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Delegation der Universität gewinnt mehrere Preise in New York

Als Nachwuchs-Diplomaten zu glänzen vermochten Studierende der Universität der Bundeswehr München in New York. Mit drei Auszeichnungen kehrt die Delegation von der UNO-Simulation „National Model United Nations“ (NMUN) nach Neubiberg zurück.
Delegation der Universität gewinnt mehrere Preise in New York

Die Delegation der Universität der Bundeswehr München in New York

Schauplatz des Geschehens: ein Hotelklassiker in New York, nur ein paar Blocks entfernt vom Time Square, dem weltbekannten Epizentrum Manhattans. Man kennt die Szenerie. Nicht zuletzt von der Kino-Leinwand, wo Spiderman gerade vor eben jener Kulisse gegen Bösewichte kämpft. Die Protagonisten im Drehbuch von „National Model United Nations“ (NMUN) sind jedoch keine amerikanischen Comic-Superhelden in bunten Kostümen, sondern Studierende in feinstem Zwirn. Sie schlüpfen in die Rollen von Top-Diplomaten. Mimen die Botschafter von fremden Ländern in simulierten Sitzungen der diversen Komitees und Organe der Vereinten Nationen. Halten Reden und diskutieren. Ringen um Resolutionen. Arbeitssprache: Englisch. Mittendrin im hektischen Diplomatie-Betrieb: eine 18-köpfige Delegation der Universität der Bundeswehr München. Allesamt studieren sie Staats- und Sozialwissenschaften und gehören der „Model United Nations Society“ (MUNS) der Universität an.

„Eine Ehre für unsere Universität“

Die Studierenden aus Neubiberg vertreten in diesem Jahr das Vereinigte Königreich. „Das ist eine Ehre für unsere Universität, so ein Land vertreten zu dürfen. Darauf haben wir viele Jahre lang hingearbeitet“, sagt Konstantinos Tsetsos, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Internationale Politik (Prof. Dr. Carlo Masala) und geistiger Vater der „MUNS“-Aktivitäten der Universität. Als man vor sechs Jahren zum ersten Mal eine Delegation zur NMUN-Konferenz nach New York schickte, repräsentierte man Saint Lucia, einen winzigen Inselstaat in der Karibik und wusste mit guten Leistungen zu überzeugen. Das kam gut an bei den Organisatoren in New York. So wurden die Länder, die es zu repräsentieren galt, von Jahr zu Jahr größer, von Jahr zu Jahr politisch einflussreicher. 2014 durften nun endgültig die Früchte der Arbeit geerntet werden, als die Länderverteilung der NMUN-Konferenz einen echten Hauptgewinn für die Universität der Bundeswehr München bereithielt - das Vereinigte Königreich. Ein ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats, eine Veto-Macht, ein politisches Schwergewicht in der Weltpolitik, vertreten in allen wichtigen Gremien der Vereinten Nationen. Ein kleiner Traum für jeden Nachwuchs-Diplomaten, ein solches Land zu vertreten. Und: ein Privileg, dessen sich die Delegierten würdig zu erweisen hatten.

Drei Auszeichnungen als Belohnung für die Mühen

Das gelang ihnen, vergoldeten sie die Konferenz doch mit drei gewonnenen Auszeichnungen. Neben zwei Einzelauszeichnungen gewann man für Gesamtleistung die renommierte Auszeichnung als „distinguished delegation“. „Das ist das beste Ergebnis, das wir jemals in New York erzielen konnten“, sagt Tsetsos. In einem wöchentlichen Kurs hatte er die Gruppe gemeinsam mit vier studentischen Tutoren vorbereitet. Monatelang wurden diplomatische Ausdrucksweisen, Gepflogenheiten sowie Verhandlungstaktiken eingeübt und die politischen Positionen des Vereinigten Königreichs studiert. Zudem wurde die deutsche und britische UN-Vertretung in New York besucht, wo der Kontakt mit professionellen Diplomaten ermöglicht und deren Ratschläge und Hinweise zu Herzen genommen wurden.

Soweit zur Pflicht. Was folgte, war die Kür bei der knapp einwöchigen New Yorker Konferenz, bei der es sich bei Sitzungen und Verhandlungen bis spät in die Nacht mit 3000 Studenten zu messen galt. Wichtigste Tugend beim Wettstreit der Nachwuchs-Diplomaten von 250 Universitäten aus aller Welt: „ to stay in character“. Das heißt: Die persönlichen Meinungen, Haltungen, Ideologien ablegen, wenn man morgens das Diplomaten-Dress überstreift. Stattdessen die Positionen seines Landes in Fleisch und Blut übergehen lassen und diplomatische Contenance bewahren. Kurzum: Seine Rolle spielen. Komme, was wolle.

Ein diplomatischer Drahtseilakt

Es bedarf jedoch mehr als schauspielerischen Talents allein, um den hohen Erwartungen von NMUN gerecht zu werden. Was den Machern als Ergebnis der Inszenierung des UNO-Betriebs vorschwebt, ist nicht weniger als ein diplomatisches und politisches Meisterwerk. „Wenn Ihr in Euren Komitees seid, sollt Ihr Euch mit den anderen Delegierten auseinandersetzen, gemeinsame Wege finden, unterschiedliche Positionen überwinden und so den herausforderndsten Problemen unserer Welt begegnen“, so NMUN-Generalsekretärin Rachel Johnson bei ihrer Eröffnungsrede. Die Delegierten sollten Klüfte der internationalen Politik überwinden, um tragfähige weltpolitische Lösungen zu finden. Wo die großen UNO-Diplomaten nicht selten scheitern, sollten es die Nachwuchs-Diplomaten besser machen. Über ideologische Schatten springen, ohne aus der Rolle ihres Landes zu fallen –  es ist ein Drahtseilakt, den die Studierenden zu meistern hatten. Und all das im Dienste der Mammut-Aufgabe, an der sich auch Leinwand-Held Spiderman ein paar Blocks entfernt am Times Square abarbeitete: die Welt retten. Mit Resolutionen anstatt mit Netzen. Wenn auch nur in einer Simulation.

Zum Film über die diesjährige Teilnahme

Weitere Informationen zum NMUN-Modell

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