Risiken des Medienwandels zu beleuchten. Diesmal standen der durch das Internet sowie die sozialen Netzwerke ausgelöste rasante Medienwandel und die damit verbundenen Herausforderungen für die Branche im Fokus. Ob Lokaljournalismus, öffentlich-rechtlicher Bildungsauftrag oder Games-Markt - Medienschaffende und Wissenschaftler gaben Einblicke in Entwicklungstendenzen und Erfolgsfaktoren von Medienprodukten.

Die Zeitung im Wandel

Beispiel Zeitungsmarkt: Angesichts schwindender Anzeigenerlöse und sinkender Abo-Zahlen sind Print-Produkte stark unter Druck geraten. Joachim Braun, Chefredakteur des Nordbayerischen Kuriers, stellte in einem Zehn-Punkte-Plan Erfolgsfaktoren für den Lokaljournalismus des 21. Jahrhunderts vor. Sein Credo: das publizistische Angebot konsequent an den Bedürfnissen der Leser ausrichten. Und die wünschten sich eben Informationen aus der Region, die ihnen Mehrwert liefern. Schlagwort Service-Journalismus: Bettina Bäumlisberger, Chefredakteurin des Münchner Merkurs, versteht Kundenorientierung dabei als Zeichen von Qualität. Zudem gelte es, die Möglichkeiten des Internets mit den Vorteilen des Print-Produktes zu verbinden. „Die Zeitung wählt aus, strukturiert, gewichtet. Viele Menschen schätzen das und wollen darauf nicht verzichten“, so Bäumlisberger. Prof. Dr. Sonja Kretzschmar vom Institut für Journalistik glaubt ebenfalls, dass Zeitung eine Zukunft hat, sieht aber auch großes Potenzial in Medienangeboten, die via Smartphone und Tablet abrufbar sind. Mobile Nachrichten gewännen in diesem Zusammenhang verstärkt an Bedeutung. Die Verlage müssten deshalb entsprechende Inhalte generieren.

Fluch und Segen der Digitalisierung

Prof. Kilian Moritz von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ging in seinem Vortrag auf die Folgen der im Netz üblichen „Umsonstkultur“ ein. So müssten beispielsweise Fernsehsender, die viel Geld für die Übertragungsrechte der Fußball-Champions-League bezahlt haben, feststellen, dass die Spiele auf ausländischen Webseiten frei zugänglich sind. Verwertungsgesellschaften wie die GEMA würden dagegen von Plattformbetreibern wie YouTube diskreditiert, weil sie gegen das entgeltfreie Einstellen von Musikvideos vorgingen. Zu den Gewinnern der Digitalisierung zählt dagegen Stefanie Stalf, die den Visual Effekts-Anbieter ScanlineVFX mit gegründet hat. Mehrmals war ScanlineVFX bereits für den „Oscar“ nominiert, für ihre Software „Flowline“ erhielt sie ihn 2007. Stalfs Vortrag war sicherlich der bildgewaltigste der gesamten Medientagung: Sie zeigte im Computer realisierte Action-Szenen aus Blockbustern wie „Iron Man“. Auch Barbara Schardt, Geschäftsführerin der Deutschen Akademie für Fernsehen, hatte gute Nachrichten: Der Games-Markt wächst, sowohl in Deutschland als auch international. Das Gleiche gilt für den Bereich der sozialen Netzwerke. Prof. Dr. Christoph Neuberger von der Ludwig-Maximilians-Universität München ging in seinem Beitrag deshalb auf die Bedeutung von Facebook, Twitter und Co. für die journalistische Nachrichtenproduktion ein. Seine Forschungen haben gezeigt, dass Journalisten verstärkt auf soziale Netzwerke als Quelle zurückgreifen und ihnen auch eine große Glaubwürdigkeit zuschreiben. Das gelte überraschenderweise auch und gerade für die Online-Enzyklopädie Wikipedia – und könne natürlich auch Folgen für die Qualität journalistischer Produkte haben.

Journalismus zwischen Qualitätsanspruch und Quotendruck

Kurz vor Beginn der Medienfachtagung hatte eine Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshof bei Markus Huber für Erleichterung gesorgt. Der stellvertretende Pressesprecher des Bayerischen Rundfunks freute sich darüber, dass das Gericht die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für verfassungskonform erklärt hatte. Einige der anwesenden Studierenden äußerten dagegen Kritik an der Gebührenpraxis der Rundfunkanstalten. Hauptvorwurf: Junge Zuschauer müssten für ein Programm bezahlen, das komplett an ihren Bedürfnissen und Sehgewohnheiten vorbeigehe, weil Frankenfasching und familientaugliche Vorabendserien vor allem für ein älteres Publikum gemacht seien. Huber hielt dagegen: Gerade der Frankenfasching habe eine sensationelle Quote. Der Leiter des ZDF-Landesstudios Bayern, Dr. Ulrich Berls, gab ein Beispiel für die Gratwanderung zwischen Qualitätsanspruch und Quotendruck: An einem normalen Donnerstag erreiche das ZDF einen durchschnittlichen Marktanteil von rund 20 Prozent. An dem Donnerstag, als der Sender das TV-Duell zwischen den Spitzenkandidaten für die Europawahl, Martin Schulz und Jean-Claude Juncker, ausstrahlte, habe man mit rund fünf Prozent allerdings ein „Quotendebakel“ erlebt. Dennoch müsse ein öffentlich-rechtlicher Sender, der einen Bildungsauftrag hat und eine öffentliche Aufgabe erfüllt, derartige Angebote machen. Schließlich genieße der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Bevölkerung eine beispiellose Glaubwürdigkeit. Gerade in Krisenzeiten seien „Tagesschau“ und „heute-journal“ die Informationsquellen der Wahl für eine Mehrheit der deutschen Bürger. „Das haben die aktuellen Quotenerhebungen im Zuge der Ukraine-Krise wieder sehr deutlich gezeigt“, so Berls.

Die Zukunft bleibt spannend

Insgesamt zogen die Tagungsteilnehmer ein durchweg positives Fazit:  Gut gemachte Medien haben eine Zukunft. Die Printmedien werden nicht sterben, im Gegenteil, Qualität wird wichtiger denn je: Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten, angefangen bei Recherche bis hin zu technischen Innovationen, die die Medienlandschaft noch stark beeinflussen werden. Wie die Zukunft nun genau aussehen wird, vermag niemand vorauszusagen. Es bleiben also genügend Themen offen für die nächste Medientagung 2015.

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