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Neue Erkenntnisse über historische Baugerüste

Ende Februar nahmen mehr als 80 Teilnehmer aus Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten am Kolloquium "Historische Baugerüste" teil. Die Veranstaltung wurde von Prof. Stefan M. Holzer und Dr.-Ing. Clemens Voigts (beide Fakultät für Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften) geleitet.
Neue Erkenntnisse über historische Baugerüste

Brücke von Grins (Tirol) mit erhaltenem Baugerüst von 1639

In 16 wissenschaftlichen Vorträgen wurde die Rolle des Baugerüstes aus bautechnikgeschichtlicher, wirtschafts- und sozialgeschichtlicher Perspektive, aber auch aus dem Blickwinkel der Bauarchäologie und der modernen Sanierungspraxis beleuchtet. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den Folgeerscheinungen, die durch historische Gerüste an Baudenkmälern verursacht wurden, wie z.B. sichtbare Spuren in Form von "Rüstlöchern", aber auch in Form bleibende bauzeitliche Verformungen. Im Zentrum des Kolloquiums standen dabei die durch Prof. Holzer und Dr. Voigts vorgestellten Befunde an einem noch existierenden Baugerüst aus dem 17. Jahrhundert - einer Brücke in Tirol, mehrere bauzeitliche Modelle historischer Gerüste, sowie die Auswertung der zeitgenössischen Traktat- und Archivalienquellen.

Großes nationales und internationales Interesse

Das Kolloquium wurde bereichert durch Gastvorträge weltweit renommierter ausländischer Wissenschaftler. So hielt Prof. Santiago Huerta (Universidad Polytécnica de Madrid), Experte für Gewölbestatik und Geschichte des Gewölbebaus, einen umfassenden Abendvortrag über die Rezeptionsgeschichte des gotischen Gewölbebaus vom frühen 16. bis ins 20. Jahrhundert und Prof. Nicoletta Marconi (Universitá Tor Vergata, Rom) stellte die einzige Monographie des 18. Jahrhunderts zum Gerüstbau, das Prachtwerk "Castelli e Ponti" ("Bau- und Arbeitsgerüste", 1743) des Nicola Zabaglia vor, der in Rom an der "Fabbrica di San Pietro" im Vatikan wirkte. Das Kolloquium brachte Architekten, Denkmalpfleger, Tragwerksplaner, Vertreter der historischen Bauforschung und Bau-Archäologie, Kunsthistoriker und Historiker zusammen und fügte sich somit nahtlos in das disziplinübergreifende Arbeitsfeld "Untersuchung, Analyse und Beurteilung historischer Bauwerke" ein, das im Zentrum der Forschungsarbeiten von Prof. Holzer und Dr. Voigts steht. Das große Interesse an der Veranstaltung unterstrich das internationale Renommée der Arbeitsgruppe an der Universität der Bundeswehr München in diesem Arbeitsfeld.

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