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Stress zum Fest der Liebe

Es ist wieder soweit: Das Jahr neigt sich dem Ende zu und Weihnachten steht vor der Tür. Dies bringt leider nicht immer nur Positives mit sich. Bernhard Leipold, Professor am Department für Psychologie, äußert sich im Interview zum Thema Weihnachtsstress.
Stress zum Fest der Liebe

Prof. Leipold ist an der Universität Professor für Entwicklungs- und Gesundheitspsychologie

In welchen Bereichen kann die Weihnachtszeit zu einer stressigen Belastung werden und wie kann man dieser entgehen?

Die Schlangen in den Geschäften werden länger, Züge und Autobahnen sind vor Weihnachten verstopfter und die Familie versammelt sich und hofft, dass es feierlich wird und der Stress ausbleibt. Unsere Erwartungen, dass es etwas ganz Besonderes werden soll, erhöhen die Anspannung. Um Stress zu vermeiden, sollte man rechtzeitig planen und einige Geschenke schon früher besorgen. Vielleicht lassen sich manche Termine auch in das neue Jahr verschieben.

Nicht jeder ist kreativ genug, um die richtigen Geschenke zu finden – was tun, wenn ein Geschenk nicht so gut ankommt und wie verhindere ich unangenehme Momente?

Der Sinn des Schenkens wird verfehlt, wenn es bloß aus dem Drang heraus geschieht, besonders kreativ zu sein. Wenn sich die Adressaten nicht besonders freuen, ist das schade, aber nichts Außergewöhnliches. Wenn ich glaube, dass ich mehr Respekt und Dankbarkeit ernte, je teurer und exklusiver meine Geschenke sind, habe ich einen entscheidenden Punkt nicht verstanden. Wenn ich anderen etwas schenke, gebe ich etwas von mir – ohne vertragliche Absicherung oder Garantie. In dieser Offenheit liegt der Charme des Schenkens. Die Beschenkten sollten frei darin sein, wie sie auf Geschenke reagieren. Ansonsten hätten wir es mit Bestechung zu tun. Ich glaube, entscheidend ist, dass uns die zu Beschenkenden wichtig sind und deutlich wird, dass wir uns Mühe gegeben haben.

Die Emotionen zum Weihnachtsfest können bei vielen Familien auch Streit auslösen. Wieso ist das so und wie lassen sich solche Konflikte bewältigen?

Streit ist Ausdruck von Gefühlen wie Ärger und Aggression, die hochkochen, wenn soziale Normen verletzt werden und Menschen sich gekränkt oder provoziert fühlen. Die Erwartungen an uns oder unsere Ansprüche, eine perfekte Rolle zu spielen und allen gerecht zu werden, sind an Weihnachten bei manchen besonders hoch. Es soll für die Großeltern, Eltern und Kinder schön werden. Das macht sensibel. Ich denke, wir drehen an unterschiedlichen Schrauben: Lassen sich die Ursachen des Konflikts strategisch beseitigen, indem ich mein Umfeld korrigiere, oder wie lerne ich zu akzeptieren oder nachzugeben? Wie kann man zwischen Parteien vermitteln und Gemeinsamkeiten finden? Über „die“ gute Bewältigungsform können wir lange diskutieren. Dazu erscheint ständig Ratgeberliteratur, was zeigt, wie sehr diese Fragen uns Menschen beschäftigen.

Das Fest der Liebe löst nicht bei jedem Glücksgefühle aus. Die Weihnachtszeit ist eher eine kalte und dunkle Jahreszeit. Dies drückt vielen Menschen auf die Stimmung. Was kann man tun, um sich davon nicht beeinflussen zu lassen?

Selbst aktiv werden, an die frische Luft gehen und Wintersport machen. Wenn man die Kälte scheut, gemeinsam etwas kochen, backen, basteln, spielen, Filme schauen, etwas lesen, Musik hören oder machen, ins Museum gehen, die Chance nutzen, sich zu besinnen. Kurz: Der Kälte in die Augen blicken.

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