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Schöne neue Welt? – Medien in der Bewährungsprobe

Das digitale Zeitalter prägt viele Bereiche unseres Lebens. Neue Herausforderungen zwingen auch unsere Medien sich zu verändern. Prof. Manuela Pietraß von der Universität der Bundeswehr München organisierte am 7. März zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion im Audimax.
Schöne neue Welt? – Medien in der Bewährungsprobe

Stefan Winners, Prof. Manuela Pietraß, Mathias Müller von Blumencron, Ulrich Wilhelm, Prof. Sigmund Gottlieb, Prof. Merith Niehuss (v.l.n.r.)

An der Diskussion nahmen Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR), Stefan Winners, Vorstand bei Hubert Burda Media, Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur für alle digitalen Produkte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sowie die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Manuela Pietraß von der Bundeswehruni teil. Der Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, Prof. Sigmund Gottlieb, moderierte die Veranstaltung. Die Begrüßung hielt die Präsidentin der Universität der Bundeswehr München Prof. Merith Niehuss.

„Das Publikum wird ungeduldiger, wird kritischer, wird unnachgiebiger“, so beschreibt Prof. Gottlieb die aktuelle mediale Situation zu Beginn der Podiumsdiskussion. Die Digitalisierung setze uns alle unter permanenten Zeitdruck. Besonders der Journalismus stehe unter diesem Druck. Wilhelm erläutert, wie die besagte neue Medienwelt den BR prägt. Neue Strukturen sollen die Journalisten aus den unterschiedlichsten Ressorts zusammen bringen. Diese Umstellung solle mehr Tiefgang und Orientierung zum jeweiligen Geschehen ermöglichen. Das Ziel solle sein, dass sich viele kluge Köpfe häufiger sehen, denn so könnten vielleicht auch neue Themenüberlegungen entstehen.

Soziale Medien besser kontrollieren

Prof. Pietraß, Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Medienbildung, äußert ihr besonderes Interesse für die Kritik der Nutzer. Dabei ist Orientierung ein wichtiger Punkt für sie: „Medien schaffen Wirklichkeit und wir brauchen diese um uns orientieren zu können“. Die Vielfalt der Wirklichkeiten gäbe uns unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema. „Das ist bildend“, ergänzt die Erziehungswissenschaftlerin.

Die Interessen der Konsumenten in der digitalen Welt können aber ganz unterschiedlich sein. So kann laut Müller von Blumencron ein Katzenvideo mehr Klicks erzielen als eine kompetente politische Analyse. Im Gegensatz zu der physischen Medienwelt lägen die Angebote im Digitalen unglaublich dicht nebeneinander. „Ein Klick und sie sind in einem anderen Angebot“, erklärt der Online-Chefredakteur. Dies führe oftmals dazu, dass sich die User im Netz verirren.

Doch neben lustigen Videos und seriösen Meldungen, kursieren auch Falschmeldungen im Internet. Besonders deutlich wird es bei Facebook. Klassische Medien, ganz egal ob es sich dabei um Zeitschriften, Zeitungen oder den Rundfunk handle, unterlägen sehr vielen Kontrollen, beschreibt Wilhelm: „Die Zeitungen zum Beispiel überprüfen Leserbriefe bevor sie sie veröffentlichen. Facebook macht das nicht“.

Glaubwürdigkeit ist wichtig für das Publikum

Den Ausdruck „Lügenpresse“ findet Prof. Pietraß ungerecht und absolut unpassend – „Lückenpresse“ drückt es ihrer Meinung nach vielleicht etwas besser aus, denn manche Menschen sehen es womöglich als falsch an, dass die Medien sie in eine bestimmte Richtung lenken wollen. „Wenn man das Gefühl hat, es gibt bestimmte Meinungen, die man äußern darf und andere nicht, kann natürlich die Problematik entstehen, dass bestimmte Meinungen überbetont werden“, erklärt die Professorin. Aus der Forschung weiß sie auch, dass eine extrem andere Meinung die Eigene nicht beeinflusst, sondern eher eine, die ein wenig anders ist. „Und dafür braucht man Meinungsvielfalt“, fährt sie fort.

Noch wichtiger als Meinungen sind für die Erziehungswissenschaftlerin Fakten, denn diese benötigen wir zur Orientierung. Gottlieb nutzt das Stichwort „Fakten“ und lenkt die Diskussion zurück auf das Thema „Fake-News“ in Richtung von Winners, der unter anderem für die Internetseite focus.de verantwortlich ist. Da in diesem Jahr Bundestagswahlen seien, rechnet Winners damit, dass Falschmeldungen noch eine große Rolle spielen werden. Dabei geht er auch auf die Wahl von Donald Trump ein. Zwar sei die Datenlage sehr unklar, dennoch gäbe es Untersuchungen und Umfragen, dass eine Woche vor der Wahl in Amerika doppelt so viele Menschen „Fake-News“ gelesen hätten. Zur Definition einer solchen Nachricht erklärt er: „Wir reden nicht über eine Meinung, sondern wir reden über einen gefälschten Wikipedia Eintrag, in dem Hillary Clinton 300 Mio. Dollar an eine Taliban Gruppe überweist“.

Winners meint, dass richtig gesteuerte „Fake-News“ einen enormen „Impact“ in sozialen Netzwerken haben. „Und natürlich ist es so, dass unsere Parteien in Deutschland und wahrscheinlich auch die extremen Parteien sehr genau mit diesen Instrumenten experimentieren“. Da Viele ihre Entscheidung erst kurz vor der Wahl träfen, könnten soziale Medienkampagnen gerade in dieser Zeit ein solches Ereignis beeinflussen.

Müller von Blumencron denkt nicht, dass „Fake-News“ ein neues Problem sind. „Das 20. Jahrhundert ist durch viele Jahrzehnte geprägt, in denen hunderte von Millionen Menschen eher geglaubt als gewusst haben. Mehr glauben wollten als wissen wollten“, beschreibt er: „Was war das größte Propagandamedium des 20. Jahrhunderts? Das Fernsehen“. Mit diesem seien Diktaturen gefördert und stabilisiert worden, die Millionen von Menschen ins Grab gebracht hätten, so der FAZ-Chefredakteur.

Verantwortung fängt im Elternhaus an

Der BR-Intendant Wilhelm merkt abschließend an, dass der Rechtsstaat Antworten finden müsse, um die Bürger vor Rechtsverletzungen im social media-Bereich zu schützen, besonders weil Beiträge im Internet schwieriger zu löschen seien – erst recht, wenn diese entsprechend oft geteilt werden. Müller von Blumencron betont in der Fragerunde am Schluss, dass die Schulen Medienkompetenz lehren müssten, denn die Medienwelt sei heute viel komplexer als früher. Hubert Burda Vorstand Winners sieht eine sehr große Verantwortung schon im Elternhaus. Die Erziehungsberechtigten müssten ihren Kindern alles erklären, ihnen Grenzen klar machen sowie mit dem sozialen Umfeld der Kinder sprechen.

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