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Nachdenkliche Töne beim Neujahrsempfang

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. h.c. Charlotte Knobloch ist Festrednerin des diesjährigen Neujahrsempfangs der Militärseelsorge. Vor rund 200 Gästen spricht sie über die demokratischen Werte, die es gilt zu verteidigen.
Nachdenkliche Töne beim Neujahrsempfang

Bürgermeister Günter Heyland, Generalarzt Norbert Weller, Präsidentin Merith Niehuss, Charlotte Knobloch, Brigadegeneral Helmut Dotzler, Militärdekanin Barbara Hepp und der Bundestagsabgeordnete Florian Hahn (v.l.n.r.)

Auf Einladung der Militärseelsorge an der Universität der Bundeswehr München haben am 21. Januar hochrangige Gäste aus Politik, Wissenschaft und Militär den diesjährigen Neujahrsempfang im Universitätscasino besucht. Für den Festvortrag hatten die veranstaltenden Militärdekane Dr. Barbara Hepp und Dr. Jochen Folz bereits vor mehreren Monaten die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Dr. h. c. Charlotte Knobloch gewinnen können. Nun, so kurze Zeit nach den Anschlägen in Paris, hatte ihr Vortrag zum Thema „Werte – was uns zusammenhält und wofür wir gemeinsam kämpfen“ besondere Brisanz.

Gäste aus Militär, Politik und Wissenschaft

Die Militärdekanin Dr. Barbara Hepp begrüßte die zahlreichen Ehrengäste, darunter u.a. die Generalkonsule Frankreichs und Israels, Jean-Claude Brunet und Dr. Dan Shaham, den Bundestagsabgeordneten Florian Hahn, Brigadegeneral Helmut Dotzler und Generalarzt Dr. Norbert Weller sowie Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung Tutzing und neu berufenes Mitglied im Wissenschaftsrat. Die Präsidentin der Universität der Bundeswehr München Prof. Merith Niehuss und der Leiter Studentenbereich Oberst Detlev Adelmann wandten sich mit kurzen Ansprachen an die Gäste. Prof. Niehuss blickte auf die Erfolge der Universität im vergangenen Jahr zurück – ging aber auch auf die aktuelle politische Situation ein: Sie warnte vor der Ausgrenzung und Anfeindung von Minderheiten. Insbesondere sprach sie dabei den wachsenden Antisemitismus an und mahnte, sich diesen Tendenzen entgegenzustellen. Die Auswanderung von Juden aus Europa dürfe nicht die Konsequenz dieser furchtbaren Entwicklungen sein. „Wir sind gefragt, Stellung zu beziehen und solchen Tendenzen entgegenzuwirken.“

Das Jahr noch einmal von vorne anfangen …

Die Festrednerin Charlotte Knobloch erhielt eine besonders persönliche Vorstellung durch Fahnenjunker Anthea Weinmann, Studentin an der Universität der Bundeswehr München und selbst Jüdin. „Ich habe Sie immer für Ihr Leben für die Versöhnung und Ihren Einsatz für das Miteinander von Juden und Nichtjuden bewundert“, so die junge Studentin. Dass dies ihr Lebensthema ist, für das sie sich auch mit über 80 Jahren noch unermüdlich einsetzt, bewies Dr. Knobloch im Laufe ihrer einstündigen, teilweise kämpferischen Rede. Sie ging auf die Anschläge auf Charlie Hebdo und den koscheren Supermarkt in Paris ein: „Das Jahr ist noch so jung, aber angesichts dieser Geschehnisse wünschte ich, es könnte noch einmal von vorne anfangen“, so Knobloch nachdenklich. Die Anschläge und die in Europa zunehmenden antisemitischen Tendenzen zeigten allerdings eines überdeutlich: „Unsere Freiheit braucht Schutz, unsere demokratischen Werte müssen verteidigt werden.“ Die Werte der Aufklärung und der jüdisch-christlichen Tradition, namentlich die 10 Gebote, seien das gemeinsame Fundament der westlichen Welt.

Dankbarkeit gegenüber der Bundeswehr

Dr. Knobloch betonte, wie gerne sie Einrichtungen der Bundeswehr besuche. Sie drücke damit ihre Wertschätzung aus und verstehe ihre Besuche auch als Bestärkung und Ermutigung. Den beim Neujahrsempfang anwesenden Soldatinnen und Soldaten sprach sie ganz persönlich ihren Dank aus, dass sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, sich für den Schutz der Freiheit und der demokratischen Werte einzusetzen. Werte seien „das zentrale Thema unserer Zeit“. Sie sprach sich für einen aufgeklärten Patriotismus aus: „Nur wer stolz auf sein Land und dessen Werte ist, hat auch die Stärke und den Mut, sich dafür einzusetzen".

Verteidigung der Werte

Sie lobte das Selbstverständnis der Soldatinnen und Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“ und das Konzept der Inneren Führung. Der Offizier, so Knobloch, könne also „für sich selbst stehen“, das heißt unter der Berufung auf die Werte der Demokratie reflektierte Entscheidungen treffen. Und er oder sie werde auch dafür einstehen und Verantwortung für andere übernehmen. Aktuell sei dies notwendiger als noch vor zehn Jahren erwartet, so Knobloch, die u.a. auf die Krim-Krise und die Konflikte auf syrischem Staatsgebiet verwies. Im Hinblick auf die Zunahme des Antisemitismus in Europa und die Angst der jüdischen Mitbürger/-innen mahnte sie akuten Handlungsbedarf an, sonst werde die Kluft zwischen politischer Räson und gesellschaftlicher Realität immer tiefer. Und Hass gegen Juden wandle sich früher oder später immer auch in Hass gegen alle anderen Minderheiten. Hier sieht Knobloch die Bundeswehr, die Soldatinnen und Soldaten und alle Bürgerinnen und Bürger in der Pflicht. „Wenn wir unsere Werte jetzt nicht verteidigen, stehen alle Errungenschaften der Demokratie der letzten 70 Jahre in Frage.“

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