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Lesung mit Ex-Kommissar: Vom Tatort nach Afghanistan

Der Schaupieler und Buchautor Gregor Weber schildert Studierenden der Universität der Bundeswehr München seine persönlichen Erlebnisse über seinen Afghanistaneinsatz im vergangenen Jahr.
Lesung mit Ex-Kommissar: Vom Tatort nach Afghanistan

Die Organisatoren der Lesung, der Pressesprecher der Universität, Michael Brauns (1.v.l.) und Prof. Gabriele Goderbauer-Marchner (Professur für Print- und Onlinejounalismus) mit Autor Gregor Weber (Bildmitte).

Der ehemalige Tatort-Kommissar Gregor Weber wollte es wissen.  Er wollte selbst erfahren, wie deutsche Soldaten ihren Einsatz in Afghanistan erleben und wie sie mit der ständigen Bedrohung und Unsicherheit umgehen. Als Reservist legte Weber sein Zivilleben auf Eis und ließ sich reaktivieren. Im letzten Jahr war er dann für knapp vier Monate in Afghanistan und schrieb im Anschluss ein Buch über seine persönlichen Erfahrungen mit dem Titel „Krieg ist nur vorne Scheiße, hinten geht’s“. Es wird Anfang April erscheinen.

Diskussion in Gang bringen

Seine Erfahrungen und Erlebnisse möchte Weber teilen. Es ist ihm wichtig, dass eine Diskussion in Gang kommt und die Gesellschaft mehr über den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr erfährt. Auf seiner Leserreise durch Deutschland machte er auch Station in Neubiberg und stellte am 26. März sein Buch studierenden Offizieranwärtern und Offizieren an der Universität der Bundeswehr München vor. Diese  Studierenden, in der Masse vom Studiengang „Wirtschaft und Journalismus“, haben sich bei der Bundeswehr im Bewusstsein für 13 Jahre verpflichtet, dass ein Auslandseinsatz nach dem Studium eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für jeden einzelnen hat.

Eindringliche Schilderung des Erlebten

Weber las ganze Passagen aus seinem Buch vor, die sehr persönlich formuliert waren und die Zuhörer auf eindringliche Weise mitnahmen auf eine Reise in ein weit entferntes und fremdes Land. Plötzlich saß das Publikum mit Weber in einem Transportpanzer auf einer einsamen Staubpiste mitten in Afghanistan. Ein Transportpanzer, als Teil eines Konvois, der durch Motorprobleme nicht von der Stelle kommt. Und dann wird Weber mulmig und die Zuhörer können die stummen Gedanken beim Blick aus dem Fenster nachempfinden: Das Gelände ist wellig und von Gräben durchzogen, für Angreifer mit panzerbrechenden Waffen bestens geeignet. Ein Vorgesetzter hatte ihm einmal gesagt, „wer stehen bleibt, der stirbt“. In Kunduz erlebte der als Pressefeldwebel für die Betreuung von Journalisten eingesetzte Weber einen permanenten Ausnahmezustand, Lebensgefahr, die zur Gewohnheit wird, beobachtete Kameradschaft, deutsche Bürokratie in der Dritten Welt, Kämpfe und Hilfsaktionen und die Suche nach einem Sinn.

Intensive Fragerunde mit sehr persönlichen Antworten

Nach der Lesung folgte eine sehr rege Fragerunde und Diskussion. „“Würde er wieder in einen Einsatz gehen?“, „Hat der Einsatz ihn verändert“, „Wie hat seine Familie reagiert? Viele Fragen mit sehr persönlichen Antworten des Autors. „Ein weiterer Einsatz kommt zunächst nicht in Frage, ausschließen möchte ich ihn auch nicht“, erklärte Weber. „Ich bin nicht traumatisiert, wovon auch. Aber ich habe mich verändert. Die Dankbarkeit ist geblieben. Der Wille zur Zufriedenheit und zum Glück. Der Stolz auf meine starke Familie, ihre Geduld und ihren Glauben. Ich bin froh, dass ich diese  Erfahrungen machen durfte, und ich bin sehr froh, dass ich sie so gut überstanden habe. Viele Kameraden hatten dieses Glück nicht.“

 

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