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Prof. Hein gewinnt Europäischen Erfinderpreis 2017

Für die Entwicklung des Herzstücks des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo würdigte das Europäische Patentamt am 15. Juni den exzellenten Emeritus der Universität Prof. Günter Hein und sein Team mit dem Europäischen Erfinderpreis.
Prof. Hein gewinnt Europäischen Erfinderpreis 2017

Prof. Günter Hein mit Laurent Lestarquit, José Ángel Ávila Rodríguez, Lionel Ries (v.l.n.r.) und Jean-Luc Issler (Mitte). Foto: Europäisches Patentamt

Günter W. Hein war bis zum 30. September 2014 Professor für Erdmessung. Er übernahm 1983 als damals jüngster Professor an der Universität der Bundeswehr München das Institut für Erdmessung und Navigation. Im Dezember 2008 wurde er an der Universität beurlaubt, um an der europäischen Weltraumagentur ESA als Head of Galileo Operations and Evolution die Entwicklung des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo maßgeblich mitzugestalten und die Infrastruktur für seine Inbetriebnahme vorzubereiten.

Galileo-Signaltechnik bestimmt Positionen zentimetergenau

Den Europäischen Erfinderpreis erhielten die Wissenschaftler in der Kategorie „Forschung“, eine von fünf Sparten der 2017 zum zwölften Mal verliehenen Auszeichnung. Vor rund 600 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurde die europäische Forschergruppe im Arsenale in Venedig geehrt. Mit dem Europäischen Erfinderpreis werden jedes Jahr herausragende Erfinderinnen und Erfinder international ausgezeichnet, die durch ihre Arbeit wesentlich zum gesellschaftlichen, technologischen oder wirtschaftlichen Fortschritt beigetragen haben. Eine unabhängige internationale Jury wählte die diesjährigen Gewinner unter mehr als 450 Erfindern und Erfinder-Teams aus.

Dank der zwei Signaltechnologien, die Prof. Hein gemeinsam mit dem an der Universität der Bundeswehr München promovierten Spanier José Ángel Ávila Rodríguez sowie mit dem französischen Ingenieur Laurent Lestarquit und den Wissenschaftlern Jean-Luc Issler und Lionel Ries entwickelte, kann Galileo Positionen bis in den Zentimeterbereich genau bestimmen. Damit liegt es über dem amerikanischen GPS-Standard. Eine technische Herausforderung bei der Entwicklung der Signale war der zuvor in Verhandlungen zwischen der EU und den USA begrenzte Frequenzbereich. Die beiden von dem europäischen Forscherteam erfundenen EPA-patentierten Signaltechniken Composite Binary Offset Carrier (CBOC) und Alternative Binary Offset Carrier (Alt-BOC) kommen dieser Anforderung nach. Auch stellten die Wissenschaftler sicher, dass die Galileo-Signale mit anderen Satellitennavigationssystemen kompatibel sind. Die Signaltechnik trägt zudem dazu bei, dass die Satelliten weniger Energie verbrauchen.

Bis 2020 vollständig betriebsbereit

Im Dezember 2016 ist mit Galileo ein von den Amerikanern unabhängiges, globales Satellitennavigationssystem für Europa gestartet. Nach einer intensiven Testphase stehen die ersten Dienste mit 18 Satelliten auf etwa 23.000 km Höhe Behörden, Firmen und Rettungskräften offen. Letztere sollen Notrufe von Wanderern, Piloten oder Seglern ohne Handyempfang schneller erfassen und sogar beantworten können. Aber auch jeder Bürger mit Galileo-Empfangsgerät – zum Beispiel neueren Smartphones – kann sie nutzen. Das System soll mit einer Erweiterung auf bis zu 30 Satelliten in den nächsten drei Jahren überall uneingeschränkt verfügbar sein.

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