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Alles hängt mit allem zusammen

US-Sicherheitsexpertin Melissa Hathaway spricht an der Universität der Bundeswehr München vor rund 50 Gästen zum Status quo des Internets und gibt einen Ausblick auf wichtige Fragestellungen für dessen zukünftige Entwicklung.
Alles hängt mit allem zusammen

Prof. Dr. Gabi Dreo-Rodosek (li.) und Melissa Hathaway.

Melissa Hathaway stellte in ihrem Vortrag „Connected Choices: How the Internet Is Challenging Sovereign Decisions“ die aktuellen Problematiken und die sich abzeichnenden Tendenzen in der Weiterentwicklung des Internets in den kommenden zehn Jahren vor. Das Internet entwickle sich immer mehr zu einem „Internet der Dinge“, in dem auch Alltagsgegenstände miteinander verbunden seien. Dies führe in Verbindung mit der veralteten Sicherheitstechnik des Internets zu vermehrten Sicherheitsrisiken. Hathaway betonte, dass aktuell noch kein Staat ausreichend für das digitale Zeitalter gerüstet sei, die Digitalisierung des Alltags aber trotzdem unablässig voranschreite. Deswegen sei es die Pflicht jedes Staates, so Hathaway, die technische Entwicklung der auf Internetdienste zugreifenden Hard- und Software-Produkte gesetzlich so zu regulieren, dass in Zukunft nur ausgereifte Produkte auf dem Markt erhältlich seien.

Diskussionen von geopolitischem Interesse

Zudem sei eine Renovierung der zu Grunde liegenden Technologie des Internets mit Hilfe von internationalen Standards und Richtlinien unabdingbar. Hathaway merkte an, dass diese Diskussionen von großem geopolitischem Interesse geprägt seien, denn wer den Zugang zum Internet mitbestimme, könne den Zugang zu künftigen Ressourcen wie z. B. Steuern auf Internettransaktionen oder die Kontrolle über Datenströme sichern. Die Rednerin gab hierbei zu bedenken, dass innenpolitische Interessenskonflikte großen Einfluss auf die Ausgestaltung internationaler Richtlinien hätten und auch weniger einflussreiche Staaten von den Vereinbarungen profitieren müssten.

Denkanstöße zum Umgang mit dem Internet

Im weiteren Verlauf ihres Vortrages machte die Sicherheitsexpertin deutlich, dass noch kein Staat über Lösungen verfüge, wie seine Bürger sinnvoll vor den vielfältigen Attacken aus dem Netz zu schützen seien. Vielmehr sehe man in der Gegenwart eine sich zuspitzende Spirale aus der Beschneidung von Privatsphäre und der fortschreitenden Verbesserung von privat genutzter Verschlüsselungstechnik. Aber auch im wirtschaftlichen Sektor gebe es Bedarf an Gesetzen, die den Schutz der Privatsphäre neu regeln sollten. Hathaway verwies in diesem Zusammenhang auf die „Datensammelwut“ von Großkonzernen und eine mangelnde Sicherheitstechnik zum Schutz des Bürgers. Staatliche Regulierung sei hier gefordert, so die Referentin. Ein internationaler Dialog, der die Implikationen des Internets mit ihren Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Blick habe, wäre dabei von großer Wichtigkeit um den zukünftigen Problemen begegnen zu können.

Die anschließende Podiumsdiskussion, in der Hathaway ausführlich aufkommende Fragen zur Zukunft des Internets beantwortete, spiegelte das rege Interesse der Zuhörerinnen und Zuhörer an dem Vortrag wider. Zum Vortrag eingeladen hatten die Sprecherin des Forschungszentrums Cyber Defence, Professorin Dr. Gabi Dreo Rodosek (Fakultät für Informatik) und der Sicherheitspolitische Arbeitskreis.

Zur Rednerin

Melissa Hathaway ist die Präsidentin der Hathaway Global Strategies, LLC. Sie beriet den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush sowie den jetzigen US-Präsidenten Barack Obama in Fragen der Netzsicherheit. In ihrer beratenden Funktion nahm sie u.a. wesentlichen Einfluss auf die Formulierung der „Comprehensive National Cybersecurity Initiative“ (CNCI) und analysierte die Programme der US-Regierungsstellen, die sich mit Informationssicherheit befassten. Sie ist 46 Jahre alt und hat zwei Söhne.

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