CI-Element wave

Marsballon-Test in der IABG Ottobrunn

In der Weltraumsimulationskammer der IABG in Ottobrunn findet ein spezieller Test für die Mission MIRIAM-2 statt. Dabei wird ein Ballon eingesetzt, der nicht wie gewohnt in der Atmosphäre aufsteigt, sondern aus dem Weltraum heraus in der Atmosphäre absinken soll.
Marsballon-Test in der IABG Ottobrunn

Ein Teil des MIRIAM-Teams vor der Vakuumkammer. Dahinter die zum Test vorbereitete, noch leere Ballonhülle.

Der MIRIAM-Ballon hat einen Durchmesser von 4 Metern und wird zunächst so klein gefaltet, dass er in die Spitze einer Höhenforschungsrakete passt. Die Rakete bringt den Ballon auf ca. 240 km Höhe. Dort wird er aufgeblasen und tritt wieder in die Atmosphäre ein. Kameras und Messinstrumente sollen den Verlauf des Tests dokumentieren. Dieses Experiment ist jedoch kein Selbstzweck. Es dient der Vorbereitung einer Mars-Mission: des Marsballons ARCHIMEDES. Dieser deutlich größere Ballon soll eines Tages im Mars-Orbit aufgeblasen werden und dann in die Mars-Atmosphäre eintreten und langsam absinken. Auf dem langen Weg zur Marsoberfläche sollen durch die im Ballon integrierte Nutzlast Messungen durchgeführt und Bilder aufgenommen werden. Es handelt sich dabei um ein völlig neues Konzept zur Erforschung der Atmosphäre eines anderen Planeten.

Zahlreiche Institute der Universität an den Projekten beteiligt

MIRIAM und ARCHIMEDES sind Projekte der Mars Society Deutschland. Die Universität der Bundeswehr München, vor allem die Institute für Raumfahrttechnik (Professor Roger Förstner), für Thermodynamik (Professor Christian Mundt) und für Leichtbau (Professor Helmut Rapp) der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik erarbeiten die wissenschaftlichen Grundlagen und planen und fertigen das Raumfahrzeug. Die IABG stellt ihre Testanlagen und die  Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Höhenforschungsraketen für die Flugtests zur Verfügung. Mehrere andere wissenschaftliche Einrichtungen und Firmen sind an dem Projekt beteiligt. Die Ballon-Fertigung wird von der Mars Society durchgeführt. Bereits im Jahr 2008 erfolgte mit MIRIAM-1 ein erster Flugtest, bei dem ein Ballon vom schwedischen Raketenstartplatz Kiruna in den Weltraum geschossen wurde. Diese Mission war nur teilweise erfolgreich, konnte jedoch zeigen, dass das Konzept grundsätzlich funktioniert. Deshalb ist nun im November 2015 die Mission MIRIAM-2 geplant.

Test unter Weltraumbedingungen

Der erste Test dafür hat allerdings noch nicht im Weltraum, aber nahezu unter Weltraumbedingungen stattgefunden, nämlich in der Vakuumkammer der Weltraumsimulationsanlage der IABG in Ottobrunn. Diese Kammer ist so groß, dass der aufgeblasene Ballon mit seinen 4 Metern Durchmesser hineinpasst. Für den Test wurde die zunächst leere Ballonhülle in der Kammer aufgehängt und der Kammerdruck auf 0,1 Millibar – eine Zehntausendstel  des irdischen Luftdrucks auf Meereshöhe – reduziert. Anschließend wurde der Ballon kontrolliert mit Helium gefüllt bis der vorgesehene Innendruck von 15 Millibar erreicht war. Der Ballon hielt dem Druck stand und die eingebauten Sensoren lieferten die gewünschten Daten. Damit ist der Weg für den Test im Weltraum 2015 frei. Die Fertigung des Flugballons hat bereits begonnen. Der MIRIAM-Ballon befindet sich in guter Gesellschaft: in der gleichen Vakuumkammer wurden schon andere Raumfahrzeuge getestet, an denen die Universität beteiligt ist, u. a. die Kometensonde „Rosetta“, die nach 10 Jahren Flug in diesem Jahr ihr Ziel erreichen wird und die Merkur-Sonde „BepiColombo“, deren Start für 2015 geplant ist.

Mehr Informationen zur Mars Society Deutschland    

Mehr Informationen zu MIRIAM-2

 

CI-Element Spinner