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Arbeiten in der modernen Wirtschaft und Gesellschaft

Die Fakultät für Wirtschafts- und Organisationswissenschaften fragt in ihrem Forschungskolloquium nach „Fluch und Segen“ der schönen, neuen und vernetzten Arbeitswelt.
Arbeiten in der modernen Wirtschaft und Gesellschaft

Wie managen wir heute unsere digitale Arbeitswelt?

Mit rund 100 Gästen feierte die Fakultät für Wirtschafts- und Organisationswissenschaften im Rahmen ihres Kolloquiums das 40-jährige Bestehen der Universität der Bundeswehr München – und der eigenen Fakultät. Der geladene Key Note Speaker Prof. Arnold Picot von der LMU München hat auch eine persönliche Historie mit der Fakultät und war an der Frühphase ihrer Gründung beteiligt. Als junger Assistent durfte er mit Kollegen an einem Konzept für die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät an der entstehenden Hochschule der Bundeswehr in Neubiberg mitarbeiten. Auch der Fakultätsname kristallisierte sich im Zuge dieser Arbeitsgruppe und deren Diskussionen heraus. Der Name „Wirtschafts- und Organisationswissenschaften“ sei zwar ungewöhnlich, aber er finde ihn nach wie vor sehr passend, so Picot. „Der Name ermöglicht den Brückenschlag zu anderen Disziplinen.“ Wirtschaft aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, sei der Fakultät und ihren Mitgliedern in den vergangenen 40 Jahren sehr gut gelungen, gratulierte der Münchner Kollege.

Arbeit und Privates verschmelzen wieder

Prof. Picot zeichnete in seinem Vortrag „Die Zukunft der Arbeit in der digitalen Welt“ zunächst die historische Entwicklung von Arbeit in der Gesellschaft nach, stellte neue Formen von Arbeit vor und formulierte einige Thesen zum Arbeitsleben des 21. Jahrhunderts. So ist seiner Meinung nach die Trennung zwischen Arbeitsplatz und Privatleben, wie sie seit der industriellen Revolution herrschte, nicht das Modell der Zukunft, sondern war nur eine kurze  „Episode“, die vor allem das 19. und 20. Jahrhundert mit seinen Fabriken und der Fließbandarbeit prägte. Denn in der vorindustriellen Zeit waren der Mensch, sein Werkzeug und sein Lebensraum eng verknüpft, etwa in der Landwirtschaft oder in handwerklichen Betrieben. Und auch heute geht die Entwicklung wieder in diese Richtung, die „Werkzeuge“ des Menschen, d.h. vor allem seine digitalen Kommunikationsgeräte, sind sehr flexibel und mobil. Arbeit ist zeit- und ortsunabhängig möglich, Büro- und Fabrikgebäude verlieren an Bedeutung. Dass dies nicht zum Schaden derjenigen, die arbeiten, sein muss, untermauerte er mit einer aktuellen Umfrage: 70 Prozent der Befragten wünschen keine strikte Trennung zwischen Berufs- und Privatleben.

Polarisierung der Arbeitswelt

Die große Herausforderung sei es nun zu lernen, diese neue Arbeitswelt zu „managen“. Dies beginnt bei intelligenten und intuitiven Arbeitsmitteln, betrifft Themen wie effektives Informationsmanagement oder auch die Frage nach der Organisation der Zusammenarbeit. Bereits Realität ist in den Augen von Prof. Picot die Polarisierung der Arbeitswelt, die sich noch weiter fortsetzen wird. Es wird neue Formen der Arbeitsteilung geben, „physische“ Arbeitsplätze in der Produktion fallen aufgrund von Automatisierung weg, dafür braucht die stark software-getriebene Entwicklung qualifiziertes Personal, das aber z.B. projektbezogen und auch in neuen Modellen der Kooperation – Crowdsourcing – beschäftigt wird. Wird uns also die Arbeit ausgehen? Prof. Picot ist da Optimist: „Neue Technologien haben nie nachhaltig zu Massenarbeitslosigkeit geführt.“ Aber er sieht Bedarf, sich auf die Entwicklungen einzustellen, beispielsweise das Bildungssystem anzupassen sowie Sektoren, die nicht automatisierungsfähig sind, beispielsweise den Dienstleistungssektor, zu stärken.

Im weiteren Verlauf der Tagung griffen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München sowie Experten aus der Praxis einzelne Aspekte des Themas „Kooperation und Vernetzung“ auf. Dabei flossen neben der ökonomischen Perspektive auch psychologische, soziologische, rechtliche und politische Aspekte ein. Das Forschungskolloquium schlug also Brücken zu anderen Disziplinen, ganz wie es im Sinne des Namens der Fakultät ist, der vor 40 Jahren ausgewählt wurde.

 

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